Falkenburg. Sooneck. Heimburg.
Weiter geht die Fahrt. Da ist kein Auge, das nicht die neuen Bilder mit Spannung erwartet und freudig grüßt. Im Reisehandbuch und auf der Karte wird aufmerksam die Fahrt verfolgt. Sollen doch die schönen Bilder weiter leben, zusammen mit ihren berühmten Namen! Längst liegt Aßmannshausen ([Abb. 59]) hinter uns, und auch Burg Rheinstein auf der anderen, der linken Rheinseite entschwindet jetzt unseren Blicken. Die lange Häuserreihe des Ortes Trechtingshausen, überragt von den Ruinen der Falkenburg ([Abb. 60]), einer der Raubburgen, die der rheinische Städtebund 1252 zerstören ließ, gleitet vorüber.
Abb. 57. Das Rheinknie bei Bingen. (Zu [Seite 48].)
Dann steigt, über dem Eingang einer engen Bergschlucht, der schlanke Turm der prächtigen Burg Sooneck ([Abb. 61]) empor. Auch sie erstand durch Fürstengunst aus ihren Trümmern. Der „Prinz von Preußen“, der spätere Kaiser Wilhelm I., erwarb sie zusammen mit seinem Bruder Prinz Karl von Preußen und ließ sie von 1834 ab neu herstellen. Ihr erster Erbauer war der Erzbischof Willigis von Mainz, der zu Anfang des elften Jahrhunderts lebte. Aber später wurde sie, gleich der Falkenburg, ein Räubernest, und König Rudolf von Habsburg ließ sie zerstören. Neu erstand sie aus ihrem Schutt, bis spätere Zeiten sie wieder zerstörten. Daß die Burg Sooneck auch in unserer Zeit in neuer Pracht hergestellt wurde, verdankt sie der prächtigen Aussicht, die sie darbietet. „Seeartig erscheint von den Zinnen der Burg aus in ruhiger Majestät der Spiegel des Stromes, grüne Inseln spiegeln sich in seinem Bette, und die üppigen Weingelände von Lorch ([Abb. 62]) und Trechtingshausen scheinen sich auf den Strommauern fortsetzen zu wollen. Wild starren über den Weinbergen, die rechts den edlen Bodentaler liefern, die Felsklippen empor; ein Bergpfad durchzieht die finstere Schlucht der Burg zu Füßen; er führt auf des Soonwaldes wildreiche Höhen, wo der Eber noch den Boden aufwühlt und der Hirsch mit den gewaltigen Stangen den Buchenwald durchästet“ (Mehlis).
Abb. 58. Schloß Rheinstein. (Zu [Seite 50].)
Lorch.
Bis südlich von Lorch ([Abb. 62]), das schmuck auf dem rechten Ufer bald vor uns auftaucht, während links das langgestreckte Dorf Niederheimbach und die Heimburg grüßen, bauen sich die Talwände aus Taunusquarzit auf. Es war ein mühevolles Werk, das der Rheinstrom beim Einsägen in dieses harte Gestein auszuführen hatte. Noch hat er es nicht ganz vollendet, noch lauern überall Quarzriffe unter seinem Wasserspiegel, besonders bei niedrigem Wasserstande die Schiffahrt sehr gefährdend. An vielen Stellen mußten, wie am Binger Loch, umfangreiche Sprengungen vorgenommen werden, um diese überhaupt möglich zu machen. Auf der folgenden Strecke, auf der der Rhein den Hunsrückschiefer zu durchfurchen hatte, war das Werk wohl leichter. Aber manche harte Felsbänke durchsetzen auch dort den Strom und lassen ihn wild aufbrausen, so am Wilden Gefährt bei Bacharach, ferner bei Caub, wo die Pfalz, eine kleine Burg, auf einem Felsen mitten im Strom erbaut ist, sowie besonders auf der Strecke zwischen dem Kammereck und der Lorelei. Mit dem Eintritt in den Hunsrückschiefer geht zugleich eine große Veränderung in dem Gepräge der Landschaft vor sich. Während der Quarzit eine ziemlich gleichmäßig zusammengesetzte Gesteinsmasse bildet, ist der Schiefer in seinen einzelnen Lagen oft sehr verschieden beschaffen und von ungleicher Härte. Infolgedessen sind die Formen, die die Verwitterung und die gewaltsame Zerstörung durch den Strom und der einmündenden Bäche entstehen ließen, mannigfaltiger, und malerischer ist das Bild der Felswände, die ihre wuchtige Gesamterscheinung durch einen reichen Wechsel zwischen beleuchteten kleinen Vorsprüngen und dunkeln Klüften beleben können.