Böttiger fragte direct bei Brockhaus nach dem Namen des Verfassers der Kriegsgeschichte, von dem österreichischen Gesandten in Dresden wahrscheinlich gerade wegen seines nahen geschäftlichen und freundschaftlichen Verhältnisses zu Brockhaus mit diesem delicaten Auftrage betraut. Er schrieb an ihn unterm 24. October 1817 aus Dresden:
Wer ist der »Stabsoffizier vom Generalstabe«, der den »Krieg in Inneröstreich vom Jahre 1809« in Ihrem Verlage nebst allen dazu gehörigen Actenstücken herausgab? Können, dürfen Sie ihn nennen? Ich gehe ehrlich zu Werke, wie sich's gegen den Freund ziemt .... Das Buch hat auf den Kaiser selbst und seinen Alles vermögenden Generaladjutanten einen sehr unangenehmen Eindruck gemacht, weil es aus officiellen Quellen geschöpft, sehr authentisch, aber auch in Erinnerung früherer Fehlgriffe und Fehlschlagungen sehr schmerzlich ist. Fürst Metternich hat dem k. österreichischen Gesandten (in Dresden) Graf Bombelles die dringendsten Aufträge zur Erforschung des Verfassers ertheilt.
Obwol Böttiger im Weitern selbst eine Klage gegen Brockhaus als wahrscheinlich hinstellt, wenn der Verfasser nicht genannt würde, antwortete dieser unterm 29. October 1817 doch ablehnend und bat Böttiger, auch dem Grafen Bombelles zu sagen, daß er über den wirklichen Verfasser und Einsender des Manuscripts selbst nichts Sicheres wisse. Er handelte dabei nach speciellen Instructionen des Erzherzogs Johann, der ihn außerdem durch Hormayr wiederholt um strengste Discretion bitten ließ.
Böttiger beruhigte sich dabei noch nicht, da er auch direct von Wien aus, wo er wie allerwärts Verbindungen hatte, um Nachforschungen angegangen wurde. In einem Briefe vom 9. November 1817 an Brockhaus sagt er:
Unser (sächsischer) Legationsrath Griesinger in Wien schreibt mir, daß sich bereits sämmtliche Offiziere des Generalstabes feierlichst von der Autorschaft und der Einsendung des »Kriegs von Inneröstreich« losgesagt hätten und daß man allgemein glaube, daß eine Civilperson Urheber sei. (Man hält es auf Hormayr.) Der Kaiser will Alles daransetzen, um den Urheber dieses Skandals zu erfahren.
In Wien wußte man gewiß schon längst, daß Hormayr der Verfasser oder Einsender der Werke und der Erzherzog Johann dabei betheiligt sei, wollte aber von dem Verleger das Eingeständniß davon erlangen.
Hormayr schreibt an Brockhaus unterm 16. November 1817:
In Wien sind wol über zehn Generale, denen der Erzherzog das Manuscript selbst zu lesen gab, die also gar wohl wissen, daß er selbst der Verfasser und nur Ein und Anderes aus andern Quellen ergänzt ist. Meinen Stil, meine Darstellung darin zu erkennen, wäre wahrhaftig ein wahres Kunststück.
In Betreff der Autorschaft der Kriegsgeschichte sagt Hormayr in einem Briefe aus Brünn vom 28. August 1816 noch directer, daß sie »aus dem Tagebuche und Operations-Journale des Erzherzogs Johann, damaligen Commandirenden in Italien, genommen ist«.
Unangenehm war es Hormayr, daß gerade in derselben Zeit (1817), wo man in Wien besonders wegen der Bemerkung auf dem Titel des Werks: »Von einem Stabsoffizier u. s. w.« verletzt war, der preußische Oberst Massenbach auf Requisition Preußens in Würtemberg verhaftet, nach Küstrin gebracht und kriegsrechtlich zu einer vierzehnjährigen Festungsstrafe verurtheilt wurde; es geschah dies, wie seinerzeit mitgetheilt, nicht wegen seiner in den Jahren 1808 und 1809 bei Brockhaus erschienenen Werke, sondern wegen beabsichtigten Landesverraths durch Bekanntmachung amtlicher Schriften, womit er in einem Briefe an den König von Preußen gedroht hatte, falls ihm gewisse Forderungen nicht gewährt würden. Die Analogie mit der hier stattgehabten Veröffentlichung amtlicher Actenstücke lag nahe.