Der König sprach in mildem Ton
Zu Reinhold jetzt: „Du guter Sohn!
Die Sündfluth ist vorüber zwar,
Doch böse Buben sind nicht rar;
Die sind noch lang’ nicht all geworden
Und finden sich an vielen Orten.
Ein sauber Pröbchen kann ich dir
In meinen Pagen zeigen hier.
Die Kerlchen sind dir wohlbekannt,
Hofschlingel werden sie genannt.“
Der König winkt’; da kam herbei
Die ganze Struwwelpeterei.
Zuerst zeigt’ Struwwelpeter sich,
Dann kam der böse Friederich;
Der Daumenlutscher lutschte sehr,
Der Zappelphilipp hinterher
Kam mit dem Tischtuch auf dem Rücken;
Hans aber wollt’ sich gar nicht bücken,
Weil stets sein Blick in Lüften hing;
Dann Robert mit dem Schirme ging.
Verhungert ganz und sehr elend
Kam Suppenkaspar noch am End’.
Die Tintenbuben sprangen munter
Den Zug hinauf bald, bald hinunter.

Vorüber war auch dieser Zug.
Der König sprach: „Jetzt ist’s genug!
Du hast mein ganzes Volk geseh’n;
Ich kann deßhalb nach Hause geh’n.
Ich hab’ dir weiter nichts zu zeigen
Und will nunmehr zu Pferde steigen,
Um fort zu reiten auf mein Schloß.“

Man brachte ihm das Schaukelroß,
Das Schaukelroß gar reich geschmückt,
Wie’s sich für einen König schickt;
Und in den Sattel schwingt er sich,
Ein kühner Reiter, meisterlich.
Er hält am Pferdchen fest sich sehr;
Er schaukelt hin, er schaukelt her.
Doch Reinhold grüßt mit Zierlichkeit
Und spricht mit viel Manierlichkeit:
„O knackerige Majestät!
Es ist mir leid, daß Ihr schon geht.
Zwar Euer Mund ist groß und weit,
Doch größer Eure Gütigkeit.“
Der König rief: „Leb’ wohl, mein Sohn!“
Und ritt in schnellem Trapp davon.