Von der Saalburg aus würde uns der Pfahlgraben zum Fuße des Feldbergs, der höchsten Erhebung (880 m hoch) des Taunus, hinführen. Es hat einen gewissen Reiz, so einen Patrouillengang römischer Soldaten nachzuahmen. Genußreicher ist aber die Besteigung des Feldbergs von dem westlicher gelegenen Kronberg aus. Darum kehren wir nach Homburg zurück und statten von dort noch mittelst der Eisenbahn dem Städtchen Friedberg ([Abb. 30]) und dem Badeorte Nauheim ([Abb. 28]) einen Besuch ab.
Nach Kronberg (Cronberg, [Abb. 29]) führt von Frankfurt eine Eisenbahnlinie, die bei Rödelheim von der Homburger Bahn abzweigt. Das Städtchen liegt, umgeben von Obstpflanzungen und Kastanienwäldern, an einem Hügel und wird von dem im dreizehnten Jahrhundert erbauten Schloß überragt. Der weit sichtbare Turm bietet eine prächtige Aussicht dar. Wir schauen hinab auf die zahlreichen zierlichen Landhäuser, die meist Eigentum Frankfurter Familien sind, zum Teil die Frankfurter Malerkolonie bildend. Nordöstlich grüßt uns das Schloß Friedrichshof ([Abb. 31]), der ehemalige Witwensitz der Kaiserin Friedrich.
Abb. 42. Der Kochbrunnenplatz in Wiesbaden. (Zu [Seite 40].)
Von Kronberg sind viele besuchenswerte Punkte leicht zu erreichen. Nordwestlich steigen die Burgruine Falkenstein, das Stammschloß des gewaltigen Erzbischofs Kuno von Trier, sowie die Trümmer der Bergfestung Königstein ([Abb. 32]), die 1796 von den Franzosen geschleift wurde, vor uns auf. Weiter nördlich ragt, in der Richtung auf den Feldberg zu, die 798 m hohe Bergkuppe des Altkönig empor. Sein Gipfel ist von zwei riesenhaften Ringwällen umgeben, die aus vorrömischer Zeit stammen und wohl von einem keltischen Volke herrühren, das dort seine Opfer- und seine Zufluchtsstätte in Kriegszeiten hatte. Der äußere Wall hat einen Umfang von 1389 m, der innere von 982 m. Der Große Feldberg (880 m), dem sich links der 827 m hohe Kleine Feldberg vorlagert, ist ganz von Wald bedeckt. Nur der Gipfel, auf dem drei Gasthäuser stehen, und von dem man bei hellem Wetter einen ausgedehnten Rundblick genießt, ist frei. Auf ihm liegt ein riesiger, 12 m breiter und 3 m hoher Quarzblock, der schon in einer Urkunde vom Jahre 812 genannt und 1043 als Brunhildenbett bezeichnet wird.
Soden. Eppstein. Biebrich.
Eine dritte Taunusfahrt, die wir von Frankfurt aus unternehmen, führt uns nach dem kleinen Badeort Soden ([Abb. 33]). In dem Tale, in welchem es gebettet ist, entspringen 24 kohlensäurereiche, 9 bis 22 Grad warme Kochsalzquellen, deren Wasser zusammen mit der milden Luft des Ortes besonders Kehlkopfleidenden Linderung bringt. Und als eine vierte Tour sei die nach dem in tiefem Tale gelegenen Eppstein ([Abb. 34]) empfohlen, das durch seine alte Burg ([Abb. 35]) und seine malerischen Fels- und Waldpartien ein Lieblingsaufenthalt für Maler geworden ist.
Die übrigen schönen Punkte am Südabhange des Taunus und in dem Rebengarten des Rheingaues erreichen wir am bequemsten von Mainz aus. Eine kurze Stromfahrt führt uns zwischen zwei langgestreckten Rheininseln, der Ingelheimer Aue und der Petersaue, auf der 840 Kaiser Ludwig der Fromme starb, hindurch, immer im Anblicke der Taunushöhen, nach der am rechten Rheinufer gelegenen Stadt Biebrich (20000 Einw.), deren rege Gewerbtätigkeit zahlreiche Fabrikschornsteine ankünden. Unser Ziel ist das von 1704 bis 1706 im Barockstil erbaute Schloß ([Abb. 36]) des früheren Herzogs von Nassau, späteren Großherzogs von Luxemburg, und in dem Schloßpark bewundern wir die schöne Kastanienallee, deren alte Bäume sich durch eine ungewöhnliche Größe auszeichnen, und betrachten, den Geist in die Vergangenheit versenkend, die kleine Moosburg. Zwar wurde diese erst 1806 aufgeführt, jedoch auf den Trümmern der alten Kaiserpfalz Biburk, die 874 Ludwig der Deutsche bewohnte.
Abb. 43. Griechische Kapelle am Neroberg bei Wiesbaden. (Zu [Seite 41].)