Als Seitenstück und als Beweis, daß die Franzosen es zu allen Zeiten verstanden haben, ihre Niederlagen als Siege auszurufen, eine Kunst, in der Napoleon I. allerdings der anerkannte Meister war, seien auch einige Stellen aus dem in spätern Nummern der »Deutschen Blätter« (vom 8. und 9. November) veröffentlichten und mit Anmerkungen begleiteten amtlichen französischen Berichte über die Schlachten bei Leipzig mitgetheilt.
Nachdem schon die beiden Schlachten des 16. October, bei Wachau und Möckern, als Siege der Franzosen bezeichnet worden sind, heißt es über den 18. October:
Das Schlachtfeld blieb ganz in unserer Gewalt, und die französische Armee war auf den Gefilden von Leipzig wie bei Wachau siegreich. Das Feuer unserer Kanonen hatte bei Nacht auf allen Punkten eine Stunde weit vom Schlachtfelde das Feuer des Feindes zum Schweigen gebracht.
Wer dies liest, wird, auch wenn er schon an solche Verkehrung der Wahrheit gewöhnt ist, wenigstens neugierig sein, wie der trotz dieser »Siege« angetretene Rückzug der Franzosen erklärt worden sei. Napoleon ist über eine solche Erklärung nicht verlegen: es war lediglich der Mangel an Munition, der ihn zwang, sich trotz seiner Siege bei Leipzig auf sein großes Depot in Erfurt zurückzuziehen, wo er dann freilich auch nicht gar lange blieb! Er sagt wörtlich:
Dieser Umstand zwang die französische Armee, auf die Früchte zweier Siege Verzicht zu leisten, worin sie mit so viel Ruhm viel stärkere Truppen und die Armeen vom ganzen Continent geschlagen hatte .... Der Feind, der seit den Schlachten vom 16. und 18. bestürzt war, faßte durch die Unfälle am 19. wieder Muth und betrachtete sich als Sieger. Die französische Armee hat nach so glänzenden Erfolgen ihre siegreiche Stellung verloren.
Die Redaction der »Deutschen Blätter« bemerkt zu einer dieser Stellen, die fast so viel Unwahrheiten als Worte enthalten, lakonisch:
Hätten die Franzosen jederzeit so »gesiegt« wie bei Leipzig, so wäre Napoleon weder erster Consul noch Kaiser geworden.
Während der entscheidenden Tage und unmittelbar nach diesen hatte übrigens die Redaction in Altenburg einen schweren Stand gehabt: Alles verlangte nach Nachrichten, und diese gingen damals doch so viel langsamer als gegenwärtig.
Dr. Hain schrieb darüber aus Altenburg vom 21. October an Brockhaus nach Leipzig: