An Hempel in Altenburg richtet er in dem bereits mehrfach erwähnten Briefe vom 30. März folgende Worte, die am besten seine Stimmung nach dem endlichen Abschlusse der amsterdamer Angelegenheiten wiedergeben:

Gebe Gott, daß ich endlich zur Ruhe komme und aufs neue thätig und nützlich wirken kann! Meine Sehnsucht nach dieser Ruhe und dieser neuen fruchtbringenden Thätigkeit ist unaussprechlich!

Am 1. April mittags konnte er endlich Amsterdam verlassen. Sein nächstes Ziel war Münster, wohin sein Bruder Gottlieb mit den Kindern von Dortmund kommen wollte, da Brockhaus wegen des Hiltrop'schen Processes Bedenken tragen mußte, jetzt seine Vaterstadt zu betreten. Er reiste über Arnheim, um seinen frühern Associé Mallinckrodt zu besuchen, und mußte dort wider Willen trotz seiner Ungeduld einen ganzen Tag bleiben, weil durch ein Versehen des Postillons sein Mantel in Amersfoort liegen geblieben war. So kam er einen vollen Tag später, als er gewollt, am 3. April abends, in Münster an. Dort fand er nur zwei seiner Kinder, Friedrich und Karoline, während die drei andern, Auguste, Heinrich und Hermann, in Dortmund zurückgeblieben waren.

Und noch ein anderer, größerer Schmerz sollte ihn hier treffen: die Nachricht von dem Tode seines Vaters! Dieser war am 26. März in seinem zweiundsiebzigsten Lebensjahre gestorben, und Gottlieb hatte es seinem Bruder tags darauf gemeldet, doch war der Brief wol nicht mehr rechtzeitig in Amsterdam eingetroffen. Dieser Trauerfall und die daraus hervorgehende Störung in den Familienverhältnissen waren wol auch die Ursache, daß weder die drei andern Kinder noch sein Bruder nach Münster kamen.

In jenem Briefe schrieb Gottlieb:

Lieber Bruder! Ich habe Dir eine Nachricht zu melden, welche Dein Herz auf das tiefste zerreißen wird. Unser guter, redlicher Vater ist seit gestern Morgen nicht mehr unter uns. Er starb mit Ruhe und Fassung; seine Leiden waren kurz. Wir haben Alles angewendet, um das Leben des guten Greises zu retten, sein Arzt, der Herr Krupp, ist in der Zeit mit mir fast nicht von seinem Bette gewichen, allein leider blieben alle unsere Bemühungen fruchtlos.

Noch gestern vor acht Tagen befand er sich recht wohl und war den ganzen Tag über besonders heiter, aß den Mittag noch mit vielem Appetit, trank den Nachmittag wie gewöhnlich seinen Thee und geht darauf nach dem Balken, um das Malz nachzusehen, weil wir brauen wollen. Hier sinkt er plötzlich nieder; ein Glück, daß gerade Jemand bei ihm war; mit Mühe wird er von oben heruntergetragen und legt sich darauf zu Bett, wo er sehr über Seitenstiche klagte. Wir ließen gleich unsern Arzt rufen, der ein Brustfieber prophezeite, welches auch den folgenden Tag eintrat, wozu sich bald noch andere bedenkliche Umstände gesellten.

Gern wäre der gute Vater noch bei uns geblieben, und er schied sehr ungern von dieser Welt. Ich habe indeß die Beruhigung, daß wir ihn immer mit Liebe behandelt, ihn in den vielen Krankheiten, die er in den letzten Jahren erduldet, mit Sorgfalt verpfleget und seine, den meisten alten Leuten anklebende Laune mit Nachsicht gern und willig ertragen haben. Er fühlte dieses auch oft sehr tief, da er sah, wie gern wir Alles gaben, um sein Alter so froh wie möglich zu machen.

Bei den vielen Unruhen, welche mich jetzt wegen dem Todesfalle unsers Vaters umgeben, ist es mir nicht wohl möglich, Dir heute mehr schreiben zu können; nur so viel, daß Dein Heinrich wohl und munter ist und gut lernt.

Daß Du wohl, glücklich und zufrieden leben mögest, wünsche ich von Herzen; Keiner in der Welt kann und wird daran innigern Antheil nehmen als

Dein treuer Bruder

G. Brockhaus.

In einem flüchtigen Briefe von Brockhaus an Bornträger aus Münster vom 5. April heißt es:

Ich hatte gehofft, auch die andern Kinder hier zu finden, allein die Freude war mir nicht gewährt. Noch hatte ich den Schmerz, hier auch den Tod meines vortrefflichen Vaters zu erfahren! Gestern habe ich mich hier verweilt. Heute geht's nun weiter, und ich hoffe bis Montag (8. April) in Altenburg zu sein. Von da also mehr.

Nun adieu. Ich danke Ihnen für alles Liebe und Gute!

Brockhaus nahm die beiden Kinder, die nach Münster gekommen waren, Friedrich und Karoline, gleich mit nach Altenburg, um daselbst, wie er längst gewünscht hatte, endlich wieder einen eigenen Hausstand zu begründen; die andern Kinder blieben einstweilen noch in Dortmund. Am 11. April schreibt er an Bornträger aus Altenburg, daß er glücklich dort angekommen sei.