Noch erbietet er sich, auch eine Ausgabe der »Ahnfrau« für Norddeutschland zu übernehmen, falls Grillparzer eine solche neben der in Wien erschienenen veranstalten dürfe.
Grillparzer scheint sich aber inzwischen bereits mit seinem bisherigen Verleger, Wallishausser in Wien, über den Verlag der »Sappho« geeinigt zu haben, da sie kurz darauf bei diesem erschien, während uns keine weitere Correspondenz zwischen Grillparzer und Brockhaus vorliegt.
Von Zacharias Werner (geb. 1768, gest. 1823) verlegte Brockhaus eine Separatausgabe der in der »Urania« zuerst veröffentlichten Tragödie in einem Act: »Der vierundzwanzigste Februar«, und gleichzeitig auch dessen: »Cunegunde die Heilige, Römisch-Deutsche Kaiserin. Ein romantisches Schauspiel in fünf Akten« (beide Stücke 1815).
Daß er übrigens die »Schicksalstragödien«, zu denen diese Dramen gehören, selbst nicht überschätzte, zeigte er dadurch, daß er einige Jahre darauf (1818) eine Parodie auf dieselben verlegte, die unter dem Titel: »Der Schicksalsstrumpf. Tragödie in zwei Akten von den Brüdern Fatalis« erschien. Die beiden Verfasser waren der bekannte österreichische dramatische Dichter Ignaz Friedrich Castelli (geb. 1781, gest. 1862) und der Arzt und Dramatiker Alois Jeitteles (geb. 1794, gest. 1858). Castelli, wie es scheint der hauptsächlichste Verfasser, schrieb an Brockhaus: »der Spuk der Schicksalstragödien gehe nachgerade ein bischen zu weit«, weshalb er diese Parodie derselben geschrieben habe, und ließ ihm das Manuscript durch Hofrath Winkler (in Dresden), in dessen dresdener »Abendzeitung« ein Bruchstück davon veröffentlicht worden war, zusenden. Brockhaus schreibt an Winkler: er habe des Spaßes wegen »das närrische Ding« gleich in die Druckerei spedirt. Das Stück fand großen Beifall und machte die Runde über die deutschen Bühnen.
Das in dem Briefe an Grillparzer neben Werner's beiden Dramen erwähnte Trauerspiel »Faust« von Ernst August Friedrich Klingemann (geb. 1777, gest. 1831) erschien 1815. Brockhaus verlegte gleichzeitig von demselben Dichter ein »dramatisches Spiel mit Gesang«: »Don Quixote und Sancho Panza oder: Die Hochzeit des Camacho« und eine Bühnenbearbeitung von Shakspeare's »Hamlet«.
Von dramatischer Literatur erschienen in Altenburg in Brockhaus' Verlage noch folgende Werke: »Dramatische Spiele« von Wenzel Lembert, mit seinem Familiennamen Tremler (geb. 1780, gest. um 1838), langjährigem Schauspieler an der Hofbühne zu Wien und Verfasser zahlreicher bühnengerechter Theaterstücke; »Theater« von Adolf Wagner (geb. 1774, gest. 1835), dem bekannten dramatischen Schriftsteller und Uebersetzer, mit dem Brockhaus durch die Hofräthin Spazier näher bekannt geworden war (beide Werke 1816); endlich (1817) »Jeanne d'Arc«, ein Trauerspiel von Karl Friedrich Gottlob Wetzel (geb. 1779, gest. 1819), Redacteur des »Fränkischen Merkur«. Von letzterm Schriftsteller hatte er kurz vorher (1815) schon zwei Werke verlegt, eine Sammlung patriotischer Gedichte unter dem Titel: »Aus dem Kriegs- und Siegesjahre Achtzehnhundert Dreyzehn. Vierzig Lieder nebst Anhang«, und: »Prolog zum Großen Magen«, eine gelungene Satire auf die Nützlichkeitstendenzen jener Zeit.
Die satirische Literatur ist außer durch letztere Schrift und den »Schicksalsstrumpf« in Brockhaus' Verlage aus dieser Zeit besonders durch seinen schon vielfach erwähnten Freund Friedrich Ferdinand Hempel (geb. 1778, gest. 1836) vertreten, der unter verschiedenen Pseudonymen politische und literarische Zustände der Zeit scharf geiselte. Brockhaus verlegte von ihm: »Politische Stachelnüsse gereift in den Jahren 1813-1814 aufgetischt von Spiritus Asper« (ohne Verlagsort und Firma 1814); »Politische Stachelnüsse geschüttelt von Spiritus Asper. Zweite Lieferung« (1815); »Ein Paar mercantilische Stachelnüsse. Zur Messe gebracht von Spiritus Asper« (1816). Hempel lieferte auch mehrere Beiträge für die »Urania«, gab 1818 in Brockhaus' Verlage ein von dessen und seinem Freunde Moritz August von Thümmel (geb. 1738, gest. 1817) gedichtetes Epos: »Der heilige Kilian und das Liebes-Paar« heraus, 1822 wieder eine satirische Schrift: »Nüsse. Gesammelt von Frater Timoleon« (mit Köln als Verlagsort), sowie ein »Taschenbuch ohne Titel auf das Jahr 1822« (dem 1830 und 1832 noch zwei Jahrgänge folgten), und verfaßte später das »Allgemeine deutsche Reimlexikon. Herausgegeben von Peregrinus Syntax« (2 Bände, Leipzig 1826), das noch jetzt als das beste Werk seiner Art gilt.
Die poetische Literatur weist außer der »Urania« und den aus derselben abgedruckten Dichtungen sowie den eben erwähnten Dramen in der altenburger Zeit nur wenige Originalwerke auf, deren Verfasser meist durch die »Urania« dem Verleger zugeführt worden waren.
Schon 1812 verlegte er zwei Dichtungen der durch »Die Schwestern von Lesbos« (1801) bekannt gewordenen Dichterin Amalie von Helvig, geborenen von Imhoff[50] (geb. 1776, gest. 1831): »Die Schwestern auf Corcyra. Eine dramatische Idylle in zwei Abtheilungen« (mit dem Nebentitel: »Taschenbuch für das Jahr 1812«), und: »Die Tageszeiten. Ein Cyclus griechischer Zeit und Sitte. In vier Idyllen.«