Wenige Tage darauf, am 14. April, klagt er:
Ich bin noch immer sehr krank, und wenn auch auf der Besserung, so geht's doch langsam. Mein Rheumatismus hat einen heftigen Charakter, der sich gar nicht fügsam beugen will. Indessen schreibe ich Ihnen doch wieder außer dem Bette. Die Stube darf ich aber noch nicht verlassen. Und morgen über vier Wochen soll ich schon in Leipzig sein! Wie mich dies ergreift! Und doch muß und soll es möglich werden! Nur Hygiea verlasse mich nicht, oder komme vielmehr, deine stärkende Hand über mich zu erheben!
In einem Briefe vom 21. April heißt es:
Ich habe Ihnen Dienstag nicht geschrieben, weil ich Ihnen dann hätte melden müssen, daß ich aller Berechnung nach nicht zur Messe kommen könne. Ich war an diesem Tage von meiner vert........ Gicht in Nacken, Rücken und Fußgelenken so gelähmt und so gepeinigt, daß ich mich nicht rühren konnte. Es scheint aber das Maximum gewesen zu sein, und ich gehe seit vorgestern an einem Stocke im Zimmer herum. Ich hoffe nur jetzt, daß ich werde kommen können! Ich hoffe es und ich glaube es! Schon wollte ich Ihnen alle Bücher schicken und Sie wie mein Geschäft Gott anbefehlen.
Ich habe hier übrigens Mühe mich durchzuwinden, wie Sie denken können, besonders da ich krank bin; indessen guter Muth und Hoffnung, die menschliche, verläßt mich nicht.
Daß Sie auf sechs gute Groschen reducirt waren, hat mir ein wenig Spaß gemacht, denn bei allem Ungemach und Sorgen verläßt mich mein guter Humor nicht ganz. Vor der Messe unmittelbar ist die Auslieferung immer schlecht. Lassen Sie sich darüber keine grauen Haare wachsen!
Im nächsten Briefe, vom 24. April, schreibt er:
Seit Sonnabend bin ich mit meinem Uebel nichts gefördert. Es ist um gar nichts besser geworden, und ich habe die beiden Ostertage recht traurig zugebracht und die Nächte unter vielen und heftigen Schmerzen, da es des Nachts immer schlimmer ist als am Tage. Aller Gichtstoff hat sich jetzt auf den linken Fuß geworfen, der dadurch sehr angeschwollen, sodaß die Haut außerordentlich gespannt ist .... Da ich indessen, diesen Punkt ausgenommen, vollkommen gesund bin und vielleicht jetzt der höchste Punkt des Uebels erreicht ist, so bleiben meine Aerzte dabei, daß ich aller Wahrscheinlichkeit nach an meiner Reise nicht werde gehindert werden. Ich begreife es selbst, daß zwei bis drei Tage mir hinreichende Genesung geben können, aber Sie können denken, wie angstvoll ich bin. Der Himmel wird mich nicht ganz verlassen!
Die gehoffte Besserung trat endlich ein und die Ausführung der Reise nach Leipzig wurde fest beschlossen. Er schreibt an Bornträger unterm 28. April:
Erst seit gestern Morgen darf ich jetzt wahre Hoffnung haben, die Reise nach Leipzig noch machen zu können. Erst seit gestern ist wahre Besserung da! Erst seit gestern Abend kann ich mich im Zimmer herumbewegen. Noch ist aber nur der Anfang der Besserung da. Es muß kein Rück-, kein Incidenzfall eintreten. Alles muß vortrefflich gehen, wenn es möglich werden soll, daß die Reise geschehe. Wie sehr ich aber auf diese Begünstigung der Glücksgöttin vertraue, sage Ihnen der Umstand, daß ich am Mittwoch unter den heftigsten Zufällen, die ich aber zu verschmerzen noch die Kraft hatte, mit Jemandem Abrede wegen der Zusammenreise nahm und diese beschlossen wurde; wir stehen jetzt selbst noch in Unterhandlung über den Kauf eines Reisewagens, dessen ich besonders sehr bedurfte für diesmal. Auf jeden Fall riskire ich freilich bei dieser Reise mein Leben oder den Verlust meiner Gesundheit für immer. Aber gibt es hierin eine Wahl? Kann ich hier bleiben, darf ich es, wenn nicht die gebieterischste Nothwendigkeit mich ans Krankenbette fesselt? Mein Körper ist sehr schwach. Meine Nerven sind in einem unglaublichen Grade gespannt und angegriffen; mein furchtbarer Seelenzustand ist die Ursache meiner Krankheit; diese fängt eben an, der sorglichsten Behandlung und aller Kunst meiner Aerzte zu weichen, und schon im ersten Genesen soll ich diesen zerrütteten schwachen Körper allen Beschwerlichkeiten und Gefahren einer solchen Reise aussetzen, wo ich auf schlechten Wegen, in rauher, kalter Witterung, und selbst des Nachts in der für mich unangenehmsten Lage des Körpers in elenden offenen Wagen (wenn wir den Reisewagen nicht kaufen) eine Reise von 150 Meilen machen soll! Indessen Pflicht und Ehre rufen mich, und ich werde nicht wanken, wenn nur die Elemente der Kraft dazu da sind.
In den beiden letzten Briefen, die Brockhaus vor seiner Abreise von Amsterdam am 1. und 5. Mai an Bornträger schreibt, spricht er die zuversichtliche Hoffnung aus, daß seine Anwesenheit in Leipzig alles Geschäftliche in Ordnung bringen werde. Er sagt:
Wie Alles werden, sich ordnen und lösen solle, weiß ich nicht, und um es zu wissen, müßte ich ein Halbgott sein .... Ich werde der Gefahr ruhig unter die Augen treten und von der Gegenwart etwas Erträgliches erkämpfen, für die Zukunft Besseres bereiten .... Ich habe hierüber wie über hundert andere Dinge sehr Vieles mit Ihnen zu sprechen. Besonders von der jetzt möglichen ganz neuen Einrichtung unsers Geschäfts habe ich Ihnen sehr wichtige Ideen mitzutheilen. Auf Sie, lieber Bornträger, vertraue ich Alles, und nur durch Ihre Mitwirkung können diese Ideen ausgeführt werden. Ich glaube indessen gewiß zu sein, daß bei ihrer Befolgung wir in ein paar Jahren sehr glücklich leben werden und keine der Sorgen mehr kennen, die uns Beiden jetzt das Leben verbittern. Mündlich von dem Allen .... Dies ist eine jener Maßregeln mit: Oekonomie ist die Basis des Mehrsten. Und die Unmöglichkeit, mich mit Oekonomie einrichten zu können, das Unermeßliche, was meine Haushaltung verschlang, der Kampf zwischen Gewohnheiten und nothwendigen Annehmungen, die fierté meines persönlichen Charakters, der alle die Wege nicht paßten, die im jetzigen Berufe liegen — dies war es, was mich gedrückt und zurückgebracht, mich ausgesogen hat. Aber noch ist für Alles Rettung, denke ich. Ich habe mit Ruhe auf meinem jetzigen Schmerzenslager einen neuen Geschäfts- und Lebensplan entworfen, in den Sie, lieber Bornträger, aber als ein nothwendiges Glied eingreifen. Sonst Niemand!