Abb. 40. Das Rathaus in Wiesbaden. (Zu [Seite 40].)
Die Saalburg.
Eine elektrische Bahn führt uns bequem von Homburg zu der 420 m über dem Meere gelegenen Saalburg. Dort grüßt uns ein lebenswahres Bild der Römerzeit. Das in seiner ganzen Anlage freigelegte Römerkastell ist wieder in seiner früheren Gestalt hergestellt worden. Es bildet ein Rechteck von 221 × 146 m, mit einem Flächeninhalt also von über 32000 qm. Die Ecken sind abgerundet. Vier Tore führten in das Kastell. Auf der Südseite öffnet sich uns die 8,2 m breite Porta decumana. Eine 3 m hohe Mauer und zwei Spitzgräben umgeben die Anlage. Am 11. Oktober des Jahres 1900 wurde durch Kaiser Wilhelm II., der ein hohes Interesse für den Wiederaufbau der Saalburg bekundete, der Grundstein zum Hauptgebäude in der Mitte, zum Praetorium ([Abb. 27]), unter Veranstaltung eines glanzvollen Festes gelegt. Vor diesem Bau, der als Limes-Museum dient, wurde dem ersten Erbauer der Saalburg, dem römischen Kaiser Antoninus Pius, ein Denkmal errichtet.
Der Limes.
Die Saalburg bildete ein Glied der 542 km langen Befestigungslinie, mit welcher die Römer den unterjochten Teil Germaniens umzogen, um das Land vor den Einfällen der übrigen germanischen Stämme zu schützen, des Pfahlgrabens oder Limes. Derselbe begann bei Kehlheim an der Donau, lief als rätischer Limes von dort nach Lorch bei Stuttgart und als obergermanischer Limes über Miltenberg am Main, über den Taunus und über Ems und endete am Rhein bei Rheinbrohl. Er bestand aus einer Grenzmarkierung, aus einem Erddamm mit aufgesetzter Mauer und davorliegendem Graben und aus etwas zurückliegenden Wachttürmen und Kastellen. Die Grenzmarkierung bestand entweder nur aus Steinen oder streckenweise auch aus Palisadenreihen. Ursprünglich war wohl nur diese Anlage, die man einen limes perpetuus nannte, vorhanden. Die Palisaden bildeten ein Annäherungshindernis und für die Patrouillen einen Schutz. Als später der Erdwall angelegt wurde, verlor die Grenzmarkierung ihre Bedeutung. Die Wachttürme waren anfangs Holz-, später Steintürme. Sie lagen gewöhnlich 30 m hinter dem Erdwall und etwa 750 m, also auf Signalweite, voneinander. Kastelle waren überall dort angelegt, wo ein Flußlauf die Befestigungslinie kreuzte. Am rätischen Limes waren sie, weil dort die Bodenform eine günstige war, selten, um so zahlreicher am obergermanischen. Bisher sind etwa 70 Kastelle bekannt. Die größten hatten einen Innenraum von etwa 60000 qm und eine Besatzung von 1000 Mann, die mittleren waren 20000 bis 35000 qm groß und mit 500 Mann belegt, die kleinsten maßen nur 5000 bis 8000 qm und hatten nur eine kleine Besatzung. Alle hatten die Aufgabe, Flußtäler und Straßen zu sperren. Sie waren also Sperrforts und als solche festungsmäßig mit Türmen versehen und mit Ballisten, d. h. Wurfgeschützen ausgerüstet. Die Besatzung mußte imstande sein, kleine Feindesscharen zurückzuweisen, größere aber so lange aufzuhalten, bis die Legionen herankamen.
Abb. 41. Das Kurhaus in Wiesbaden.
Nach einer Photographie von Hofphotograph Karl Schipper in Wiesbaden. (Zu [Seite 40].)
Auf das Verhalten der unruhigen, kriegs- und wanderlustigen germanischen Volksstämme übte die Anlage des römischen Pfahlgrabens eine bedeutende Wirkung aus. Der Grenzverkehr wurde scharf überwacht, und bewaffnete Überschreitung der Grenzlinie war verwehrt. Die Bewegung des germanischen Volkes wurde dadurch vorläufig zum Stillstand gebracht. Da es aber für die in starker Vermehrung begriffene Bevölkerung an weiteren Weideplätzen bald fehlte, waren die Westgermanen gezwungen, von der Viehzucht zum Ackerbau überzugehen und feste Siedelungen anzulegen. So nahm die Not den zum Nomadenleben neigenden Germanen in eine harte und um so nützlichere Schule. Erst als seßhafter Ackerbauer konnte er die zivilisatorischen Elemente in sich aufnehmen und verbreiten (Mommsen).
Kronberg. Altkönig. Feldberg.