Etwa 5000 Kurgäste, in der Mehrzahl weiblichen Geschlechtes, beleben in der Saison den sonst so stillen Ort, besonders Bleichsüchtige und Nervenleidende. Indem wir wieder herniedersteigen von dem Taunusplateau, führt uns der Weg nach dem kleinen, nur aus etwa 50 Häusern bestehenden Badeorte Schlangenbad ([Abb. 44]), der in einem Waldtal ein so reizendes Plätzchen gefunden hat. Seine Quellen gehören zu den erdig-mineralischen Mineralwässern und liefern ein klares, völlig geruchloses Wasser von 29 bis 32° C, das besonders bei Hautkrankheiten und Nervenschwäche heilbringend wirkt.

Abb. 46. Eltville.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 43].)

Abb. 47. Der Marcobrunnen.
Nach einer Photographie von R. Bieleck in Eltville. (Zu [Seite 43].)

Der Rheingau.

Nach kurzer Wanderung von Schlangenbad weiter talwärts nehmen uns sonnige Rebengelände auf. Der gepriesene Rheingau lacht mit seiner Weinfülle uns entgegen. Vielleicht schon zur Merowingerzeit wurde dieses Land in einen Rebengarten verwandelt. Seit alters führt es seinen inhaltsvollen Namen, der es so innig mit dem Rheine vermählt. Von allen Gauen am stolzen Strom wurde nur einer nach diesem benannt, der Rheingau, der auf der rechten Seite des Rheintales bis Lorch reichte und dieses alte Weinstädtchen noch mit umfaßte. Ursprünglich war er ein königliches Gebiet, das 961 und 983 von den Ottonen an Mainz überlassen wurde. Ein bis zur Undurchdringlichkeit verwachsener Baumverhau umgab dasselbe damals und schloß es wie eine Festung ab. Den heutigen Umfang erhielt der Weinbau im dreizehnten Jahrhundert. Als die Rheingaugrafen 1279 verdrängt worden waren, setzten die Mainzer Erzbischöfe einen Statthalter (Vicedom) ein, der aber bis zum Jahre 1527 den Rheingauer Landtag befragen mußte. Erst als der große Bauernaufstand niedergeschlagen war, begann die unmittelbare Herrschaft der Mainzer Erzbischöfe. Viele Jahrhunderte hindurch ist nun schon der Weinbau im Rheingau die Quelle des Wohlstandes. Vorübergehend kamen zwar Zeiten, in denen die Einkünfte aus demselben zu wünschen ließen. So wirkte das Verschwinden der zahlreichen kleinen Herrschaften in Deutschland ungünstig ein; denn die Fürstenhöfe waren früher die besten Absatzquellen. Daß damals die Rheingauwinzer ihren herrlichen Wein selbst trinken mußten, war an sich ja eine schöne Sache; aber die Taschen blieben dabei leer, und der Kopf wurde hitzig. In unserer Zeit hat der wachsende Wohlstand den Rheingauer Weinen neue, zahlkräftige Kunden gebracht. (Näheres über Weinpreise der besseren Marken siehe in dem letzten Abschnitte über den rheinischen Weinbau.)

Abb. 48. Kloster Eberbach.
Nach einer Photographie von R. Bieleck in Eltville. (Zu [Seite 43].)