Wir schreiben dem Herrn Verfasser heute weitläuftiger über Titel, Form und Inhalt, welche unsere Bemerkungen er Ihnen zur gefälligen Mitbeurtheilung communiciren wird. Der Inhalt und der Plan wie die ganze Idee des Werks hat unsern Beifall und wir haben daran nichts oder wenig zu erinnern. Die Form und der Stil aber ist nicht so, wie er sein könnte und wie er im jetzigen Zeitalter gefordert wird. Es könnte diesem aber ohne besondere Mühe nachgeholfen werden, wenn vor dem Drucke ein guter Stilist das Manuscript revidirte und hin und wieder wegschnitte oder nachhülfe. Sie würden uns unendlich verbinden, wenn Sie dazu Jemanden auffinden wollten. Wir verstehen uns gern zu einer billigen Vergütung. Zum Titel haben wir dem Herrn Verfasser zwei Vorschläge gemacht. Prüfen Sie solche gefälligst. Wir lassen uns gerne sagen ..... Wir empfehlen Ihnen das Werk des Herrn von Groß so, als wäre es Ihr eigenes. Dies ist genug gesagt. Rechnen Sie auf unsern Dank und unsere Erkenntlichkeit. Es wird nicht möglich sein wahrscheinlich, Ihnen in den ersten vier Wochen darüber näher zu schreiben, da Schreiber dieses wahrscheinlich in der andern Woche nach Paris reisen muß, indem wir mit einer französischen Buchhandlung wegen Ueberlassung der Massenbach'schen Memoiren (im Manuscript) zu einer französischen Uebersetzung in Unterhandlung sind, was auch mit Philips in London der Fall ist. Handeln Sie darum in zweifelhaften Fällen nach bester eigener Einsicht. Alles, was Sie thun, ist und wird wohlgethan sein. Michaelis muß nur Alles fertig sein. Bei irgendeiner Möglichkeit kommt Schreiber dieses zu Michaelis nach Leipzig. Die Verhältnisse unserer Handlungen werden gewiß zu Ihrer Zufriedenheit auseinander- und fortgesetzt werden.

Ueber die Massenbach'schen Werke sagt er noch in demselben Briefe:

Vom Obersten von Massenbach haben wir nun sein Tagebuch, seine Memoiren von 1787 bis 1807 und Rückerinnerungen an große Männer übernommen: ohne Zweifel mit die interessantesten Werke, welche über die neuere Geschichte seit zwanzig Jahren sind bekannt gemacht worden. Das bei Sander von Massenbach angekündigte Werk erscheint nicht und wird in eins dieser verschmolzen. Die in Berlin gestochenen Karten und Pläne, von denen schon sechs fertig sind, werden Ihnen als Kenner viele Freude machen. Wir haben in Deutschland noch nichts von gleicher Vollendung gesehen.

Die mit einer französischen Handlung (Treuttel & Würtz in Paris) angeknüpften Verhandlungen wegen einer Uebersetzung oder Bearbeitung der Massenbach'schen Memoiren zerschlugen sich übrigens, und infolge dessen unterblieb auch vorläufig die Reise nach Paris.

Brockhaus reiste dagegen im Herbst 1808 zur Michaelismesse nach Leipzig; es war das erste mal, daß er diese Stadt als Buchhändler besuchte, damals wol nicht ahnend, daß er daselbst einen großen Theil der nächsten Jahre, während sein Geschäft noch in Amsterdam war, zubringen und später selbst mit seinem Geschäfte, nach einer kurzen Zwischenperiode in Altenburg, bleibend dahin übersiedeln werde.

Die Michaelismesse in Leipzig hatte damals für den Buchhandel eine größere Wichtigkeit als jetzt, wo sie nur noch den Endtermin für die in der Ostermesse nicht vollständig erledigten Zahlungen bildet. Brockhaus wollte seine zu Ostern dieses Jahres unmöglich gewordene Reise nach Leipzig nicht wieder bis zur Ostermesse des nächsten Jahres aufschieben, weil es ihm nach dem im Juni erfolgten Eintritte des neuen Gehülfen Bornträger eher möglich war, sich auf einige Wochen von Amsterdam zu entfernen, und außerdem der Stand seiner Angelegenheiten in Leipzig eine persönliche Anwesenheit daselbst dringend nöthig machte.

Der dortige neue Commissionär Reclam hatte nämlich die ihm übertragenen Meßgeschäfte durchaus nicht zu Brockhaus' Zufriedenheit besorgt. Ohne in diesem Falle, wie in manchem ähnlichen, uns auf die eine oder die andere Seite der streitenden Parteien zu stellen — wozu die noch vorhandenen Actenstücke meistens auch nicht ausreichen — suchen wir die Sachlage möglichst objectiv darzulegen.

Brockhaus veröffentlichte sofort nach seiner Ende September erfolgten Ankunft in Leipzig ein Circular, datirt Leipziger Michaelismesse 1808, dem wir Folgendes entnehmen: