Der Plan einer »Goethe-Galerie« in größern Kupferstichen kam nicht zur Ausführung, zunächst wol der bald folgenden Kriegsjahre wegen. Er ist, wie so manche von Brockhaus gefaßte Idee, von seiner Firma in späterer Zeit ohne specielle Kenntniß dieser Absicht wieder aufgenommen und ins Leben gerufen worden (in der 1863 von Friedrich Pecht herausgegebenen »Goethe-Galerie«), ebenso ein im September 1817 von Brockhaus angekündigter Plan einer »Shakspeare-Galerie«. In der »Urania« erschienen übrigens zahlreiche kleine Abbildungen zu Goethe's und Shakspeare's Dramen.

Goethe interessirte sich fortgesetzt für die seine Dramen betreffenden Zeichnungen und erhielt auf seinen Wunsch auch die übrigen zur Begutachtung vorgelegt. Den Verkehr darüber vermittelte der seit 1793 in Weimar lebende und 1806 vom Großherzog zum Legationsrath ernannte Schriftsteller Johannes Daniel Falk (geb. 1768, gest. 1826), über dessen Beziehungen zu Goethe das auf seinen Wunsch erst nach dessen Tode aus seinem Nachlasse veröffentlichte Werk: »Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt« (Leipzig 1832, 3. Aufl. 1856), berichtet. Falk stand mit Brockhaus in geschäftlichen wie in freundschaftlichen Beziehungen und schrieb auch die Erläuterungen zu den in der »Urania« gegebenen Abbildungen zu Goethe's Werken.

Ueber Goethe's Antheilnahme an diesen Zeichnungen schreibt Falk am 24. April 1812 an Brockhaus:

Die Zeichnung zum »Egmont« von Naeke ist allerliebst: Goethe, dem ich sie zeigte und der das Bemühen Naeke's aufs dankbarste anerkennt, äußerte blos den Wunsch, daß es dem jungen genievollen und gemüthlichen Künstler gefallen möge, ihm die Sachen ehe sie fertig und im Umriß zuzuschicken, wo liebevolle Erinnerungen eines freundlichen Mannes kleinen Irrthümern zuvorkommen und oft mit ein paar Strichen abhelfen können. So z. B. an der Lage der Hand des Klärchen im »Egmont« hat der junge Künstler in der Unschuld seines Herzens kein Aergerniß genommen: Goethen fiel dies sogleich auf, und der hiesige französische Gesandte, der die Zeichnung von ungefähr sah und ungemein damit zufrieden war, bemerkte unverabredet: que c'était hors de la convenance.

Eine jede Kritik muß einem so liebenden zarten Gemüth wie das von Naeke nicht besser vorkommen als den Blumen ein Nachtfrost. Suchen Sie es ihm nur beizubringen, daß diese Bemerkungen von Männern herrühren, die sein schönes Bestreben mit Liebe zu umfassen aufs allerbeste geneigt sind und die sich nie ein öffentliches liebloses Wort gegen ihn erlauben würden.

In demselben Briefe kommen noch zwei andere Goethe betreffende Stellen vor. In der ersten schreibt Falk:

Den Brief von Kestner, das Gedicht von Goethe, kann ich Ihnen nur unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit in die Hände geben.

Und an einer andern Stelle, in der Falk die Bitte ausspricht, Brockhaus möge ein Werk von ihm ja nicht auswärts, sondern unter seinen Augen in Weimar drucken lassen, sagt er:

Es liegt etwas in dieser Bedingung für einen lebendigen Menschen, und seien Sie versichert, daß Goethe z. B. mit Cotta, wie ich Goethe kenne, nothwendig zerfallen müßte, wenn Cotta zur unerlaßlichen Bedingung machte, die Sachen statt in Jena in Tübingen gedruckt zu sehen. Nicht aus Eigensinn oder Bizarrerie von seiten Goethe's, sondern aus einer Art von genialem Instinct, den Jeder begreift, der selbst etwas zu produciren im Stande ist.

Außer daß Goethe jene Zeichnungen begutachtete, scheint er sich an der »Urania« nicht betheiligt zu haben. Einmal noch wird sein Name darin genannt; bei Mittheilung eines Preisausschreibens im Juli 1816 sagt Brockhaus: die von ihm um das Richteramt dabei gebetenen Schriftsteller hätten gewünscht, »ihr Urtheil, bevor es bekannt gemacht würde, dem Herrn Geheimen Rath von Goethe zur Genehmigung vorzulegen und sich auf diese Weise unter die Auspicien unsers größten Meisters zu stellen«; es sei deshalb an diesen ein solches Ansuchen ergangen. Indeß findet sich weder ein solcher Brief an Goethe noch dessen Antwort oder irgendeine andere Notiz darüber.