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Abschluß der amsterdamer Zeit.
Während der stürmischen Zeit, die sich an die Katastrophe mit der Hofräthin Spazier anschloß, hatte Brockhaus nicht nur heftige Kämpfe in seinem Innern zu bestehen, er hatte um seine ganze Existenz, um die Aufrechthaltung seines mühsam aus kleinen Anfängen bereits zu Ansehen gelangten buchhändlerischen Geschäfts zu ringen. Und es bedurfte seiner ganzen Energie und Zähigkeit, seines rastlosen Fleißes und seines Vertrauens auf die eigene Kraft, um in diesem doppelten Kampfe nicht zu unterliegen.
Sofort nach seiner Ankunft in Altenburg und nach der nur zur Gewinnung einer vorläufigen Ruhe erfolgten Abtretung seines Geschäfts an Frau Spazier hatte er theils persönlich, theils durch seine altenburger Freunde Schritte gethan, um die Gläubiger in Leipzig, die ihn am meisten drängten, zu befriedigen. Es waren dies meist Buchdrucker, bei denen er seine Verlagswerke drucken ließ, und Buchhändler, deren Verlag er für sein amsterdamer Sortimentsgeschäft bezogen hatte. Die Mehrzahl war auf seine Vorschläge und Anerbietungen eingegangen. Einige aber wollten mit der Bezahlung ihrer ansehnlichen Forderungen nicht warten. Dabei fehlte es ihm an allen Einnahmen, denn das von seinem amsterdamer Sortimentsgeschäft Eingehende mußte zur Abwickelung dortiger Verbindlichkeiten verwandt werden, und Bornträger konnte ihm somit trotz wiederholter dringender Bitten keine Rimessen machen. Aus seinem Verlagsgeschäfte aber konnte er nach der Einrichtung des deutschen Buchhandels vor der Ostermesse keine Einnahmen erwarten. So war seine finanzielle Lage in Altenburg nach der Rückkehr von Berlin eine äußerst beengte, zumal er die neugewonnenen Freunde nicht um Unterstützung ansprechen mochte. Am 8. Februar schreibt er an Bornträger: er habe mit dem von der berliner Reise übrig behaltenen einzigen Louisdor bis jetzt, also drei Wochen lang, auszukommen gesucht und zu dem Ende die allerstrengste Oekonomie eingeführt, nie zu Abend gegessen, nicht ordentlich gefrühstückt u. s. w.!
Und dabei beschäftigte er sich in dieser selben Zeit außer mit der Regelung seiner geschäftlichen Verhältnisse mit den Vorbereitungen zu einer neuen Auflage des »Conversations-Lexikon«, nicht blos als Verleger, sondern als Redacteur!
In solcher Lage konnte er nicht lange bleiben, wenn er nicht ganz untergehen sollte. Er hatte gehofft, daß es Bornträger gelingen werde, das amsterdamer Geschäft entweder wieder in Schwung zu bringen oder aber zu verkaufen, um ihm dadurch die Mittel zur vollständigen Regelung seiner Angelegenheiten zu bieten. Als aber weder das Eine noch das Andere erfolgte, obwol über jenen Verkauf schon mehrfache Unterhandlungen stattgefunden hatten, da faßte er mit seiner gewohnten Energie den raschen Entschluß: selbst wieder nach Amsterdam zu reisen.
Die nähern Umstände seiner plötzlichen Abreise von Altenburg am 5. März und seine Ankunft in der Nähe von Amsterdam am 11. März schildert er in folgendem an Bornträger gerichteten Briefe, der unterwegs in mehrern Pausen geschrieben ist: