Er schreibt darüber an Bornträger aus Altenburg vom 30. August 1811, nachdem er ihm obige Verhandlungen mitgetheilt:

Uebrigens ist die Hofräthin auf das vollkommenste hergestellt, und ihr Geist blüht schöner als je. Zwischen uns ist ein rein und innig freundschaftliches Verhältniß geblieben. Ich erhalte oft die herrlichsten Briefe, worin sich ihr reiches und tiefes Gemüth auf die außerordentlichste und mannichfaltigste Weise entwickelt. Auch schön und edel, und ich zweifle nicht, daß bei bürgerlich ganz geordneten Verhältnissen und wenn es möglich wäre, die Pfade der Vergangenheit aus dem zerrissenen Herzen zu reißen, sie nach dieser Katastrophe ein gutes und herrliches Weib sein würde. Offenbar sucht sie auf mich lebhaft wieder einzuwirken und mich aufs neue zu fesseln. So sagte sie in ihrem letzten Briefe:

»Zuweilen bilde ich mir ein, daß Du mich liebst wie sonst, daß in Dir dasselbe vorgeht, was meine geheimsten Gedanken beschäftigt, und daß unsere Wiedervereinigung uns Beiden unbewußt das entfernte Ziel unsers Hoffens und Ausharrens ist!«

Brockhaus fügt dem hinzu:

Ich würde gewiß außerordentlich zu kämpfen haben, wenn wir zusammen wären ....

Sie übersetzte in dieser Zeit für Brockhaus die von Frau von Staël-Holstein französisch herausgegebenen »Briefe, Charaktere und Gedanken des Prinzen Carl von Ligne« ins Deutsche[43]; an der Herausgabe der »Urania« war sie dagegen nicht weiter betheiligt, indem Brockhaus diese vom dritten Jahrgange an selbst übernahm.


Während Brockhaus' fernere Schicksale später im Zusammenhange mit der weitern Gestaltung seiner geschäftlichen Thätigkeit zur Darstellung kommen, sei der Lebenslauf Minna Spazier's gleich hier kurz bis zu seinem Ende verfolgt, zumal derselbe Brockhaus' Lebenswege nicht weiter durchkreuzte.

Nachdem sie die Jahre 1811-1814 im älterlichen Hause in Berlin verbracht, folgte sie einem Rufe nach Neustrelitz als Lehrerin an der dortigen herzoglichen Töchterschule, gab diese Stellung aber bald wieder auf, um die Erziehung zweier Söhne eines Herrn von Jasmund daselbst zu übernehmen. Im Jahre 1816 zog sie nach Dresden und verheirathete sich mit dem dortigen auch als Physiker und Chemiker geschätzten königlichen Hoforgelbauer Johann Andreas Uthe, nach dem sie sich auf ihren spätern Schriften Uthe-Spazier nennt. Hier starb sie am 11. März 1825.

Ihr jüngster Sohn erster Ehe, Richard Otto Spazier (geb. 1803), widmete sich ebenfalls der literarischen Laufbahn. Nach dem Tode seiner Mutter rief ihn sein Oheim Jean Paul im Herbst 1825 zu sich nach Baireuth, um bei einer neuen Ausgabe seiner Werke sich von ihm unterstützen zu lassen, doch starb Jean Paul bald darauf (am 14. November). Spazier schrieb ein kleines Werk über Jean Paul's letzte Tage und Tod (Breslau 1826) und später eine Biographie desselben: »Jean Paul Friedrich Richter. Ein biographischer Commentar zu dessen Werken« (5 Bände, Leipzig 1833). Von Baireuth ging er erst nach Nürnberg, 1831 nach Leipzig, wo er lebhaften Antheil an dem Schicksal Polens nahm und eine Geschichte des polnischen Aufstandes der Jahre 1830 und 1831 in drei Bänden schrieb, endlich 1833 nach Paris, wo er sich bleibend niederließ; in sein Vaterland zurückgekehrt, starb er 1854, an Körper und Geist gebrochen.

Nach einer Angabe in einem Nekrolog seiner Mutter[44] hatte er die Absicht, eine Beschreibung ihres Lebens herauszugeben, doch ist eine solche unsers Wissens nie erschienen.