Hab’ ich in meinen Tagen
Gar oftmals hören sagen,
Soll’n sein die besten Wein’!
Abb. 61. Schloß Sooneck.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 52].)
Bacharach. Stahleck.
Wohl haben Bacharachs Rebengehänge eine günstige Lage; denn unterhalb der Stadt macht der Rhein eine Biegung, so daß auf dieser Strecke die linke Bergwand mehr Sonnenbestrahlung und den warmen Hauch von Süden empfängt. Aber dennoch ist die Lage nicht so hervorragend günstig, und es sind nur mittelmäßige Weine, die bei Bacharach und in der Umgegend, so im Blüchertal, das den beliebten Steeger liefert, wachsen. Der hohe Ruf der Weine von Bacharach in früherer Zeit hatte einen anderen Grund. Im Mittelalter war die Stadt der Stapelplatz für die meisten Weine, die im oberen Rheintal und in dem angrenzenden Rheingau, der besten Weingegend Deutschlands, wuchsen. Die zahlreichen Felsklippen im Rhein machten nämlich die Schiffahrt zwischen Bacharach und Bingen fast unmöglich. Die herrlichen Rheingauer Weine mußten auf Fuhren nach Bacharach gebracht werden und wurden dort erst auf die Schiffe verladen. So galten sie als Bacharacher Weine. Die frühere Bedeutung hat Bacharach mit der Erweiterung der Rheinschiffahrt und dem Ausbau des Eisenbahnnetzes verlieren müssen. Doch besitzt es noch immer einige Bedeutung auf dem Gebiete des Weinhandels. Denn in den Tälern von Steeg, von Oberdiebach und Manubach wächst eine Fülle von Wein. Im Innern macht Bacharach einen altertümlichen Eindruck. Noch viele alte Fachwerkbauten, Giebelhäuser mit weit vorstehendem und dadurch schwerfällig überhängendem Obergeschoß engen die Straßen ein. Ein altberühmtes Fachwerkhaus mit turmartigem Erker, das aus dem Jahre 1568 stammt, wurde 1897 zum Teil auf Staats- und Provinzialkosten neu hergestellt. Hinter der spätromanischen Peterskirche steigt auf einer kleinen Anhöhe der auch als Mauerruine noch schöne Bau der ehemaligen Wernerskirche vor uns auf. In zierlichem gotischem Stil war diese 1293 in Form eines Kleeblattes erbaut worden; das Maßwerk in den Fensteröffnungen, in denen nun der Wind sein Spiel treibt, veranschaulicht noch die edlen Formen des Baues. Nun hinauf zur Burg Stahleck! An der Einmündung des breiten Steeger- oder Blüchertales, das den Zugang zur Hochfläche des Hunsrück bildet und auch von Blücher als Marschroute auf dem Zuge nach Frankreich gewählt wurde, gelegen, war sie ein strategisch wichtiger Punkt. Nicht weniger als achtmal wurde sie im Dreißigjährigen Krieg, zwischen 1620 und 1640, nebst der Stadt von den Franzosen erobert, die sie auch 1689 zerstörten.
Die Pfalz. Caub. Oberwesel.
Von Eindrücken, die frühere oftmalige Einkehr im alten Bacharach zurückgelassen hatte, durfte ich in Kürze erzählen. Nur zu schnell setzt sich unser Schiff „Lohengrin“ wieder in Bewegung, und neue Bilder verdrängen die alten. Die zierliche Pfalz, mitten im Strome gelegen und von dessen Wogen oft wild umbraust, läßt uns vorübergleiten, und rechts begleitet uns die lange Häuserreihe von Caub, überragt von der Burg Gutenfels, die vor kurzem ausgebaut wurde. Am Ufer steht, der Pfalz gegenüber, seit 1894 ein Denkmal Blüchers ([Abb. 65]). Es ist die Stelle, wo dieser mit einem preußischen und einem russischen Armeekorps in der Neujahrsnacht 1813/14 den Rhein überschritt. Mit Hilfe der Cauber Schiffer wurde die Pontonbrücke geschlagen, für die die Felsklippe der Pfalz einen vortrefflichen Stützpunkt darbot. Bei Caub wird der beste rheinische Dachschiefer gewonnen. In dem schwärzlichen Gestein, dessen Farbe die Sonnenstrahlen stärker auf sich sammelt, gedeiht auch vortrefflich die Rebe.
Mit freudigem Staunen wenden wir uns dann dem prächtigen Bilde zu, das am linken Stromesufer im Rahmen einer der schönsten Landschaften des Rheintales erscheint, dem mit Kirchtürmen, Ringmauern und zinnengekrönten Türmen reich geschmückten Städtchen Oberwesel (2800 Einw.) ([Abb. 64]). Von der Bergeshöhe schaut ernst die in Trümmern liegende Schönburg hinab auf die freundlichen Gärten im Tale, aus denen schmuck die zahlreichen Landhäuser Oberwesels herauslugen.