Mit dem dritten Bande der Neuen Folge, dem neunten im Ganzen, hörten die »Deutschen Blätter« im Frühjahre 1816 auf, nachdem sie gerade zwei und ein halbes Jahr lang erschienen waren.
Das oben mitgetheilte Programm der »Deutschen Blätter« wurde von ihnen während der ganzen Dauer ihrer Wirksamkeit treu eingehalten. Nur erhielt es durch die Zeitereignisse mitunter eine Erweiterung oder Vervollständigung. Einige der hierauf bezüglichen Erklärungen sind für die Zeitschrift wie für deren Herausgeber des Blattes besonders bezeichnend.
So heißt es beim Schlusse des dritten Bandes am 21. Mai 1814:
Die »Deutschen Blätter« sehen einen großen Zweck, zu dem auch sie mitgewirkt haben und über welchen sie in Deutschland mit zuerst öffentlich und furchtlos gesprochen zu haben sich zu einigem Verdienste anrechnen dürfen, erreicht. Nicht durch die Waffen allein ist der Tyrann besiegt worden, sondern auch durch die öffentliche Meinung, welche zu bilden und zu leiten das Geschäft der Schriftsteller ist. Er ist untergegangen in einer Schmach, für welche die Geschichte kein Gegenstück aufzuweisen hat. Der Nimbus seiner Größe ist verschwunden und tiefe Verachtung der Furcht und dem Hasse gefolgt, die der elende Heuchler seit zwölf Jahren Europa eingeflößt hatte. Aber wenn auch er untergegangen ist, so sind es nicht mit ihm seine Helfershelfer, die, mit Verbrechen beladen, dennoch zum Bedauern der Welt scheinen Verzeihung erhalten zu sollen; nicht ist mit ihm untergegangen jener gallische Uebermuth, jene Verderbtheit dieses Volks, das seit fünfundzwanzig Jahren eine Geisel der Welt gewesen ist und alle Stufen menschlicher Verbrechen durchlaufen hat. Ohne die Schlechtigkeit dieses Volks, ohne die Verworfenheit seiner Räthe, Minister und Generale konnte Bonaparte nicht der Tyrann und Despot werden, welcher er geworden ist. Nicht er allein war es, den wir zu bekämpfen hatten, auch gegen diese sind unsere Waffen gerichtet.
Die »Deutschen Blätter« werden daher auch fernerhin, so lange sie fortgesetzt werden, insbesondere gegen gallischen Uebermuth und Afterweisheit für alle Zeiten sprechen und Bewahrer des deutschen Nationalsinnes bleiben.
Bei Vollendung des vierten Bandes am 23. August 1814 sagt die Redaction:
Noch ist zu dem Wiederaufbau des deutschen Staatsgebäudes nur der Grundstein gelegt, nur der Umriß entworfen. Es hoch und herrlich und dauerhaft aufzuführen, alle seine Theile zu einem wohlgeordneten und wohleingerichteten Ganzen zu verbinden, damit es seinen Bewohnern Schutz und Sicherheit und bequemen Aufenthalt gewähre, den Nachbarn Vertrauen und Ehrfurcht einflöße, das wird das Werk der nächsten Zukunft sein. Vieles und Großes ist gethan, aber mehr und Größeres ist noch zu thun, damit aus der Zerstörung ein dauerndes Wohl der Menschheit aufblühe. Mit diesem heiligen Zwecke wird sich der Wiener Congreß beschäftigen, auf den vornehmlich die Blicke der Deutschen gerichtet sein müssen.
Es war Brockhaus' Absicht gewesen, die »Deutschen Blätter« schon mit diesem fünften Bande abzuschließen. Da aber von den Resultaten des Wiener Congresses nur erst Weniges und Unbestimmtes bekannt geworden war, so erklärte er am 1. December 1814, daß er noch einen sechsten Band erscheinen lassen wolle.
Bevor dieser noch vollständig geworden war, hatte Napoleon die Insel Elba, auf die man ihn für seine Lebenszeit verbannen zu können in kurzsichtiger Verblendung gehofft hatte, plötzlich verlassen, war am 1. März 1815 an der französischen Küste gelandet und bereits am 20. März in Paris eingezogen. Der Wiener Congreß war auseinandergestoben, aber die Alliirten hatten sich aufs neue verbündet und unterm 13. März eine Achtserklärung gegen Napoleon als allgemeinen Feind und Ruhestörer erlassen: der Krieg entbrannte aufs neue.
So konnten auch die »Deutschen Blätter« ihre Aufgabe noch immer nicht als ganz erfüllt ansehen; sie begannen eine »Neue Folge«, und auch als die Herrlichkeit der »Hundert Tage« durch die Schlacht bei Waterloo am 18. Juni und Napoleon's zweite Abdankung am 22. Juni ein rasches Ende gefunden, erschienen sie noch eine Zeit lang fort. Am 7. Juli waren die Verbündeten zum zweiten male in Paris eingezogen, am 20. November wurde der zweite Pariser Friede geschlossen, nachdem schon am 8. Juni der Deutsche Bund errichtet, tags darauf die Wiener Schlußacte unterzeichnet worden war. Jetzt war der Krieg wirklich beendet, und die »Deutschen Blätter« konnten nun vom Schauplatz abtreten. Am 22. Februar 1816 zeigte Brockhaus vorläufig an, daß er mit dem im Erscheinen begriffenen neunten Bande die »Deutschen Blätter« schließen werde, und einige Wochen darauf wurde die letzte Nummer ausgegeben.