Aus der englischen Literatur ist außer Shakspeare's »Coriolan« und den englischen Romanen nur noch eine Uebersetzung von Walter Scott's »Schottischen Liedern und Balladen« von Henriette Schubart (1817) zu nennen.
Noch mehr als die englische pflegte Brockhaus die französische Literatur, wie zahlreiche Verlagswerke, Uebersetzungen und Originalausgaben, beweisen.
Außer der schon früher erwähnten, von der Hofräthin Spazier gefertigten Uebersetzung der von Frau von Staël-Holstein herausgegebenen »Briefe, Charaktere und Gedanken des Prinzen Carl von Ligne« (1812) verlegte er: ein »Manuel pour la conversation dans les langues étrangères«, ohne Verfassernamen, aber von der berühmten französischen Schriftstellerin Gräfin von Genlis herrührend, gleichzeitig auch eine deutsche Uebersetzung davon (beide Werke ebenfalls 1812); eine freie Bearbeitung des bekannten Werks Jean Nicolas Bouilly's »Conseils à ma fille«, von dem schon genannten Mitredacteur des »Conversations-Lexikon« Dr. Ludwig Hain, unter dem Titel: »Rath an meine Tochter in Beispielen aus der wirklichen Welt« (2 Bändchen, 1814); Abdrücke der Originalausgaben von Chateaubriand's »Souvenirs d'Italie, d'Angleterre et d'Amérique« und Frau von Staël-Holstein's berühmtem Werke: »De l'Allemagne«, mit einer werthvollen Einleitung des auch mit der Verfasserin befreundeten Charles de Villers (beide Werke 1815); die Uebersetzung eines von dem Verfasser Louis Simond ursprünglich englisch, dann aber auch französisch geschriebenen Werks: »Reise eines Gallo-Amerikaners (M. Simond's) durch Großbritannien in den Jahren 1810-1811« (2 Theile, 1817-1818), von Ludwig Schlosser, dem Pastor zu Großzschocher bei Leipzig, bei dem Brockhaus' ältester Sohn Friedrich erzogen wurde (geb. 1774, gest. 1859); endlich eine von Dr. Ludwig Hain bearbeitete und mit Anmerkungen begleitete deutsche Ausgabe des werthvollen literarhistorischen Werks: »Littérature du midi de l'Europe« von Jean Charles Léonard Simonde de Sismondi, unter dem Titel: »Die Literatur des südlichen Europas« (2 Bände, 1816 und 1819).
In der italienischen Literatur war es vor allem Dante, für dessen Werke, insbesondere die »Divina commedia«, Brockhaus sich persönlich interessirte, und er hat das Verdienst, der deutschen Literatur die erste vollständige und noch jetzt als eine der besten anerkannte Uebersetzung dieses Werks verschafft zu haben. Schon in Amsterdam begann er die Veröffentlichung dieser von Karl Ludwig Kannegießer (geb. 1781, gest. 1861) herausgegebenen Uebersetzung, die, wie dieser in seinem vom April 1809 datirten Vorwort sagt, »von August Bode 1802 angefangen und nach dessen Tode von Ludwig Hain und ihm fortgesetzt, vollendet und gänzlich umgearbeitet wurde«. Der erste Theil: »Die Hölle«, erschien 1809, der zweite Theil: »Das Fegefeuer«, 1814 (nebst einer neuen, aber nicht als solche bezeichneten Ausgabe des ersten Theils), der dritte Theil: »Das Paradies«, erst 1821. Diese Uebersetzung wurde bei Lebzeiten des Uebersetzers in vier Auflagen oder vielmehr Umarbeitungen ausgegeben (1825, 1832 und 1843) und 1872 in fünfter Auflage gedruckt. Ebenfalls in Amsterdam erschienen (1809) »Umrisse« zu Dante's »Hölle« von Hummel nach Flaxman, 39 Kupferstiche in Querfolio enthaltend. Später übersetzte Kannegießer auch die meisten übrigen Werke Dante's für denselben Verlag.
Von Ludwig Hain verlegte Brockhaus auch eine Uebersetzung der »Denkwürdigkeiten aus dem Leben Vittorio Alfieri's. Von ihm selbst geschrieben« (1812), und dieses Werk war es, durch das er mit Hain zuerst in nähere Verbindung trat.
Einen würdigen Abschluß der den fremden Literaturen gewidmeten Verlagsthätigkeit Brockhaus' in dieser Zeit bildet die von Georg Bernhard Depping (geb. 1784 in Münster, gest. 1853 in Paris), dem berühmten Kenner der spanischen Literatur, herausgegebene und mit einer werthvollen Einleitung versehene »Sammlung der besten alten Spanischen Historischen, Ritter- und Maurischen Romanzen« (1817), die später in neuer vermehrter spanischer Ausgabe unter dem Titel: »Romancero castellano« (2 Bände, 1844) erschien, wozu noch ein dritter Band: »La Rosa de Romances« von Ferdinand Joseph Wolf hinzukam (1846).
Neben den fremden Literaturen wendete indeß Brockhaus auch in dieser Zeit seine Verlagsthätigkeit hauptsächlich der deutschen Literatur zu, und zwar nicht blos den von uns bereits vorgeführten Gebieten der sogenannten schönen Literatur, der poetischen und belletristischen, sondern auch denen der wissenschaftlichen und überhaupt der ernstern Literatur.
In erster Linie ist hier das Werk zu nennen, das uns nebst seinem Verfasser bereits mehrfach begegnet ist: »Handbuch der deutschen Literatur seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis auf die neueste Zeit, systematisch bearbeitet und mit den nöthigen Registern versehen von Johann Samuel Ersch, Professor und Bibliothekar auf der Universität zu Halle.« Wie früher erwähnt, hatte Brockhaus bereits am 3. Juli 1809 in Amsterdam einen Contract über dieses von ihm selbst veranlaßte Werk mit dem Verfasser abgeschlossen; indeß erschien der aus vier Abtheilungen bestehende erste Band erst 1812 und die beiden ersten Abtheilungen des zweiten Bandes folgten 1813, die beiden letzten Abheilungen 1814, womit das Werk, das somit aus zwei Bänden zu je vier Abtheilungen oder eigentlich aus acht Theilen bestand, zum ersten male vollständig vorlag. Durch dieses Werk ist Ersch, nachdem er schon früher werthvolle bibliographische Arbeiten geliefert hatte, der eigentliche Begründer der deutschen Bibliographie geworden; innere Trefflichkeit und äußere zweckmäßige Einrichtung haben dasselbe zu einem Muster gemacht, wie die Literatur eines Volks geordnet werden soll, und es bildet die Grundlage aller ähnlichen spätern Werke. Der Verleger wurde auch durch den äußern Erfolg dieses Verlagsartikels für die auf denselben verwendeten Sorgen und Unkosten entschädigt: nach seinem eigenen Zeugniß war es nebst dem »Conversations-Lexikon« hauptsächlich dieses Werk, dessen Ertrag ihm nach der Wiederaufnahme seiner Verlagsthätigkeit in Altenburg die Mittel zur Ausführung weiterer Unternehmungen gewährte. Eine zweite Auflage oder Umarbeitung wurde noch bei Brockhaus' Lebzeiten (1822) begonnen, wobei sich Ersch von verschiedenen andern Mitarbeitern unterstützen ließ, aber erst 1840 (in welchem Jahre nach längerer Pause die letzte Abtheilung des zweiten Bandes erschien) vollendet. Von einer dritten Auflage oder Umarbeitung sind nur die Abtheilungen der philologischen und philosophischen Literatur (1845 und 1850), von Christian Anton Geißler bearbeitet, ausgegeben worden.