Abb. 49. Kelterraum in Eberbach.
Nach einer Photographie von R. Bieleck in Eltville. (Zu [Seite 43].)
Rheingauwanderung.
Die Wanderung durch die Rebengefilde des Rheingaues ist, da das Herz von vornherein schon so frohgestimmt ist, etwas gar Schönes. Sonnig, meist schattenlos ist zwar der Weg, der uns von Schlangenbad über Rauenthal ([Abb. 45]) nach dem lieblich am Rhein gelegenen Städtchen Eltville oder Elfeld (4000 Einw.) ([Abb. 46]), von dort über Erbach am Marcobrunnen ([Abb. 47]) vorbei nach Hattenheim, dann nach der einst so berühmten Benediktinerabtei Eberbach ([Abb. 48]), wo wir uns in dem schönen Kelterraum ([Abb. 49]), dem früheren Refektorium, gern der weinkundigen Mönche, die dem Steinberger zu seinem berühmten Namen verhalfen, erinnern, weiter über Hallgarten am Schloß Vollrads vorbei nach Schloß Johannisberg ([Abb. 50]), wo der König der Weine und der Wein der Könige gezogen wird, und schließlich über Geisenheim (4000 Einw.) ([Abb. 52]), wo sich die Königliche Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau befindet, nach dem weinberühmten Städtchen Rüdesheim (5000 Einw.) ([Abb. 51]). Östrich und Winkel, nicht weniger bekannte Weinorte, ließen wir bei dieser Wanderung abseits am Rheine liegen. Wohlgepflegte Weinberge schaute überall unser Auge, und berühmte Namen klangen an unser Ohr, die ein Gefühl der Hoheit dieses Landes in uns weckten. Doch wenn es auch einem gewöhnlichen Sterblichen nicht vergönnt ist, von den edelsten Weinen des Rheingaus in Fülle zu trinken oder auch nur davon zu kosten, auch das andere Gewächs läuft wie Feuer durch unsere Adern, und wenn wir in diesem Weinglück, in der Begeisterung, die eine solche Wonne dem Menschen gibt, hinaufsteigen zum Niederwald, dann öffnet sich beim Anblick des Germaniadenkmals das Herz zu jenem weihevollen Empfinden, das alle deutschen Brüder, das ganze deutsche Vaterland hineinziehen möchte in dieses Glück, in dieses Glück am Rhein.
Abb. 50. Schloß und Dorf Johannisberg.
Nach einer Photographie von R. Bieleck in Eltville. (Zu [Seite 43].)
Das Nationaldenkmal.
Das Germaniadenkmal ([Abb. 53]) wurde am 28. September 1883 im Beisein des Kaisers Wilhelm I. und vieler deutscher Fürsten enthüllt. Sechs Jahre war an ihm gearbeitet worden, die Bausumme betrug 1⅒ Millionen Mark. Als im Jahre 1877 am 16. August der Grundstein zu dem Denkmal gelegt wurde, begleitete Kaiser Wilhelm I. die ersten Hammerschläge mit den Worten:
„Wie mein Königlicher Vater einst dem deutschen Volke vor dem Denkmal zu Berlin zurief, so rufe ich heute von dieser bedeutungsvollen Stelle den deutschen Völkern zu: Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den künftigen Geschlechtern zur Nachahmung!“
Die Gestalt der Germania wurde nach einem Entwurfe des Professors Schilling in Dresden gegossen. Sie mißt 10,60 m, mit dem Sockel, der mit den sinnreichen Darstellungen: „Krieg“, „Friede“, „Des Kriegers Abschied“ und „Des Kriegers Heimkehr“ geschmückt ist, aber 34 m.