Der Philosoph Bachmann in Jena schickte ihm am 26. April 1812 »einige Gedichte eines jungen Mannes« mit der Bitte, dieselben in den nächsten Jahrgang aufzunehmen. Der junge Mann heiße — Dr. Rückert und habe ihn um diese Vermittelung gebeten. Seitdem brachte fast jeder der nächsten Jahrgänge der »Urania« Gedichte von Friedrich Rückert, bald unter dessen Namen, bald unter dem bekannten Pseudonym Freimund Raimar, das erste mal unter dem sonst nicht vorkommenden Pseudonym Fr. Rikard. Rückert war damals Privatdocent an der Universität Jena und als Dichter noch wenig bekannt; er wurde dies erst durch seine 1814 in Heidelberg, wohin er sich gewandt hatte, erschienenen »Deutschen Gedichte«, welche auch die »Geharnischten Sonette« enthielten. Brockhaus blieb mit ihm in dauernder Verbindung, wenn auch Rückert's hauptsächlichste Werke bei andern Verlegern erschienen, und verlegte 1822 die »Oestlichen Rosen«. Der Druck derselben verzögerte sich etwas, weshalb Rückert aus Koburg vom 10. April 1821 an Brockhaus schrieb: an neuen Schriften und neuem Papier sei ihm so viel nicht gelegen »als daran, daß meine jungen Rosen nicht in Ihrem Pulte alt werden«! In Betreff der »Urania« fügte er noch hinzu:

Dankbar bin ich Ihnen dagegen für die abermalige Einladung zur »Urania«, ob ich gleich einige Abneigung fühle, mich auf die Scene zu stellen, wo Ihre Preisconcurrenten figuriren; doch wenn der Druck nicht ebenso schnell geht als meiner langsam, so will ich zum Gründonnerstag noch mit einem Nachtrab eintreffen.

Friedrich Rückert (geb. 1788, gest. 1866) blieb mit der Firma F. A. Brockhaus auch nach dem Tode ihres Begründers in Beziehungen und sandte ihr sein letztes Werk: »Ein Dutzend Kampflieder für Schleswig-Holstein«, die anonym mit der Bezeichnung: »Von F—r«, 1864 erschienen, aber gleich als von ihm gedichtet erkannt wurden und rasch zwei Auflagen erlebten.[49]


Auch mit Franz Grillparzer (geb. 1791, gest. 1872) trat Brockhaus zunächst der »Urania« wegen in Verbindung. Ein Brief Grillparzer's aus Wien vom 6. April 1818 enthält das Nähere darüber und möge auch wegen seines sonstigen, nach mancher Seite hin interessanten Inhalts vollständig hier folgen:

Ew. Wohlgeboren Schreiben vom 26. März, das ich gestern erhielt, hat mir um so größeres Vergnügen gemacht, je mehr ich mit ganz Deutschland gewohnt bin, mit dem Namen Brockhaus nebst dem, daß er einen der würdigsten Buchhändler bezeichnet, auch noch andere, nicht minder ehrenvolle Begriffe zu verbinden.

In Bezug auf Ihren freundlichen Antrag wegen Aufnahme meiner »Sappho« in das Taschenbuch »Urania« habe ich vor allem Folgendes zu erwidern: Erstens scheint mir für ein Werk, das zur Aufführung auf der Bühne bestimmt ist und daselbst auf einigen Erfolg rechnet, ein Taschenbuch eben nicht der beste Platz zu sein. Abgesehen von dem Ungewöhnlichen einer solchen Erscheinung beschränkt man sich dadurch das lesende und abnehmende Publikum auf eine weder Gewinn noch andern Vortheil bringende Art. Zur Darstellung gebrachte Schauspiele haben nämlich, wie Sie wol wissen, nebst dem Leser im strengen Verstande noch ein zweites Publikum, das sich sonst mit der Literatur oft nicht sehr abgibt, das der Theaterbesucher nämlich. Die »Sappho« in einem theuern Taschenbuche erscheinen lassen, hieße auf diese ganz Verzicht leisten. Sollte übrigens das Stück auf den Bühnen von Wien, Berlin, Dresden und Weimar, die es zur Aufführung bereits übernommen haben, und auf mehrern andern, mit denen ich darüber in Unterhandlung zu treten gesonnen bin, Glück machen und Sie Lust haben, den Verlag desselben als eines abgesonderten Werks zu übernehmen, oder nebst dem Abdruck in der »Urania« noch eine zugleich erscheinende besondere Auflage davon zu veranstalten, so würde es mir großes Vergnügen machen, es Ihnen vor allen überlassen zu können.

Wie wenig Sie übrigens — vorausgesetzt, daß das Stück gefällt, und das denke ich eben abzuwarten — wie wenig Sie bei einem solchen doppelten Abdruck riskiren, mag Ihnen der Umstand bezeugen, daß eben jetzt, ein Jahr nach der Herausgabe meines ersten Trauerspiels »Die Ahnfrau«, der wiener Verleger Wallishausser mir angekündigt hat, daß die erste Auflage von 1500 Exemplaren fast vergriffen sei. Wenn das der Fall mit einem Wallishausser ist, dessen Absatz und Verbindung mit dem übrigen Deutschland so gering ist, daß ein Brockhaus ein Jahr nach dem Erscheinen des gedruckten Werks fragen kann: ob es denn überhaupt schon gedruckt sei? was wäre nicht bei dem Stande Ihres Verkehrs zu hoffen; wozu noch kommt, daß mein Name gegenwärtig denn doch nicht mehr so fremd in Deutschland klingt als beim Erscheinen der »Ahnfrau«. Für jeden Fall aber forderte die honnêteté, mit der Herausgabe der »Sappho« doch so lange zu warten, bis die Bühnen, welche mir das Manuscript abgenommen haben, mit der Aufführung zu Stande gekommen sind.

Was im Falle eines wechselseitigen Verständnisses das Honorar betrifft, so müßte ich Sie ersuchen, einen bestimmten Betrag auszusprechen, da ich mich auf Berechnung nach Seiten und Zeilen und auf Vergleichung der Handschrift mit dem Druck nicht verstehe. Nur muß ich bekennen, daß, soviel ich herausklügeln kann, das Honorar von vier Karolin für den Bogen von sechzehn Seiten mit kleiner Schrift den Preis nicht erreichen würde, den ich bei mir selbst ungefähr festgesetzt habe. Vier Karolin mögen ein allerdings ansehnliches Honorar für Erzählungen und Gedichte und historische Darstellungen &c. sein, wie man sie, halb zur eigenen Unterhaltung, halb eben der vier Karolin wegen, für Taschenbücher macht. Auf meine »Sappho« habe ich die Frucht mühevoller Studien, vielleicht künftige Lebensjahre verwendet, und — ich hoffe, sie soll einige Almanachsjahrgänge überleben. Sie haben die »Sappho« noch nicht gelesen; ich bitte, thun Sie es, ehe Sie mir antworten.

Sie werden über meinen langen Brief, als Antwort auf Ihren kurzen, lachen. Er gilt aber auch nur dem Kunstfreund Brockhaus, der Buchhändler mag sich die Daten heraussuchen, die ihm zu wissen noththun.

Leben Sie recht wohl.

Ihr ergebener F. Grillparzer.

Brockhaus dankte am 6. Mai Grillparzer für seine Bereitwilligkeit, bemerkte aber dabei: nach dem, was ihm sein Freund Böttiger in Dresden (von dem er »so viel Herrliches« über die »Sappho« gehört) über den Umfang des Stücks mitgetheilt, könne es doch nicht in die »Urania« aufgenommen werden, und da es vorab auf den ersten Bühnen gegeben werden solle, so sei es überhaupt noch nicht an der Zeit, es drucken zu lassen. Der Brief schließt:

Sobald Sie sich aber dazu bestimmen, haben Sie die Güte, mir Ihren Entschluß mitzutheilen, sowie über das Honorar Ihrer Forderung. Ich werde dann sehen, ob ich darauf eingehen kann. Es hat eine wunderbare Bewandtniß mit dem Erfolg bei gedruckten Schauspielen. Noch habe ich die kleine Auflage von Werner's »Vierundzwanzigstem Februar« und die von Werners »Cunegunde« nicht abgesetzt. Ebenso wenig die von Klingemann's »Faust«, so sehr dies — übrigens sehr schlechte Stück meinem Urtheile nach — auf den deutschen Bühnen Glück gemacht hat und fortwährend auf allen Repertoires ist. Diesen Erfahrungen gemäß war meine Erbietung von vier Karolin per Bogen sehr bedeutend. Ihre »Ahnfrau« habe ich mir verschafft, und ich lese sie eben. Auch wird sie, wie ich höre, bald auf unsere Bühne kommen.

Am 22. Mai läßt er indeß einen zweiten Brief folgen, in welchem er Grillparzer zu dem Erfolge der inzwischen stattgehabten ersten Aufführung des Stücks in Wien Glück wünscht und sich wiederholt zum Verlage desselben bereit erklärt. Die Ausgabe könne etwa zu Weihnachten erfolgen, wenn Grillparzer dann durch seine Contracte mit den Bühnen, denen er es als Manuscript überlassen, nicht weiter genirt sei. Auch würde er einige gute Abbildungen dazu anfertigen lassen, da er mit mehrern genialen Zeichnern in genauer Verbindung stehe. Er fügt noch hinzu:

Endlich würde ich das wünschen, daß, wenn Sie einmal mit mir in Verbindung träten, Sie diese Verbindung, solange ich Ihnen keine Ursache zu Beschwerden gebe, nicht auflösen möchten. Der Dichter in Weißenfels (Müllner) trägt seine Producte wie ein Waarenmäkler von Bude zu Bude, feilscht sie in jeder aus, und wer einen Kreuzer mehr gibt als der Nachbar, der ist sein Mann!