Abb. 59. Aßmannshausen. (Zu [Seite 50].)

Zwischen trotzigen Schieferwänden geht also die Fahrt weiter. Schon gleich die Ruinen der hinter dem Städtchen Lorch aufragenden Burg Nollich zeigen sich uns auf zackigem Schieferberge. Ein scharfer Felsgrat tritt aus dessen südwestlichem Abhange heraus, die Teufelsleiter genannt. Ein Ritter von Lorch soll einst an dieser Stelle hinaufgeritten sein, um durch diese kühne Tat die Hand eines Edelfräuleins zu erringen. Lorch selbst ist ein sehr alter Ort. Schon 844 wird es als Lorecha erwähnt. Im Mittelalter wohnten daselbst viele Adlige, die, nach dem Wortlaut einer Urkunde, ein „Leben wie im Paradiese“ führten. Auch heute hat Lorch noch manche historisch interessante Gebäude. Die aus dem dreizehnten bis fünfzehnten Jahrhundert stammende Martinskirche, die sich durch ihr herrliches Geläute auszeichnet, enthält mehrere bemerkenswerte Grabdenkmäler, so das Denkmal des Ritters Johann Hilchen von Lorch, eines Waffengenossen Sickingens, der „in den Zügen gegen den Erbfeind, den Dürcken, und den König zu Francreich in den Jahren 1543 und 1544 oberster Veltmarschalck“ war. Auch das fünfstöckige Wohnhaus dieses Ritters wird in Lorch noch gezeigt.

Bei Lorch mündet das Wispertal in das Rheintal. Kalte Winde führt es diesem zu, Bergwinde, die die im Rheintale aufsteigende warme Luft zu ersetzen suchen und dem Weinbau viel Schaden zufügen.

Abb. 60. Die Falkenburg (Schloß Reichenstein). (Zu [Seite 52].)

Wispertal. Fürstenberg. Bacharach.

Von Lorch und Burg Nollich wenden wir den Blick ab und schauen nach links auf die gegenüberliegende Bergwand, die den kalten Windhauch des Wispertales empfängt. Von der Höhe grüßen uns die Ruinen der Burg Fürstenberg. Einst fuhr ein neugewählter deutscher Kaiser, Adolf von Nassau war es, hier vorbei, auf dem Wege zur Krönung nach Aachen. Da gebot die pfälzische Besatzung dieser Burg seinem Schifflein Halt und forderte trotzig den Rheinzoll. So geschehen im Jahre 1292. Noch sinnen wir nach über eines solchen Kaisers Herrlichkeit, der seine Kaiserwürde verzollen mußte, da taucht, schimmernd im Lichtglanze des Tages, das alte ehrwürdige Städtchen Bacharach (2000 Einw.) ([Abb. 63]) aus den Fluten vor uns auf. Malerisch überragen es die roten Sandsteinbogen einer gotischen Kirchenruine und die weitläufigen Mauertrümmer der oft und heiß umstrittenen Burg Stahleck. Das Schiff mäßigt die Fahrt, um an der Landebrücke anzulegen, und in Muße können wir das Bild betrachten, dessen einzelne Züge so viele historische Erinnerungen in uns wecken. Die mittelalterlichen Stadtmauern, die von der Burg herabkommen und noch fast die ganze Stadt umschließen, machen uns schon klar, daß diese eine lange Geschichte zu erzählen weiß. Im Mittelalter wurde kaum ein Ort mehr genannt als Bacharach, und auch in der weiten Welt war es überall bekannt. Kamen doch von dort die herrlichsten Weine, wie Widtmanns musikalisches Kurzweil aus dem Jahre 1632 uns meldet, worin es heißt:

Zu Klingenberg am Main,

Zu Würzburg an dem Stein,

Zu Bacharach am Rhein,