Joseph Fouché, 1763 zu Nantes geboren, erst Lehrer, dann Advocat, war während der Französischen Revolution bekanntlich ein eifriger Anhänger Danton's gewesen und hatte sich an den Greueln in Lyon lebhaft betheiligt. Er erhielt 1799 die Direction der Polizei in Paris und wurde von Napoleon nach dem österreichischen Kriege zum Herzog von Otranto ernannt. Nach 1810 in Ungnade gefallen, wurde er 1813 Generalgouverneur von Illyrien, 1815 während der Hundert Tage nochmals Polizeiminister, stellte sich nach Napoleon's Niederlage bei Waterloo an die Spitze der provisorischen Regierung und wurde dann von Ludwig XVIII. als Gesandter nach Dresden geschickt. Während dieses dresdener Aufenthalts schrieb er die beiden von Brockhaus verlegten Schriften. Bald darauf mußte er, durch das Verbannungsdecret vom 12. Januar 1816 gegen die sogenannten Königsmörder mit getroffen, seine Stellung und überhaupt den Staatsdienst verlassen und zog sich erst nach Prag, dann nach Linz und endlich nach Triest zurück, wo er 1820 starb.
In jenen beiden Schriften versuchte er vergeblich, sich zu rechtfertigen und vor dem Verluste seiner Stellung zu schützen.
Die erste ist in die Form eines Briefs an den Herzog von Wellington, der zu seinen Gönnern gehörte, gekleidet und führt den Titel: »Correspondance du duc d'Otrante avec le duc de *** Première lettre. Dresde, le premier Janvier, 1816.« Sie enthält außer dem 48 Seiten umfassenden Briefe an den Herzog von Wellington (dessen Name aber nicht genannt ist) ein von Brockhaus unterzeichnetes 4 Seiten langes Vorwort, überschrieben »L'éditeur au public« und Altenburg, 15. August 1816 datirt. Brockhaus warnt darin vor einem soeben angeblich in London gedruckten unberechtigten und verstümmelten Abdrucke des Briefes, kündigt einen zweiten und dritten Brief an, die indeß nie erschienen, und veröffentlicht zugleich den Privatbrief Fouché's an Wellington, welcher die Veranlassung zu der Schrift erklärt.
Die zweite Schrift wurde gleichzeitig französisch und deutsch herausgegeben unter den Titeln: »Notice sur le duc d'Otrante« und: »Aus dem Leben Joseph Fouché's, Herzogs von Otranto. Nach authentischen Quellen und mit wichtigen Actenstücken für die neueste Zeitgeschichte. Anhang: Brief Fouché's an Wellington, Dresden, 1. Januar 1816.«
Brockhaus hatte beide Schriften durch Vermittelung seines Freundes Böttiger erhalten und verkehrte darüber brieflich und mündlich mit Fouché's Secretär, Demarteau in Dresden. Er bewog einen londoner Verleger (Colburn) und einen amsterdamer (Sülpke), ihre Firmen neben der seinigen auf den Titel setzen zu lassen, und hegte überhaupt große Erwartungen von dem buchhändlerischen Erfolge dieser Schriften. Wenn er auch für ihren Inhalt und Verfasser in keiner Weise eintrat, hob er doch deren unzweifelhafte Wichtigkeit für die Zeitgeschichte hervor. Indeß entsprach der Absatz keineswegs seinen Hoffnungen und der aufgewendeten Mühe, besonders wol, weil jener unberechtigte Abdruck des Briefes vorher erschienen war und das verdiente Schicksal Fouché's keine große Theilnahme erregte. An diesen Umständen und an Fouché's Sturze scheiterten auch die von Brockhaus mit Demarteau angeknüpften Unterhandlungen über den Verlag von Fouché's Memoiren, für die er bei einem Umfange von ungefähr 120 Druckbogen 12000 Francs geboten hatte. Sie wurden erst nach Fouché's Tode in Paris unter dem Titel: »Mémoires de Fouché« (2 Bände, 1824), veröffentlicht und rühren auch wahrscheinlich von ihm her, obwol sie von seinen Erben als unecht angegriffen wurden.
Neben diesen die verschiedensten Gebiete berührenden Zeitbroschüren verlegte Brockhaus auch während der altenburger Periode eine Reihe der eigentlichen Geschichte gewidmeter Werke, zum Theil größern Umfangs und der Mehrzahl nach ebenfalls die nächste Vergangenheit behandelnd.
Die beiden wichtigsten Werke dieser Gattung rühren von einem Schriftsteller her, der uns schon als fleißiger Mitarbeiter an den »Deutschen Blättern« und als Mitverfasser einer gegen Napoleon gerichteten Broschüre, der mit seinem Freunde Villers zusammen herausgegebenen »Fanfaronaden«, begegnet ist: Friedrich Jakob Christoph Saalfeld (geb. 1785, gest. 1834), Professor der Geschichte an der Universität Göttingen und freisinniges Mitglied der hannoverschen Ständeversammlung.
Das erste Werk ist eine »Allgemeine Geschichte der neuesten Zeit, seit dem Anfange der Französischen Revolution«; es begann 1815, die Vollendung erfolgte aber erst 1823 (in 4 Bänden zu je 2 Abtheilungen, also zusammen 8 Theile umfassend); den Endpunkt bildet der Aachener Congreß von 1818.