Am 4. Januar 1811 reiste Brockhaus mit der Kranken und ihrer Tochter Emma (außer dieser hatte Minna Spazier noch drei Kinder aus ihrer ersten Ehe, zwei Söhne und eine Tochter, die sich in Berlin bei den Großältern befanden) von Altenburg ab und traf mit ihnen am 8. Januar abends in Berlin ein.
Von unterwegs, aus Leipzig, schreibt er an Ludwig:
Wir haben es schlimm gehabt, da die Kälte herz- und hautzerschneidend war und ist. Minna ist gut und duldend, Emma die leidendste. Ich — empfand wenig davon, wie ich kaum selbst begreife.
Frau Spazier fügt folgende Zeilen für ihre Schwester bei:
Liebste Karoline! Ich melde Dir mit wenigen Worten, daß wir der harten Kälte ohnerachtet wohl angekommen sind. Theile diese Nachricht Herrn und Madame Ludwig mit, sie werden sehr besorgt unsertwegen sein. Lebe wohl, liebste Karoline, ich kann Dir nicht sagen, wie mir zu Muthe ist. Emma hat sehr gefroren, ich freue mich sehr über das Wiedersehen.
Von Berlin aus schreibt Brockhaus gleich am 9. Januar an Ludwig:
Ich eile, Ihnen mit wenigen Worten zu melden, daß wir gestern Abend nach einer allerdings unendlich beschwerlichen und peniblen Reise hier glücklich angekommen sind. Die Zusammenkunft Minna's mit ihren Kindern und ihrem Vater war herzzerschneidend. Ich behalte mir vor, Ihnen bei meiner Zurückkunft von Allem sehr umständlich Bericht zu geben. Da zwischen Berlin und Leipzig ein bedeckter Postwagen fährt, so werde ich mich dessen zu meiner Retour bedienen und Sonntag oder heute acht Tage zurückreisen.
Die ganze Mayer'sche Familie und Minna tragen mir auf, sie Ihnen und den edeln Frauen Ihres Hauses, auch Herrn Hempel bestens und innigst zu empfehlen und Sie vorläufig ihres ganzen Dankes zu versichern. Meine Gesinnungen für Sie Alle sind Ihnen bekannt.
Ganz Ihr
Brockhaus.
Geben Sie Karolinen von diesem Briefe Kenntniß, da ich keine Zeit habe, ihr selbst zu schreiben.
Auf der Rückreise schreibt er aus Leipzig vom 15. Januar an Bornträger (Schmidt) nach Amsterdam:
Von meiner Reise nach Berlin mit der armen Minna in der furchtbarsten Kälte, von unsern Beschwerden auf derselben, meinen Sorgen und meinem Jammer, von unserer Ankunft im Hause des Vaters, von der Scene der Zusammenkunft mit diesem und Julius, von dem allgemeinen und besondern Benehmen des Vaters und der (Stief-) Mutter, endlich von der herzzerreißenden Stunde des Abschieds und der Trennung — von allem Diesem, lieber Schmidt, kann ich Ihnen nur einmal mündlich erzählen!
Minna's Zustand ist immer derselbe noch: gänzliche Erschlaffung im Geistigen. Sie denkt und spricht fast immer richtig, und wann sie es nicht thut, so hat's Beziehung auf die Furcht, mich zu verlieren. Sonst ist ihr Alles gleichgültig, was um sie her ist, und ihre einzige Beschäftigung, wenn man sie nicht gleichsam gewaltsam darin unterbricht, fortwährendes Stricken, wobei sie denn immer so vor sich hin brütet und oft wehmüthig mit ihren schönen Augen zum Himmel aufsieht. Es ist herzzerschneidend. Meine Theilnahme an ihrem Schicksal ist, so sehr ich auch moralisch verletzt worden bin, unveränderlich, und kann ich es möglich machen, ohne darüber zu Grunde zu gehen, ihr Schicksal noch an das meinige zu ketten, so wird's geschehen, wenn sie nur geneset und in geistiger Energie wieder die alte göttliche Minna wird.
Am 27. Februar schreibt er aus Altenburg an denselben, nachdem dieser ihm in einem Privatbriefe offen seine Ansichten über Frau Spazier ausgesprochen hatte: