Am 1. September meldet er: »Minna ist diese Woche recht krank gewesen, seit heute aber wieder wohler«, und einige Tage darauf fügt er hinzu: »Mit unserer Heirath eilt es und eilen wir nicht.«


So standen die Sachen, als sich Brockhaus am 17. September 1810 entschloß, Leipzig zu verlassen und nach Altenburg überzusiedeln. Wir knüpfen hier den früher unterbrochenen Faden der Erzählung seiner nächsten Lebensschicksale wieder an.

Brockhaus schreibt an Bornträger noch an jenem Tage aus Leipzig in einer Nachschrift zu einem längern Briefe:

Unsere Schicksalsstunde hat geschlagen .... Wir reisen diese Nacht ab. Nach Altenburg. Gott erhalte uns und die edle Minna, die wie eine Römerin jetzt begeistert ihr Schicksal zu dem meinigen machen will. Nur als meine Gattin kann Minna mein Schicksal theilen. Wir werden thun, was denkbar ist, aber das Schicksal ist schwer.

In Altenburg kannte Brockhaus den Kammerverwalter Ludwig (mit dem er 1808 in Leipzig zusammengetroffen war), den Buchhändler Dr. Pierer und den Kriegsrath von Cölln, der jetzt hier lebte und den er erst kurz vorher in Leipzig persönlich kennen gelernt hatte, obwol er an dem Verlage seiner »Vertrauten Briefe über den preußischen Hof« mit betheiligt war. Er schreibt über ihn:

Dieser ist ein tüchtiger Mensch und voller liaisons und Ideen. Auf seine Verlagsanerbietungen sind wir nicht entrirt und sind darum um so freier. Er hat sich aber sonst sehr an uns attachirt, und seine genaue Freundschaft mit Schnorr[40] ist uns auch Bürge mit, daß er ein in sich rechtlicher Mensch ist.

Mit diesen Männern, die ihn sehr freundlich aufnahmen, und mit dem Hofgerichtsadvocaten Ferdinand Hempel, den ihm Pierer zuführte und der bald sein vertrautester Freund und Rathgeber wurde, besprach Brockhaus seine Lage, und ihrem Rathe folgend entschloß er sich zu dem verzweifelten, aber den Umständen nach gerechtfertigten und praktischen Ausweg: sein Geschäft an seine zukünftige Braut zu verkaufen. Er glaubte sich dann mit seinen Creditoren leichter arrangiren zu können, ohne befürchten zu müssen, durch sofortiges Einschreiten einzelner derselben der Möglichkeit, alle zu befriedigen, beraubt zu werden. Der Kaufvertrag wurde am 5. resp. 6. October abgeschlossen, Kammerverwalter Ludwig zum Curator der neuen Besitzerin, Hempel zu Brockhaus' Vertreter ernannt. Die Betheiligten reisten nach Leipzig, um die Uebergabe des Geschäfts an die neue Besitzerin zu vollziehen, zuerst Ludwig mit Frau Spazier, am nächsten Tage Hempel, einen Tag später Brockhaus selbst. Die Uebergabe ging ohne besondere Schwierigkeiten von statten.

Die hierüber erlassenen Anzeigen und Circulare dürfen als zur Geschichte der Firma F. A. Brockhaus gehörig, zumal das Geschäft dadurch sogar eine neue Firma erhalten sollte, an dieser Stelle nicht fehlen, obwol zweifelhaft ist, ob sie in die Oeffentlichkeit gelangten, und es außerdem nur ein Scheinkauf war, der bereits zehn Tage darauf, am 16. October, von den Betheiligten wieder aufgehoben wurde.

Die zwei in Altenburg gedruckten Anzeigen, die uns in dem von Brockhaus an Bornträger gesandten Exemplare (in Circularform) vorliegen, lauten: