Der Herr Buchhändler Herder zu Freiburg im Breisgau hat angezeigt, daß er durch einen Auftrag des Herrn General von Langenau veranlaßt worden, die seither bei mir erschienenen »Deutschen Blätter« fortsetzen.

Gegen diese ebenso unerwartete als befremdende Anzeige sehe ich mich bewogen, zu erklären, daß die Idee, der Titel und der ganze Plan zu dieser Zeitschrift einzig und allein von mir herrühren; daß die Genehmigung Sr. Durchlaucht des Fürsten von Schwarzenberg nur der Form wegen erfolgte, indem ich mir, theils um allen Censur- und andern Schwierigkeiten im voraus zu begegnen, theils um auf keinen denkbaren Fall die Landesbehörden zu compromittiren, den Befehl dazu erbat; daß ich endlich, mit Zurücksetzung aller persönlichen Rücksichten, in einem Zeitpunkte, wo die französischen Heere noch in dem Herzen von Sachsen standen (12. October) und der entscheidende Streich, der Deutschland von ihnen befreite, erst vorbereitet ward, wo mithin die Aeußerung freimüthiger patriotischer Gesinnungen etwas verdienstlicher war als gegenwärtig, wo man mit hinlänglicher Sicherheit den Patrioten spielen kann, das Unternehmen mit dem 14. October begann.

Wenn ich folglich sowol nach den über literarisches Eigenthum in allen Staaten bestehenden Grundsätzen als auch aus Gründen der Billigkeit die »Deutschen Blätter« als mein vollkommenes Eigenthum betrachten darf, so kann offenbar die Fortsetzung derselben weder von irgendeiner Behörde befohlen, noch von irgendjemandem ohne meine ausdrückliche Einwilligung unternommen werden.

Wurde bei dem jetzigen Stande des Kriegstheaters für nöthig erachtet, zur Verbreitung der Armeenachrichten ein neues Blatt zu gründen, so konnte und mußte dies ohne meine Beeinträchtigung geschehen.

Ich hege daher die Hoffnung, der Herr Buchhändler Herder werde, sobald ihm diese Verhältnisse bekannt geworden, sich beeilen, seiner Zeitschrift, gegen deren Herausgabe an und für sich von meiner Seite nicht das Allergeringste einzuwenden ist, einen andern Titel zu geben, und sie nicht ferner eine Fortsetzung meiner »Deutschen Blätter« nennen, da ich diese selbst fortsetzen und bis zum künftigen allgemeinen Frieden fortsetzen werde.

Der immer steigende Beifall des Publikums ist der sicherste Beweis, daß ein politisches Blatt von dem Charakter, welchen die Redaction seither den »Deutschen Blättern« zu geben gewußt hat, den Zeitverhältnissen angemessen ist. Aber eben darin hat die Redaction auch den größten Sporn für sich gefunden, das Interesse derselben immer mehr zu erhöhen und zu verallgemeinern. Zahlreiche Mitarbeiter, und unter diesen mehrere der vorzüglichsten Schriftsteller Deutschlands, eine ausgebreitete Correspondenz, directe Verbindungen mit Holland, England und den verschiedenen Hauptquartieren, die günstige Lage der Redaction im Mittelpunkte von Deutschland und am Stapelplatze des deutschen Buchhandels: dies Alles sind Eigenthümlichkeiten und Vorzüge, welche ohnehin mit dem bloßen Titel nicht erworben werden könnten.

Sämmtliche Mitarbeiter und Correspondenten der »Deutschen Blätter« werden daher fortfahren, ihre Beiträge nach Leipzig oder nach Altenburg zu adressiren.

Altenburg und Leipzig, den 18. Januar 1814.

Friedr. Arn. Brockhaus.

Herder setzte trotzdem sein Blatt fort, gab es aber schon nach kaum einem halben Jahre wieder auf, wie aus folgender »Nachricht« in Nr. 158 der »Deutschen Blätter« vom 16. Juli 1814 hervorgeht:

Die »Teutschen Blätter«, welche sich in Freiburg im Breisgau mit einer in der deutschen Literatur unerhörten Frechheit als eine Fortsetzung der unserigen, während diese nie aufgehört hatten zu erscheinen, ankündigten, sind, öffentlichen Nachrichten zufolge, mit der 76. Nummer geschlossen worden.

Von dem bekannten Geschichtschreiber Karl Ludwig von Woltmann wurde gleichfalls eine Zeitschrift unter dem Titel »Deutsche Blätter« in den Jahren 1813 und 1814 in Berlin herausgegeben, doch war dies keine politische, sondern eine historische Zeitschrift, die mit dem von Brockhaus herausgegebenen Blatte in keiner Weise concurrirte. Woltmann, der mit Brockhaus schon seit längerer Zeit in Verbindung stand, erbot sich selbst zu Beiträgen für dessen Blatt und schrieb ihm im Januar 1814 aus Prag, wohin er im Sommer 1813 geflohen war, um der Rache Napoleon's auszuweichen:

Ihre »Deutschen Blätter« kenne ich noch nicht. Mein Journal unter diesem Titel setze ich in diesem Jahre fort. Wahrscheinlich ist das Ihrige ein politisches.

Unbeirrt durch alle Schwierigkeiten und Anfechtungen ging Brockhaus mit frischem Muthe an die weitere Förderung seiner »Deutschen Blätter«. Er hatte auch die Genugthuung, daß sie in Deutschland rasch Anklang und Verbreitung fanden. Die Auflage betrug in der ersten Zeit über 4000 Exemplare, eine für damalige Verhältnisse sehr hohe Zahl, und der erste Band wurde so vielfach nachverlangt, daß die meisten Nummern desselben mehr als einmal neu gesetzt und gedruckt werden mußten.

Uebrigens fühlte Brockhaus die Verpflichtung, nunmehr ein förmliches Programm der Zeitschrift zu veröffentlichen, was in der ersten Zeit weder nöthig noch thunlich gewesen war. Dieses erschien gerade vier Wochen nach dem Beginn des Blattes, in Nr. 31 vom 13. November 1813, und lautet:

Erklärung der Redaction der »Deutschen Blätter«.

So unerwartet günstig unsere »Deutschen Blätter« auch vom Publikum aufgenommen worden sind, so verkennt die Redaction derselben keineswegs, daß sie diese günstige Aufnahme mehr dem Interesse an den großen Begebenheiten, welche sich unter unsern Augen ereigneten, und der Idee, welche jeder Wohlgesinnte in den »Deutschen Blättern« ahnte und finden konnte, zu verdanken habe als ihrer bisherigen Ausführung. Jetzt, da durch größere Entfernung des Kriegstheaters der Drang der Begebenheiten nicht mehr so nahe auf uns einwirkt und auch die Redaction sich mit größerer Ruhe und weniger Störung der Herausgabe dieser Blätter widmen kann, sei es ihr erlaubt, sich näher über das auszusprechen, was die »Deutschen Blätter« eigentlich sein wollen und was sie nicht sein wollen, damit zwischen ihr und dem Publikum hierüber künftig kein Misverständniß eintreten kann.

Die »Deutschen Blätter«

wollen keine Zeitung sein.

Zur Organisirung einer Zeitung, wenn sie dem Ideale entsprechen soll, das der Redaction darüber vorschwebt und welches einst in der guten alten Zeit durch den »Hamburger unparth. Correspondenten« wirklich erreicht wurde, gehören große Vorbereitungen, eine so umfassende Correspondenz, so mannichfaltige Verbindungen, auch sind dabei überhaupt so viele Verhältnisse zu berücksichtigen, daß es der Redaction wie der Verlagshandlung der »Deutschen Blätter«, welche beide ebenso sehr die Schwierigkeiten als die Bedingungen der Herausgabe einer guten Zeitung zu erwägen wissen, nicht in den Sinn gekommen ist, eine solche unternehmen zu wollen. Die Zwecke, welche die Redaction durch die »Deutschen Blätter« erreichen wollte, konnten aber auch durch eine Zeitung nicht erreicht werden, da diese eigentlich nur referiren soll, was in der Gegenwart geschieht, und ohne für oder gegen eine der handelnden Personen oder Völker Partei zu nehmen.

Die »Deutschen Blätter« wollen also keine Zeitung sein, sondern

ein politisches Volksblatt,

das Wort »Volk« hier im höhern und edlern Sinne genommen, ein Blatt, das in allen Ländern deutscher Zunge mit Theilnahme kann gelesen werden, welches bei einem bloßen Zeitungsblatte, das in einer gewissen Entfernung bald alles Interesse verliert, nicht der Fall sein kann. Sie thun daher von jetzt an, wo sich das Kriegstheater aus der Nähe der Redaction weggezogen hat, auf die Mittheilung alles dessen Verzicht, was man im engern Sinne gewöhnlich »Zeitungsneuigkeiten« und »Zeitungsnachrichten« zu nennen pflegt, insofern sie nicht den Zweck haben wollen, das Publikum mit den Begebenheiten des Tags so schnell als möglich oder wol gar zuerst und vollständig bekannt zu machen. Die »Deutschen Blätter« werden zwar nicht versäumen, die glorreichen Ereignisse, welche wir den verbündeten Armeen, an welche sich bald die gesammte deutsche Nationalkraft wird angeschlossen haben, auch ferner bis zur gänzlichen Befreiung unsers gemeinsamen Vaterlandes verdanken werden, mitzutheilen, allein es wird in einer andern Form geschehen, als es bisher geschehen konnte. Es werden nämlich größere Zeitpunkte nach bedeutenden Abschnitten der Begebenheiten dazu festgesetzt werden, die Darstellung der in dieselben fallenden Begebenheiten wird historisch zusammenhängend in größern erklärenden Uebersichten erfolgen und von den wichtigsten officiellen Bekanntmachungen der verschiedenen Armeen begleitet sein.

Hauptsächlich aber wird das Streben der »Deutschen Blätter« dahin gehen, Gemeinsinn zu erwecken, die deutsche Nationalwürde zu erheben, Haß gegen fremde Unterjochung und Vertrauen gegen uns selbst einzuflößen. Auch die belehrende und warnende Geschichte der letzten zehn traurigen Jahre, in welchen Deutschlands herrliche Nationalkräfte von Fremdlingen, die sich durch List und Gewalt auf unsern Boden eingeschlichen hatten, nur gebraucht wurden, damit die deutschen Völker sich untereinander selbst aufrieben und das zerstörten oder lähmten, was eigentlich unsere Nationalkraft war und unsern Nationalcharakter bildete, wird daher von dem Gegenstande unserer Blätter nicht ausgeschlossen sein. Alles, was mithin dazu dienen kann, die Tyrannei und Willkür, womit ein fremder Usurpator uns und — das freie stolze Britannien ausgenommen — ganz Europa bedrückte, nach wahrhaften Quellen genauer kennen zu lernen, ferner historische Data über einen in der Weltgeschichte einzigen, bisher aber noch nicht unparteiisch geschilderten Zeitpunkt, in welchem es für Staaten wie für Individuen weder Sicherheit des Besitzes noch der Personen gab, werden daher von den »Deutschen Blättern« gern aufgenommen werden. Es werden sich solche auch ein besonderes Geschäft daraus machen, das systematische Lügengewebe der französischen Nachrichten zu entwirren und die Sophismen ihrer diplomatischen Verhandlungen zu widerlegen. Alles endlich, was dazu führen kann, über Deutschlands künftige politische Verfassung im allgemeinen und im besondern gemeinnützige und aufgeklärte Ideen zu verbreiten und fruchtbare Gedanken über die Verbesserung unsers politischen Zustandes zu wecken, soll ein besonderer Gegenstand der »Deutschen Blätter« sein.

Zur Erreichung dieser Zwecke hat sich die Redaction schon mit mehrern ausgezeichneten Schriftstellern und Geschäftsmännern in Verbindung gesetzt; sie rechnet aber auch auf die freie Unterstützung anderer aufgeklärter Männer in unserm ganzen gemeinsamen Vaterlande, um so mehr, »da die Freiheit der Rede und der Schrift uns wiedergegeben ist, wie die des Handelns«; und wird sie endlich auch aus andern Blättern manches aufnehmen, was dazu beitragen kann, diese Blätter zu einem »Nationalarchiv der Deutschen« zu erheben.

Was die Art der künftigen Erscheinung betrifft, so wird die Verlagshandlung nachstehend das Nähere darüber bekanntmachen.

Die Redaction der »Deutschen Blätter«.

Die darauffolgende Mittheilung der Verlagshandlung beschränkt sich auf Angaben über Preis, Erscheinungsweise (künftig wöchentlich viermal, statt täglich wie bisher, gleichzeitige Ausgabe in Leipzig und Altenburg) u. s. w. mit dem Zusatze: die ganze Form und Anlage der »Deutschen Blätter« gehe dahin, daß sie eine »Nationalchronik« bilden sollen, welche gesammelt immer ihr Interesse behalten werde.

Vom April 1814 an wurden wöchentlich nur drei Nummern ausgegeben. Von Mitte April 1815 an, bis zu welchem Zeitpunkte in den anderthalb Jahren seit Mitte October 1813 sechs Bände erschienen waren, wurden wöchentlich zwei bis drei Bogen (ohne Datum als »Stücke« bezeichnet) ausgegeben, und zu dem Titel wurde »Neue Folge« hinzugesetzt; vom 10. Juni 1815 an (nach dem Wiederausbruche des Kriegs) wurden den regelmäßigen Stücken wöchentlich besondere Beilagen unter dem Titel: »Tagesgeschichte. Zu den Deutschen Blättern. Neue Folge« beigegeben, die Ende September (mit dem zweiten Bande der Neuen Folge) wieder eingestellt wurden.