Hormayr schrieb in dieser Zeit an Brockhaus in einem von fremder Hand abgefaßten Briefe ohne Datum und Unterschrift:

Ich soll Ihnen schleunigst im Namen des Prinzen melden, daß Fürst Metternich, durch A. M. aufgestachelt, das bewußte Buch als Vorwand gebrauchen wolle, den vermeintlichen Verfasser, der aber immer nur Depositär jenes Manuscripts war, zum zweiten male zu stürzen und, eingedenk Ihrer edeln Anhänglichkeit an die deutsche Sache, auch Ihnen dabei einen Stoß zu geben. Vorderhand soll, wie man hört, der Titel des Buchs als von einem Generalstabs-Offizier herrührend angegriffen werden, in Analogie mit der eben jetzt ventilirten Massenbach'schen Sache.

Die ganze Angelegenheit hatte übrigens weder für den Erzherzog Johann und Hormayr, noch für Brockhaus weitere Folgen, und das Aufsehen, welches sie erregt hatte, sowie das in Oesterreich erfolgte Verbot beider Werke vermehrte nur den Absatz derselben selbst in Oesterreich, wo damals ein solches Verbot die Verbreitung der davon betroffenen Werke wol erschwerte, aber eher förderte als hinderte. Der Erzherzog Johann ließ Brockhaus auch eine Entschädigung für den bei der Angelegenheit gehabten Verlust anbieten, die dieser aber ablehnte.


Folgende Geschichtswerke wurden in dieser Zeit noch von Brockhaus verlegt: Der erste Theil einer Sammlung von Essays des verdienten Geschichtschreibers Karl Ludwig von Woltmann (geb. 1770, gest. 1817), unter dem Titel: »Politische Blicke und Berichte« (1816), wozu aber keine Fortsetzung erschien; zwei Monographien von Karl Georg Treitschke, dem Verfasser einer früher erwähnten Broschüre, unter den Titeln: »Geschichte der funfzehnjährigen Freiheit von Pisa«, und: »Heinrich der Erste, König der Deutschen, und seine Gemahlin Mathilde« (1814); »Historische Denkwürdigkeiten« (1817) von dem nassauischen Historiker Johannes von Arnoldi (geb. 1751, gest. 1827); endlich zwei Monographien des schon früher genannten theologischen und historischen Schriftstellers Friedrich August Koethe: »Das Jahr 1715 oder wie's vor hundert Jahren in der Welt aussah. Ein Erinnerungs- und Trost-Büchlein für 1815«, und: »Historisches Taschenbuch auf das Jahr 1817. Enthaltend: Das Jahr 1616 oder die Lage Europas vor dem Beginn des dreißigjährigen Krieges.«


Endlich ist noch ein größeres zeitgeschichtliches, halb journalistisches, halb encyklopädisches Unternehmen zu nennen, das, wie die »Deutschen Blätter« den Anfang, so den Schluß der altenburger Periode bildet; es führt den Titel: »Zeitgenossen. Biographien und Charakteristiken.«

Dieses Unternehmen wurde von Brockhaus im Jahre 1816 begonnen und nicht nur von ihm bis zu seinem Tode herausgegeben, sondern auch nachher noch von seiner Firma viele Jahre lang (bis zum Jahre 1841) fortgeführt. Es sollte hervorragende »Zeitgenossen«, noch lebende oder schon verstorbene Männer, welche der mit dem Jahre 1789 beginnenden neuen Zeitepoche angehörten und sich in irgendeiner Richtung ausgezeichnet, in »Biographien und Charakteristiken« vorführen, sie »in einem Ehrentempel vereinigen, der ihr Andenken erhält und ihre Thaten mit Freimüthigkeit würdigt«. Das Werk fand lebhaften Beifall und große Verbreitung im deutschen Publikum und hat anerkanntermaßen bleibenden Werth für die Zeitgeschichte.

Ein näheres Eingehen auf die Art, wie es seine Aufgabe löste, auf den Inhalt und die Mitarbeiter, wird besser der Schilderung der dritten und letzten Periode von Brockhaus' Verlagsthätigkeit vorbehalten, da das Werk wesentlich in diese, nur der Anfang in die frühere Zeit fällt. Auch hängt Brockhaus' Beschäftigung mit diesem Werke eng zusammen mit seiner in Leipzig noch mehr als in Altenburg und Amsterdam hervortretenden Vorliebe für Herausgabe von Journalen, namentlich durch Begründung des »Hermes oder kritisches Jahrbuch der Literatur« (1819) und durch Uebernahme des »Literarischen Wochenblatt« (1820), bald darauf »Literarisches Conversationsblatt«, seit Mitte 1826 »Blätter für literarische Unterhaltung« genannt, unter welchem Titel es noch jetzt nach mehr als funfzigjährigem Erscheinen fortbesteht.