Zuleima. Wenn das der Sel'gen Wohnung ist, Almansor,
So sage mir, wie bist du hergekommen?
Denn unser frommer Abt hat mir versichert:
Daß nur wer Christ ist selig werden kann.
Almansor. O zweifle nicht an meiner Seligkeit!
Ich halte dich, mein Lieb, in meinen Armen,
Und selig, dreimal selig ist Almansor.
Zuleima. So log der fromme Mann, er sagte auch,
Den edeln Don Enrique müßt' ich lieben.
Ich hab's getan, so gut es ging. Almansor
Wollt' ich vergessen. O, das ging nicht gut.
Ich hab' es auch geklagt der Mutter Gottes.
Die hat gelächelt, freundlich, gnädig, huldreich,
Und hat mich eingehüllt in ihren Schleier,
Und hergetragen in die lichte Höh'.
Musik erklang auf meinem Weg'; es bliesen
Die Englein auf Waldhörnern und Schalmein,
Und sangen süße Lieder; — süße Lust!
Ich bin im Himmel, und das beste ist,
Almansor ist bei mir, und in dem Himmel
Bedarf es der Verstellungskünste nicht,
Und frei darf ich gestehn: Ich liebe dich,
Ich liebe dich, ich liebe dich, Almansor!
(Das scheidende Abendrot verklärt die beiden Gestalten.)
Almansor. Ich wußte längst, du liebest mich noch immer,
Mehr als dich selbst. Die Nachtigall hat mir's
Vertraut, die Rose hat's mir zugehaucht,
Ein Lüftlein hat es mir ins Ohr gefächelt,
Und jede Nacht hab' ich es klar gelesen
Im blauen Buche mit den goldnen Lettern.
Zuleima. Nein! nein! der fromme Mann hat nicht gelogen,
Es ist so schön im schönen Himmelreich!
Umschließe mich mit deinen lieben Armen,
Und wiege mich auf deinem weichen Schoß,
Und laß Jahrtausende mich Wonnetrunk'ne
In diesem Himmel in dem Himmel liegen!
Almansor. Wir sind im Himmel, und die Engel singen,
Und rauschen drein mit ihren seidnen Flügeln, —
Hier wohnet Gott im Grübchen dieser Wangen, —
(Waffengeklirr in der Ferne. Almansor erschrickt.)
Dort unten aber wohnet Eblis, furchtbar
Dringt seine Stimm' hinauf, bis in den Himmel,
Und streckt er nach mir aus die Eisenhand.
Zuleima (erschrocken). Was schrickst du plötzlich auf? was zitterst du?