Der Tod seiner Frau wurde aber auch die entscheidende Veranlassung, daß Brockhaus Amsterdam bald darauf für immer verließ.

Die politischen Verhältnisse hatten ihm allerdings den Aufenthalt daselbst schon seit einiger Zeit verleidet, da sie den buchhändlerischen Verkehr nach allen Richtungen hin erschwerten. Brockhaus ließ seine Verlagswerke meist in Deutschland drucken: in Leipzig bei Breitkopf & Härtel, Hirschfeld und andern Buchdruckern, in Weimar bei Bertuch, in Braunschweig bei Vieweg, in Halle und noch an andern Orten. Seitdem nun Holland französisch geworden war, konnte er von seinen eigenen Verlagswerken kein Exemplar nach Amsterdam zum Verkaufe in seinem Sortimentsgeschäfte erhalten, ohne erst in Paris die Erlaubniß dazu erbeten und die Anzahl der einzuführenden Exemplare dort »declarirt« zu haben. Es läßt sich denken, welche Belästigungen und Umständlichkeiten damit verbunden waren. In derselben Lage befanden sich freilich auch die Sortimentshandlungen in den französisch gewordenen Provinzen Norddeutschlands, im Hannöverschen, Westfalen, Bremen, Hamburg u. s. w. Friedrich Perthes in Hamburg organisirte deshalb förmlich für sich und befreundete Handlungen die mit vielen Formalitäten verknüpften Manipulationen bei diesem Geschäftsgange und ließ selbst eine Instruction darüber drucken. Auch Brockhaus fand einen einigermaßen praktischen Ausweg, indem er für seine Geschäftsfreunde in den drei französischen Departements Norddeutschlands die Anzahl der an sie zu sendenden Verlagsartikel in Paris selbst declarirte und die Sendung dann jedesmal nur an Eine Handlung zur Vertheilung an die übrigen gehen ließ.

So hätte er wol noch längere Zeit in Amsterdam zu bleiben versucht, und war selbst unablässig bemüht, sein Sortimentsgeschäft weiter auszudehnen, besonders, um den eben geschilderten Uebelständen zu begegnen.

Am 11. November 1809 schreibt er an Heyse in Bremen: Er könne ihm nicht direct von Amsterdam seine Verlagsartikel senden, sondern nur von Leipzig aus, nach vorausgegangener Declaration in Paris; aber in Zukunft könne sich Heyse deshalb nach Aurich (in Ostfriesland) wenden, wo er, vom Gouvernement selbst dazu aufgefordert, »was sich nicht wohl refusiren ließ«, ein Etablissement zu errichten versuchen werde. Dieses Vorhaben kam auch wirklich zur Ausführung, und Bornträger, der inzwischen von Leipzig nach Amsterdam zurückgekehrt war, wurde von ihm deshalb nach Aurich geschickt. Indeß hatte das Etablissement in Aurich nur einen sehr kurzen Bestand, aber nicht weil es sich als unzweckmäßig herausstellte, sondern weil Bornträger seiner persönlichen Sicherheit wegen dort ebenso wenig bleiben konnte wie früher in Amsterdam.

Bornträger war Ende November 1809 über Groningen nach Aurich gereist, aber kaum dort angekommen, machte er Brockhaus die Mittheilung, daß er auch dort fürchten müsse, zum Militär ausgehoben zu werden.

Brockhaus fügte darauf dem ersten an sein auricher Geschäft abgegangenen Briefe vom 30. November, der zugleich der letzte sein sollte, folgende Zuschrift an Bornträger vom 2. December hinzu:

Ich danke Ihnen für die umständlichen Berichte. Bei dieser Lage ist keine Wahl. Zurückkommen können Sie aus hundert Ursachen aber auch nicht. Mein Entschluß ist also gefaßt: Sie gehen in Gottes Namen nach Leipzig und treten in Weigel's[36] Stelle. Ich hatte gestern, durch wiederholte Beschwerden über Weigeln zur Verzweiflung gebracht, einen sehr umständlichen Brief an Gräff geschrieben und Weigeln das Geschäft abgenommen und ihm (Gräff) oder Cnobloch übertragen. Sie finden diesen Brief, den ich aus Gründen an meine Freundin, die Hofräthin Spazier, offen schicken wollte und auch heute schicke, Ihnen also heute nicht schicken kann, bei dieser. Hieraus werden Sie alles Nähere ersehen und darin vorläufig alle zuerst nöthigen Instructionen finden.

Sie kehren bei Ihrer Ankunft in Leipzig im Großen Joachimsthale ein, wo Sie beim Wirth einstweilen accreditirt sein werden, der mich von der Messe her sehr gut kennt. Sie werden dort auch von mir Briefe vorfinden, die Ihnen sagen werden, wie Sie Ihre ersten Schritte einzurichten haben. Heute annoncire ich einstweilen Ihre Ankunft.

Darauf ertheilt er ihm noch genaue Instructionen über die Auflösung des kaum begründeten auricher Etablissements, z. B. daß er mit den von Leipzig beziehenden ostfriesischen Buchhändlern Verbindungen schließen solle, um sie von Leipzig aus zu bedienen, und gibt ihm auch väterliche Ermahnungen, die von der herzlichsten Theilnahme dictirt sind, wobei er es ihm besonders zur Pflicht macht, den schon früher angenommenen Namen Friedrich Schmidt streng festzuhalten. Er schließt: