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Es führt nun der Engel den Knaben hinaus, Hinaus aus der Stube, hinweg von dem Haus, Er führt ihn durch Wiesen auf sanftem Weg, Durch Blumengelände und grünes Geheg’. Hinweg war der Winter und alle sein Weh’, Verschwunden das Eis, geschmolzen der Schnee. Die Luft war rein, Voll Sonnenschein; Im Bach der lustige Wellentanz; Rings Frühlingslust und Sommerglanz! Da athmete Reinhold tief und frei, Und alle Krankheit war vorbei. Und durch ein goldnes Thor hinein In einen Saal von Edelstein |
Da treten Beide. Welche Pracht! Das leuchtet und funkelt bei Tag und Nacht. Der Engel hat dem Knaben jetzt Ein kleines Kästlein hingesetzt, Und spricht: „Spiel’ mit den Häuschen d’rin, Bis daß ich wieder bei dir bin; Und was auch sonst geschehen mag, Es ist für dich ein Freudentag.“ Er sprach es und verließ den Ort. Doch Reinhold setzte sich sofort, Und stellte die Häuschen hübsch in Reih’ Und grüne Bäume auch dabei; Und mitten, wo es ihm gefällt, Hat er die Kirche hingestellt. |
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Die Häuslein stehn jetzt prächtig da. Nun gebet Achtung, was geschah! Sie fangen an sich auszustrecken, Sich rechts und links hinaus zu recken, Sie werden höher, werden breiter, Sie wachsen weiter, immer weiter; Die Thür, das Fenster und das Dach, Es wächst das Alles allgemach. Die kleine Kirche schießt empor, Und auch der grüne Baum davor. Was Alles in den Häusern steht, Wächst wie das Kraut im Gartenbeet: Und Schrank und Bett und Tisch und Stuhl, Im Hof das Huhn, die Ent’ im Pfuhl, |
Der Hund, die Katz’, der Ochs im Stall, Die Töpfe und die Schüsseln all’; Die Eier wachsen und die Braten; Die Kuchen sind sehr wohl gerathen. Und in den Häusern ganz geschwind Wächst Vater, Mutter, Magd und Kind. Doch statt des Saals von Edelstein Schließt Alles blauer Himmel ein, Und vorn da steht zu jeder Seit’ Ein goldner Stuhl, bequem und breit. – Nur Reinhold blieb das, was er war, Ein Bursch von sechs bis sieben Jahr’; Er ist vor Staunen starr und stumm Und sieht sich sehr verwundert um. |
Und wie nun Reinhold steht und schaut
Und sich nicht rechts, nicht links getraut,
Da schallt von fern durch Markt und Straßen
Ein fröhliches Trompetenblasen.
Dann immer näher klingt’s herbei
Laut wie ein jubelnd Lustgeschrei.
Es wirbelt bald, bald tönt es lang
In schmetterndem Trompetenklang,
Und der Trompeter schmuck und bunt
Mit der Trompete an dem Mund
Kommt prächtig blasend hergeschritten
Und stellt sich auf den Platz inmitten.
Die Scheiben klirren; er bläst so froh!
Sein lustig Lied, es lautet so:
„Ich bin der famose Trompeter!
Wie ich, so bläst nicht ein Jeder.
Schnettereng! Schnettereng! Schnettereng!
Es wird mir die Stadt fast zu eng.