Ich möchte ihm den Vorschlag thun, ein Buch zu schreiben wie die vortrefflichen Briefe von Risbeck seiner Zeit waren: »Briefe eines reisenden Franzosen«[38], Reichardt wäre ganz der Mann dazu. Man könnte es betiteln: »Kreuz- und Querzüge eines reisenden Franzosen« oder »eines reisenden Deutschen«. Theilen Sie Reichardt auch diese Idee mit, die ich ihm jetzt nicht direct schreiben mag. Ich möchte es erstaunlich gern, daß er darauf entrirte, da er vollkommen dafür berechnet ist. Ein solches Buch, mit sagacité geschrieben, würde erstaunlichen Debit haben.

Diese Anregung hat jedenfalls Reichardt zu seinen Ende 1811 bei Brockhaus (unter der bekannten fingirten Firma »Köln bei Peter Hammer«) anonym erschienenen »Briefen eines reisenden Nordländers. Geschrieben in den Jahren 1807 bis 1809« veranlaßt und zeigt wieder, daß Brockhaus sich nicht darauf beschränkte, ihm angebotene Manuscripte zu verlegen, sondern daß er auch Schriftstellern eigene Ideen zur Ausführung neuer Werke mittheilte. So rührt die Idee zu dem »Handbuch der deutschen Literatur« von Ersch ebenfalls von Brockhaus her; er schreibt darüber einmal an Bornträger: »Sie ist aus meiner Seele allein hervorgegangen.«

Ein in dieser Zeit geschriebener Brief zeigt, daß Brockhaus auch mit dem damals in Leipzig wohnenden Dichter Johann Gottfried Seume, den er wahrscheinlich persönlich dort kennen gelernt, in Beziehungen stand, und dieser ihm einen Verlagsantrag gemacht hatte. Er trägt Bornträger auf, Seume zu sagen, daß er eine Copie seines Manuscripts nach England geschickt habe; »es sei zu gefährlich, es in Holland zu drucken; erzählen Sie ihm den Umstand jetzt mit 'Wien'; ich würde ihm sein Original zu Ostern selbst zurückbringen oder auf Verlangen gleich einschicken.« Seume starb indeß bald darauf (13. Juni 1810); jenes Manuscript war vermuthlich Seume's Selbstbiographie, die nach seinem Tode von Clodius herausgegeben wurde (Leipzig 1813).


Brockhaus sah bald ein, daß er Amsterdam doch noch nicht gleich verlassen könne, besonders weil er das Geschäft seinem neuen Gehülfen Krieger nicht allein anvertrauen mochte. Während er diesen früher gegen Bornträger sehr gelobt, schreibt er letzterm jetzt am 6. März: Krieger sei »zu weiter nichts gut als aus einem vollen Sacke Geld zu nehmen und damit zu zahlen und es sich sonst sehr gut sein zu lassen«! Er fährt fort:

Ich opfere also lieber mich auf als mein Geschäft, und ich werde nach der Ostermesse (aus Leipzig) gleich zurückkehren, dagegen im Sommer eine Reise nach Paris machen. Sie, der Sie alle Verhältnisse kennen, werden dies gut finden. Darum aber gebe ich meinen Plan für die Zukunft nicht auf. Nur dies Jahr geht es noch nicht, und in diesem Jahre muß sich Vieles entwickeln. Ich hoffe, Alles ziemlich gut! Die Messe kann nicht schlecht werden, da durch die Verbindung Oesterreichs mit Frankreich die Ruhe des Continents vorläufig sehr gewinnt und namentlich Oesterreich einer bessern Epoche dadurch entgegengeht. Oesterreich wird kaufen und zahlen, und von keiner Seite her wird man Ursache haben, nicht zur Messe zu kommen. Sehr gut ist es auch, daß die Messe so spät eintritt, weil selbst die Russen u. s. w. jetzt gut eintreffen können.

Die beabsichtigte Reise nach Paris sollte sechs Wochen dauern und besonders wegen der Verlagswerke von Sprengel, Rudolphi, Villers, Fauriel und Massenbach unternommen werden; sie unterblieb aber, ebenso wie ein von ihm für den Herbst, »um einen Monat meinen Kindern zu leben«, gehoffter wiederholter Aufenthalt in Dortmund.

Gegenüber den vermehrten Ausgaben in Leipzig und in der Absicht, sein amsterdamer Geschäft früher oder später aufzulösen, war er unablässig bemüht, seine Außenstände in Holland einzuziehen. Er machte zu diesem Zweck im März und April mehrere Reisen nach Utrecht, Rotterdam und Harderwijk, Schiedam, Delft und dem Haag, leider aber meist mit geringem Erfolge. Die Geldkrisis und die politischen Verhältnisse wirkten lähmend auf Handel und Verkehr, und die Buchhändler wie die Privatkunden vertrösteten ihn mit Versprechungen, während er selbst von Schriftstellern und Buchdruckern in Deutschland gedrängt wurde. Bei der Rückkehr von einem solchen Ausflug schreibt er einmal:

Auf dieser Reise ist es mir unsaglich schlecht mit dem Einkassiren gegangen: circa 2400 Fl. ausstehen, und ich habe kaum 200 Fl. Kassa und circa 250 Fl. Papier mitgebracht. Entweder verreist oder nicht bei Kasse! Das heißt Einen rasend machen!

Er sah jetzt oft recht trüb in die Zukunft, ohne indeß den Muth zu verlieren. So schreibt er am 6. März an Bornträger: