Aber ach! nicht aller Orten
Ist der Tag ein Fest geworden!
Dort im Schnee die Hütte seht,
Wie sie so verlassen steht!
Armuth, Noth und schwere Sorgen
Wohnen drinnen still verborgen.
Mutterhand, so leis und lind,
Pflegt ein fieberkrankes Kind,
Pflegt den einz’gen lieben Sohn,
Schwer erkrankt acht Tage schon.
In dem engen stillen Raum
Grünt kein froher Weihnachtsbaum,
Und kein heller Kerzenschimmer
Leuchtet durch das kleine Zimmer.
Aber Liebe sorgt und wacht
Noch in später Mitternacht.
Manche heiße Thräne rinnt;
Mutter betet für ihr Kind.
Wenn ihr froh und glücklich seid,
O, dann denkt an fremdes Leid!

Späte Nacht ist’s. Reinhold liegt
Sanft in Schlummer eingewiegt.
Mutter hat den kranken Jungen
Endlich in den Schlaf gesungen.
Längst gestorben ist der Vater;
Ohne Schützer und Berather
Muß die Wittwe nun allein
Ihrem Kinde Alles sein.
Müde schließt sie selbst die Augen,
Die so sehr die Ruhe brauchen.
Alles schläft so still, so still!
Mäuslein huscht, wohin es will;
Kätzlein unter’m Ofen ruht
Gar zu gut.
’S Vöglein hat den Kopf gesenkt,
Weil es nur an Schlafen denkt.
Schwach nur brennt der Lampe Licht.
Weckt die lieben Schläfer nicht!
Wer jetzt etwas fragen will,
Frage leise, leise! – Still!
Gesegnet sei der Schlaf der Nacht
Euch, die ihr sorgenschwer gewacht!

Schlafend ruh’n sie. – Da verbreitet
Sich ein Lichtglanz hell und klar,
Und zum Bett des Kranken schreitet
Hin ein Knabe wunderbar.
Schimmernd leuchtet sein Gewand,
Eine Lilie trägt die Hand,
In der blonden Locken Glanz
Schmiegt sich leicht ein Blumenkranz.
Süß ist seiner Stimme Klang,
Seine Worte wie Gesang:
„Du lieber Reinhold, hör’ mein Wort!
Wach’ auf! Du sollst zur Stund’ genesen!
Dir scheucht ein Wink die Leiden fort.
Dein Schmerz sei wie ein Traum gewesen!
Wenn Alles sich auf Erden freut,
Wenn alle Engel jauchzend singen,
Dann sollst auch du die Festnacht heut’
Nicht freudelos allein verbringen.
Steh’ auf! Ich will dein Führer sein;
Der muntern Lieder weiß ich viele.
Ich führ’ dich in ein Märchen ein
Und zeig’ dir wundervolle Spiele.“