Das zweite Werk (1817 erschienen) heißt: »Das Heer von Inneröstreich unter den Befehlen des Erzherzogs Johann im Kriege von 1809 in Italien, Tyrol und Ungarn. Von einem Stabsoffizier des k. k. Generalquartiermeister-Stabes eben dieser Armee; durchgehends aus den officiellen Quellen, aus den erlassenen Befehlen, Operationsjournalen u. s. w.«; eine zweite »durchaus umgearbeitete und sehr vermehrte« Auflage erschien 1848, kurz vor des Verfassers Tode.

Auf keinem der beiden Werke war Hormayr als Verfasser genannt, auf dem zweiten vielmehr »ein Stabsoffizier des k. k. Generalquartiermeister-Stabes« der betreffenden Armee als solcher bezeichnet, beiden aber ein officieller Charakter beigelegt.

Letzterer Umstand berührte in den Hofkreisen Wiens sehr unangenehm; man war daselbst überhaupt mit diesen Veröffentlichungen ebenso wenig einverstanden als mit dem Verhalten des Erzherzogs Johann in dem tiroler Kriege. Ueber den Verfasser wurden die strengsten Untersuchungen angestellt und zuerst die Biographie Hofer's, dann auch die Geschichte des Feldzugs in Wien verboten.

Aus der Correspondenz zwischen Hormayr und Brockhaus geht übrigens als zweifellos hervor, daß der eigentliche Verfasser oder wenigstens Veranlasser beider Werke gar nicht Hormayr war, sondern Niemand anders als der Erzherzog Johann selbst.

Die Correspondenz wurde mit äußerster Vorsicht geführt, die Briefe wurden von Hormayr meist ohne Unterschrift gelassen, oft in dritter Person geschrieben, an fremde Adressen gerichtet, Duplicate abgesandt u. s. w. Hormayr, der mit Brockhaus auch sonst in literarischen Beziehungen stand und von ihm besonders um Schritte gegen einen Nachdruck des »Conversations-Lexikon« ersucht worden war, vertraute unbedingt auf dessen Discretion, mahnte indeß in ihrem beiderseitigen Interesse zur äußersten Vorsicht.

Am 26. April 1817 schrieb er aus Wien an Brockhaus:

.... Das Verbot gegen »Hofer« ist in ein paar Monaten ohnedies zurückgenommen. Man schämt sich dessen bereits.

Tolleres und Unsinnigeres könnte aber nichts geschehen, nichts könnte meine äußerst glücklichen Negociationen für das »Conversations-Lexikon« und gegen dessen Nachdruck in Oesterreich zerstörender und unheilbarer durchkreuzen, als wenn der übrigens genialische Oken in seiner göttlichen und unübertrefflichen Grobheit in der ohnehin äußerst verhaßten »Isis« etwas Anzügliches über das Verbot »Hofer's« sagte und es dadurch erst recht bestärkte und verewigte, zugleich aber auch Ihnen und Ihren Artikeln insgesammt eine förmliche und systematische Verfolgung des Fürsten Metternich zuzöge, welche unausbleiblich zu erwarten steht.

Brockhaus beruhigte ihn darüber und schrieb unter anderm auch: er werde dem Erzherzog Johann bei der Sendung des neuen Werks die von diesem bestellten weitern Exemplare des »Hofer« schicken.

Hormayr antwortete unterm 5. Juni 1817:

Der Erzherzog wünscht, daß die 10 Exemplare von »Hofer« nebst den andern 20 nicht vergessen werden, wünscht übrigens, daß das Erscheinen der Kriegsgeschichte noch um mehrere Wochen verzögert werde, wenn es mit Ihrer übrigen Berechnung in Einklang zu bringen ist. Er vermuthet, es seien auf indirecten schlauen Wegen aus Anlaß des Meßkatalogs schon Anfragen bei Ihnen um dieses Manuscript (»Das Heer von Inneröstreich«) geschehen, wünscht aber um so mehr strenge Verschwiegenheit, wie Sie dazu gekommen, als er selbst und sein Generalquartiermeister Graf Nugent, jetzt Generalissimus des Königs Ferdinand von Neapel, die eigentlichen Verfasser davon sind.

Unser erhabener Freund läßt Sie avisiren, auf das Manuscript und dessen schleunige Vertilgung bedacht zu sein, da nach einem allerneuesten Beispiele A. M. einzelne Bogen zweier Manuscripte in Ihrer Nähe stehlen ließ und hierher einsendete.