[Dritter Abschnitt.]
Von Amsterdam nach Altenburg.
[1.]
Ende des amsterdamer Aufenthalts.
Am 8. December 1809 war Sophie Brockhaus gestorben, nachdem sie am 24. November einer Tochter das Leben gegeben, die nach ihr Sophie genannt wurde. Schon in den letzten Monaten hatte sie viel gelitten; während ihrer Krankheit und dann während des Wochenbetts war sie von ihrer jüngsten Schwester Josina (die später den in holländischen Diensten stehenden Obersten Eichler heirathete) gepflegt worden. Die ersten Tage nach der Entbindung waren schon glücklich überstanden, als sie sich durch zu zeitiges Aufstehen eine Erkältung zuzog, die ihren Tod herbeiführte.
Die damals zehn Jahre zählende älteste Tochter Auguste erinnert sich gehört zu haben, daß in diesen Tagen ihr Vater sehr aufgeregt in das Zimmer seiner Frau gekommen sei und unter deren Sachen eifrig nach einem Briefe gesucht habe, der ihm wegen der traurigen Hiltrop'schen Angelegenheit von Wichtigkeit war; da er den Brief nicht fand, sei ihre Mutter dann selbst aufgestanden, um, wiewol ebenfalls vergeblich, danach zu suchen, und infolge dieses vorzeitigen Aufstehens erkrankt. In dem betreffenden Processe war kurz vorher (am 16. November 1809) das für Brockhaus ungünstige erste Urtheil erfolgt, das ihn zu einer (am 28. Februar 1810 erlassenen) Appellation veranlaßte, und jener Brief war vermuthlich der von uns bei Darstellung dieser Angelegenheit (S. 24) mitgetheilte Brief seiner Schwägerin Elisabeth Hiltrop, von dem Brockhaus bei Abdruck desselben unter den Actenstücken des Processes erwähnt, er habe ihn erst nach dem Tode seiner Frau unter ihren Papieren vorgefunden. Ist diese Annahme begründet, so hat jener unglückselige Proceß, der ihm das Leben so verbitterte und überhaupt so verhängnißvoll für ihn war, selbst den Tod seiner Frau veranlaßt!
Brockhaus hatte mit seiner Frau elf Jahre in der glücklichsten Ehe gelebt. Sie hatte ihm sieben Kinder geboren, vier Söhne und drei Töchter, die bei ihrem Tode noch sämmtlich am Leben waren. Wie glücklich er mit ihr lebte, wie sie seine treueste Freundin und Beratherin in den vielen schweren Zeiten war, die er bis dahin zu überstehen hatte, ist aus manchen seiner von uns mitgetheilten Briefe zu ersehen; aus den Briefen Anderer, daß ihr Werth auch von seinen nähern Freunden, wie Cramer und Baggesen, erkannt wurde. Schrieb doch Cramer von ihr, wie ebenfalls bereits mitgetheilt: »daß sie an schöner deutscher Häuslichkeit, Gutheit, Freundlichkeit und Verstand zu seinen Idealen gehöre« und der Gattin von Voß, Ernestine, sehr gleiche. Brockhaus hatte ihr Porträt (wol von Cornelia Scheffer, der Mutter Ary Scheffer's) malen und auch eine Büste seiner Frau anfertigen lassen, doch ist leider nichts davon erhalten.
Als er kurz nach ihrem Tode in Dortmund war und zuerst wieder das Haus ihres Vaters betrat, warf er sich, vom Schmerz übermannt, auf den Boden nieder und küßte die Schwelle des Hauses; auf die erstaunte Frage seines jungen Neffen, der ihn begleitete, erwiderte er: »Hier habe ich meine Sophie zum ersten male gesehen!« Und als er anderthalb Jahre später wieder kurze Zeit in Amsterdam verweilte, da bildete das zwei Stunden von der Stadt schön am Y gelegene Dorf Muiden, auf dessen Kirchhof er sie begraben, seinen Lieblingsspaziergang und er brachte viele Abende dort in stiller Wehmuth zu.