Mit A. M., von dem hier so Ehrenwerthes berichtet wird, war der österreichische Diplomat und Schriftsteller Adam Müller gemeint, in den Jahren 1815-1827 österreichischer Generalconsul in Leipzig. Geboren 1779 zu Berlin, war er von Gentz, der viel auf ihn hielt, nach Wien gezogen worden und dort 1805 zum Katholicismus übergetreten; er wurde später Hofrath im Ministerium des Auswärtigen in Wien und starb daselbst 1829.
Auch Adam Müller gehörte zu Brockhaus' Autoren, bis dieser von Hormayr und Andern vor ihm gewarnt wurde und selbst Beweise erhielt, daß diese Warnungen fast schon zu spät kamen. Er hatte von ihm 1816 eine staatswirthschaftliche Schrift verlegt: »Versuche einer neuen Theorie des Geldes mit besonderer Rücksicht auf Großbritannien«, und 1817 das erste Heft eines auf 8-10 Hefte berechneten Sammelwerks unter dem Titel: »Die Fortschritte der nationalökonomischen Wissenschaft in England während des laufenden Jahrhunderts. Eine Sammlung deutscher Uebersetzungen der seit dem Jahre 1801 bis jetzt erschienenen bedeutendsten parlamentarischen Reports, Flug- und Streitschriften, Recensionen u. s. w., welche zur Förderung und Berichtigung der staatswirthschaftlichen Theorie beigetragen haben.« Adam Müller nannte sich zwar nicht auf dem Titel, aber in der Einleitung als Herausgeber, mit der Bemerkung, daß er durch seine amtliche Thätigkeit an der Fortsetzung gehindert sei, die ein anderer Gelehrter übernehmen werde; diese Fortsetzung erschien indeß nicht. Beide Schriften sollten ursprünglich von Schaumburg in Wien verlegt werden, waren Brockhaus aber noch vor ihrer Druckvollendung von dem Verfasser angetragen worden. Müller arbeitete auch zuerst an den von Brockhaus herausgegebenen »Zeitgenossen« mit und lieferte die dieses Werk eröffnende Biographie Franz' I., Kaisers von Oesterreich, die auch in einer Separatausgabe (1816) erschien.
Hormayr hatte schon unterm 20. August 1816 an Brockhaus geschrieben:
Adam Müller ist ein Agent der österreichischen geheimen Polizei. Wir Beide sind überdies persönliche Feinde. Ich finde es in mehr als einer Hinsicht nothwendig, diese lange versparte Warnung hier auszusprechen.
Nachdem er diese Warnung in der oben mitgetheilten verstärkten Weise wiederholt hatte, fügt er am 10. October 1817 hinzu:
Sie glauben gar nicht, wie A. M. sich geschäftig macht, eine Wichtigkeit erhaschen will, beinahe in jeder Buchhandlung seine Spione hat und das Banner des Obscurantismus und des Preßzwanges recht hoch aufwirft und recht laut predigt. Zuerst Jude, dann evangelisch, jetzt intolerant katholisch, mit einer seinem Gastfreund und Wohlthäter in Großpolen entführten Frau Vertheidiger der Unauflösbarkeit der Ehen, früher ein Vordermann der libérales und constitutionnels, jetzt der Feldpater des Despotismus — muß er allerdings viel Hochachtung und viel Zutrauen auf seinen Charakter einflößen!
Am 22. October 1817 schrieb Hormayr weiter:
Was ist zu hoffen, wenn es einem boshaften Heuchler wie A. M. gelingt, durch Wort und That so klar und schön bezeichnete deutsche Männer, wie Sie und Perthes, als libérales, als ultra-constitutionnels, als Girondisten auszuschreien und eine Verfolgung gegen Sie zu provociren, nicht wegen des Inhalts dieser oder jener Werke, sondern weil sie bei Ihnen erscheinen?
Inzwischen waren die Nachforschungen nach dem Verfasser der beiden Hormayr'schen Werke fortgesetzt worden.