Die erste Separatausgabe der »Bezauberten Rose« erschien 1818, eine Prachtausgabe in fünf verschiedenen Formen 1820. Das nachgelassene größere Gedicht: »Cäcilie«, wurde 1818 und 1819 veröffentlicht als erster und zweiter Band der von Professor Friedrich Bouterwek in Göttingen, dem Lehrer und Freunde des Dichters, herausgegebenen Gesammtausgabe der poetischen Werke Ernst Schulze's, deren zwei letzten Bände (1819 und 1820 erschienen) die übrigen Dichtungen enthalten. Ausführliche Mittheilungen über den so viel versprechenden, in der Blüte seiner Jahre verstorbenen Dichter (er war am 22. März 1789 geboren und starb am 29. Juni 1817) enthält eine von Hermann Marggraff verfaßte Biographie (Leipzig 1855, zugleich den fünften Theil einer dritten Auflage von Ernst Schulze's »Sämmtlichen poetischen Werken« bildend). Im Jahre 1855 wurde des Dichters Grab in Celle von der Verlagshandlung seiner Werke, gewiß im Geiste ihres Gründers, erneuert und mit einem einfachen, würdigen Denkmal geschmückt.
Die übrigen von den Preisrichtern gekrönten Dichtungen wurden ebenfalls in der »Urania« veröffentlicht (1818 und 1819), ohne jedoch eine ähnliche Theilnahme wie Ernst Schulze's »Bezauberte Rose« zu finden.
Der günstige Erfolg des ersten Versuchs veranlaßte Brockhaus, ihn noch mehrmals zu erneuern. Er sagt zunächst in demselben Vorwort noch:
Dieser im ganzen unsern Wünschen genügende Erfolg hat uns bewogen, bereits unter dem 30. Januar 1817 bekannt zu machen, daß wir dieselben Preisaufgaben für das laufende Jahr nicht nur wiederholen, sondern auch noch drei neue Preise hinzufügen.
Demgemäß bestimmen wir einen Preis von 20 Friedrichdor für das beste Gedicht, sofern es den Forderungen einer gerechten Kritik entspricht und folglich ein vorzügliches ist:
1) in der poetischen Erzählung, wobei Stoff, Gattung und Einkleidung dem Dichter frei bleiben;
2) in der Idylle, sie sei nun rein ideal oder mehr oder weniger der Wirklichkeit entlehnt;
3) in der poetischen Epistel aus dem Gebiet des Lebens oder der Wissenschaft und Kunst, wobei nur die Heroide ausgeschlossen, eine didaktische Tendenz hingegen als besonders willkommen bezeichnet wird.
Ueberdies erbieten wir uns, das gelungenste Gedicht nach dem gekrönten in jeder Gattung, wenn es sich zur Aufnahme in die »Urania« eignet, mit 4 Friedrichdor für den Bogen zu honoriren.
Die Wahl der Versart sowie die ganze äußere Form und Einrichtung werden ganz der Willkür des Dichters anheimgegeben; ebenso können wir nicht die Absicht haben, bei den Schwierigkeiten, welche die harmonische Begrenzung eines Kunstwerks hat, die einzig durch sich selbst bedingt wird, den Umfang scharf zu bestimmen, und wir fürchten nicht, misverstanden zu werden, wenn wir andeutungsweise wiederholt auf Pope's »Lockenraub« (798 Verse) und »Versuch über den Menschen« (1304 Verse) hinweisen.
Ferner bestimmen wir drei Preise, jeden von 6 Friedrichdor, für das vorzüglichste Gedicht in der Gattung der Ode, der Elegie und für den schönsten Sonettenkranz, insofern sie überhaupt eines Preises würdig befunden werden. Auch hier bleiben Stoff und Form, soweit sie nicht durch die Aufgabe selbst bestimmt sind, der Wahl des Dichters überlassen, und gleich willkommen wird eine mit pindarischem Feuer oder in anakreontisch-tändelnder Weise gedichtete Ode, eine Elegie im Geiste der Alten oder Neuern, eine mehr oder minder zusammenhängende Sonettenreihe, im Geiste Petrarca's oder Berni's, A. W. Schlegel's oder Freimund Raimar's sein.
Die gekrönten Gedichte werden in der »Urania« abgedruckt und der Herausgeber derselben bedingt sich an ihnen das Verlagsrecht auf fünf Jahre aus, nach welchen sie an ihre Verfasser als reines Eigenthum zurückfallen.
Diesmal erfolgten noch zahlreichere Einsendungen, und wenn auch kein erster Preis ertheilt werden konnte, so wurden doch mehrere wohlgelungene Gedichte ausgezeichnet und auch in der »Urania« veröffentlicht.
Für den nächsten Jahrgang (1820) beschränkte Brockhaus infolge des »Urtheils stimmfähiger Kunstrichter und eigener Wahrnehmung« seine Preisaufgaben auf die poetische Erzählung und die poetische Epistel, bei letzterer einen bestimmten Stoff bezeichnend, indem er sich besonders an diejenigen wandte, »die ihr poetisches Talent mehr im Stillen üben und eine aufmunternde Veranlassung erwarten, um damit vor das große Publikum zu treten«; zugleich konnte er freilich auch »den Wunsch nicht bergen, mit Gedichten verschont zu bleiben, deren Unzulänglichkeit die Verfasser bei einiger Selbstkenntniß und Selbstprüfung leicht selbst wahrnehmen müssen«.
Obwol wiederum keine der eingegangenen Dichtungen mit dem ersten Preise gekrönt werden konnte und nur einige trotzdem abgedruckt wurden, schrieb Brockhaus im August 1819 für den Jahrgang 1821 neue Preise aus, und zwar in der Gattung der poetischen Erzählung, der poetischen dramatischen Dichtung und für die Uebersetzung eines Gesangs von Byron's »Childe Harold«.
Ferner richtete er aber zum ersten male sein Augenmerk außer auf die poetische auch auf die prosaische Production, indem er in seiner Ankündigung fortfuhr:
Zugleich aber wünschte ich auch zu Ausarbeitungen in Prosa für die »Urania« aufzumuntern. Sehr willkommen werden mir historische Ausarbeitungen sein; und um auch hier einen Stoff zu bezeichnen, schlage ich andeutungsweise den für die vaterländische Geschichte so wichtigen und glorreichen Zeitraum der Kaiser Heinrich's I. und Otto's des Großen vor, worüber treffliche Quellen vorhanden sind.
Nicht minder willkommen sollen mir Lobreden auf ausgezeichnete Männer sein, doch dürften sie nicht blos rhetorische Lobrednerei, sondern gediegene Charakterbilder mit Licht und Schatten sein und müßten den Einfluß darlegen, den der Gepriesene auf das Leben und Wesen seiner Zeit geübt habe. Ein solches Werk ist Johannes Müller's Lobrede auf Friedrich den Großen. Ich schlage zunächst unsern unsterblichen Lessing vor.
Für die beste Arbeit in jeder der genannten Gattungen in Prosa bestimme ich, sofern sie die Forderungen, die man gerechterweise daran machen muß, befriedigt, ebenfalls 12 Friedrichdor. Der Umfang dürfte etwa drei, höchstens vier Druckbogen betragen.