Ein anderes größeres poetisches Werk seines Verlags ist eine Sammlung von Dichtungen des Grafen Otto Heinrich von Loeben (geb. 1786, gest. 1825) unter dem Titel: »Rosengarten« (2 Theile, 1817); als Separatabdruck daraus erschien: »Cephalus und Procris.« Graf Loeben schrieb sonst meist unter den Pseudonymen Isidorus Orientalis und Kukuk Waldbruder; er lebte in Dresden und gehörte zu dem dortigen »Liederkreise«.

Ein eigenthümliches Werk ist das didaktische Gedicht in vier Gesängen: »Die Heilquellen am Taunus« von Johann Isaak Freiherrn von Gerning (geb. 1767, gest. 1837), das 1814 erschien, und zwar in einer Prachtausgabe in Quartformat, mit sieben Kupfern, einer Karte und Erläuterungen.

Der altdeutschen Literatur gehören zwei Werke an: »Das Lied der Nibelungen. Metrisch übersetzt« von Johann Gustav Büsching (geb. 1783, gest. 1829), dem verdienten breslauer Professor der altdeutschen Literatur, und: »Der Lobgesang auf den heiligen Anno«, mit Uebersetzung, Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Georg August Friedrich Goldmann, Rector des Gymnasiums zu Soest (Geburts- und Todesjahr unbekannt); ersteres Werk 1815, letzteres 1816 erschienen.

Das Gebiet der Belletristik berührt eine 1815 erschienene »Blumenlese aus dem Stammbuche der deutschen mimischen Künstlerin, Frauen Henriette Hendel-Schütz, gebornen Schüler« (geb. 1772, gest. 1849), herausgegeben von dem vierten Gatten dieser durch ihre mimisch-plastischen Darstellungen auf Reisen in allen Hauptländern Europas berühmt gewordenen Künstlerin, Professor Friedrich Karl Julius Schütz in Halle. Schon in der »Urania« für 1812 war ein (später auch in Separatausgabe erschienener) Aufsatz von Falk über diese pantomimischen Darstellungen mit Abbildungen veröffentlicht worden.

Die Romanliteratur ist in dieser Zeit in Brockhaus' Verlage nur durch ein Originalwerk vertreten: »Das Opfer« von Regina Frohberg (geb. 1783, Todesjahr unbekannt), einen Roman, der gleich den zahlreichen übrigen der Verfasserin jetzt vergessen ist; dann aber durch eine »Bibliothek neuer englischer Romane« in sechs Bänden, deren erste beiden (1814) zwei Werke von Maria Edgeworth brachten, übersetzt von Karoline von Woltmann (geb. 1782, gest. 1847), der Gattin des bekannten Geschichtschreibers, während die folgenden vier Bände (1816 und 1817) Romane von Amelia Opie und Emma Parker, zwei gleich Maria Edgeworth damals sehr geschätzten englischen Schriftstellerinnen, in Uebersetzungen von Henriette Schubart (geb. 1770, gest. 1831) enthielten.


Die Uebersetzungsliteratur wurde überhaupt von Brockhaus in allen Perioden seiner Verlagsthätigkeit mit besonderer Vorliebe gepflegt, weil er sich persönlich für die fremden Literaturen, und insbesondere die englische und französische, lebhaft interessirte.

Schon 1811 hatte er mit Johannes Daniel Falk, dem bereits erwähnten Vermittler seiner Bekanntschaft mit Goethe, ein »Römisches Theater der Engländer und Franzosen« begonnen. Der erste Band sollte Shakspeare's »Coriolan« enthalten; Brockhaus nennt den Helden des Stücks in seiner Ankündigung »den kühnsten männlichen Charakter, den vielleicht die alte Zeit hervorgebracht und Shakspeare's Genius dargestellt«, und fügt hinzu: »kein Mann, der noch in Zeiten wie die unsern Anspruch darauf macht, einer zu sein, sollte dies kühne Product jenes Feuergeistes ungelesen lassen«. Der zweite Band sollte Racine's »Britannicus« bringen, der dritte und vierte Band Charakteristiken und Auszüge aus »Antonius und Kleopatra«, »Cinna«, »Cäsar« u. s. w. von Shakspeare, Corneille, Voltaire, Racine, Crébillon, Lee u. s. w. Doch erschien nur der erste Band, und das Unternehmen fand keinen Anklang, wol weil die »freie Bearbeitung« des Uebersetzers dem deutschen Publikum weniger zusagte als die Uebersetzungen Shakspeare's von Wieland, Eschenburg und besonders August Wilhelm von Schlegel.

Von Falk verlegte Brockhaus gleichzeitig eine Sammlung von Gedichten, Erzählungen und Briefen unter dem Titel: »Ozeaniden«, und später: »Johannes Falk's Liebe, Leben und Leiden in Gott. Zu Luther's Gedächtniß herausgegeben von einem seiner Freunde und Verehrer im Jahr unsers Herrn 1817« (mit der alterthümlichen Verlagsbezeichnung auf dem Titel: »Altenburg, verlegt's F. A. Brockhaus«), sowie eine Auswahl aus dessen Werken: »Johannes Falk's auserlesene Werke. (Alt und neu.)« in drei Theilen (1819), deren erster die »Ozeaniden« unter dem neuen Titel: »Seestücke« wieder enthält; letztere beiden Werke wurden von Falk's Freunde Adolf Wagner in Leipzig veröffentlicht.