Friedrich Bornträger genannt
Schmidt wird unterzeichnen:Kunst- und Industrie-Comptoir.
Kunst- und Industrie-Comptoir.
Friedrich Schmidt.

Auffallend ist in diesen Veröffentlichungen, daß Bornträger's früher so streng gehütete Pseudonymität auf einmal aufgegeben wird, und ferner, daß Brockhaus Weimar statt Leipzig als seinen Aufenthaltsort angibt. Letzteres hatte wol darin seinen Grund, daß er sich vor persönlichen Behelligungen infolge der vorher erwähnten Processe schützen wollte. Uebrigens war er auch noch nicht fest entschlossen, in Leipzig zu bleiben; er schwankte zwischen mehrern Orten und schreibt in dieser Zeit einmal an Bornträger: er wolle nächstens nach Berlin reisen, und es sei auch gar nicht unwahrscheinlich, daß er sich vielleicht dort ganz fixiren werde.


Brockhaus war seit Bornträger's Abreise aus Leipzig unablässig bemüht, Klarheit in seine Verhältnisse zu bringen und vor allem über den Stand des amsterdamer Geschäfts klar zu werden. Bornträger widmete sich zwar der ihm übertragenen schweren Aufgabe mit vollem Eifer, vermochte sie aber doch nicht vollständig zu lösen. Die ihm von Brockhaus übersandte Cessionsurkunde trug er Bedenken zu unterzeichnen, obwol ihm sein Principal wiederholt versicherte, daß dies ungefährlich sei und Niemand dadurch benachtheiligt werde. Auch war der bisherige zweite Gehülfe in Amsterdam, Krieger, von Bornträger bald nach seiner Rückkehr in Brockhaus' Auftrage entlassen worden, da er seit des Letztern Abreise von Amsterdam die dortigen Geschäfte durchaus nicht zu dessen Zufriedenheit besorgt hatte, und Bornträger mochte Mühe haben, allein fertig zu werden.

Unter diesen Umständen verwickelten sich die Verhältnisse immer mehr, statt sich zu klären, und es entsprangen daraus auch für Brockhaus persönliche Unannehmlichkeiten der gefährlichsten Art. Er hatte an die Gleditsch'sche Buchhandlung in Leipzig einen auf sein amsterdamer Haus ausgestellten Wechsel gegeben, der noch vor Bornträger's Ankunft in Amsterdam präsentirt und von dem zweiten Gehülfen Krieger zurückgewiesen wurde, obwol die Deckung dafür von Brockhaus eingesandt worden war. Daraus entstanden die ärgerlichsten Verhandlungen, die schließlich Brockhaus veranlaßten, am 17. September Leipzig zu verlassen und sich nach Altenburg zu wenden.


So wurde nicht Leipzig, wie er gehofft hatte, sondern Altenburg der Rettungshafen, in dem er Schutz suchte vor den auf ihn anstürmenden Wogen, die sein kühn aufgebautes und mit Beharrlichkeit gegen mancherlei Stürme glücklich vertheidigtes Lebensschiff plötzlich, als er schon ganz nahe am Ziele zu sein glaubte, völlig zu Grunde zu richten drohten. Und hier endlich, wo er mit kurzen Unterbrechungen die Zeit vom September 1810 bis Ostern 1817 zubrachte, sollte er, wenn auch nicht die ersehnte Ruhe, die ihm überhaupt eigentlich nie im Leben beschieden war, doch den festen Grund finden, auf dem er das Gebäude seines Geschäfts endlich dauerhaft begründen konnte.

Zunächst freilich schlugen die Wogen fast über ihm zusammen, und diese Zeit, wol die allertrübste seines schweren Lebens, haben wir noch vor der Schilderung seiner Niederlassung in Altenburg vorzuführen. Sie knüpft sich an den Namen einer Frau, die in verhängnißvoller Weise in sein Leben eingriff.