Abb. 79. Kaiser Wilhelm-Denkmal in Coblenz. (Zu [Seite 75].)

Abb. 80. Kreuznach, vom Pavillon gesehen.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 88].)

Abb. 81. Nahebrücke und Schloß Kauzenberg. (Zu [Seite 89].)

Das großartigste, schon einer neueren Zeit angehörende Gebäude von Coblenz ist das jetzige Königliche Schloß, das frühere Residenzschloß der Kurfürsten von Trier. Sein Erbauer ist der Kurfürst Clemens Wenzeslaus, der für dasselbe eine für die damalige Zeit recht bedeutende Bausumme von 650000 Talern aufwendete. Der langgestreckte Bau ist sowohl auf der Rhein- als auch auf der Stadtseite, wo sich der baumbesetzte Schloßplatz ausbreitet, mit einem achtsäuligen, jonischen Portikus geschmückt. Einen reichen Wandel der Zeiten hat das Schloß schon miterlebt. Im Jahre 1786 hielt sein Erbauer, der Kurfürst Clemens Wenzeslaus, seinen feierlichen Einzug. Bis 1794 wohnte er in ihm. Dann sah es die französischen Machthaber in seinen Gemächern, die vorher von den französischen Soldaten ausgeplündert worden waren. Unter preußischer Herrschaft diente es zunächst militärischen Zwecken. Erst nachdem ihm König Friedrich Wilhelm IV. durch Stüler eine neue Einrichtung gegeben hatte, konnte es seinem alten Zwecke wieder dienen. Bald sollte das Schloß einen königlichen Bewohner erhalten. Der Prinz von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I., bewohnte als Militärgouverneur von Rheinland-Westfalen dasselbe in den Jahren 1850 bis 1858 mit seiner Gemahlin, der späteren Kaiserin Augusta. Während dieser Zeit entwarf er, in gemeinsamer Arbeit mit hervorragenden Offizieren, den Plan zur Reorganisation des preußischen Heeres. Seine Gemahlin aber gewann den Coblenzer Aufenthalt so lieb, daß sie auch als Königin und Kaiserin alljährlich im Frühling und im Herbst mehrere Wochen das Schloß bewohnte. Ihre eigne Schöpfung sind die herrlichen Rheinanlagen, die sich vom Königlichen Schlosse an, etwa 2½ km weit, nach Süden längs des Rheines ziehen. Stände auch nicht das Denkmal der hochherzigen Kaiserin inmitten der von schönen Promenadenwegen durchzogenen Gehölzpartien, ein ehrenvolles Denkmal hat sie sich in der schönen und daher zur Pflege des Schönen immerfort einladenden Rheinlandschaft selbst gesetzt. Dankbaren Herzens erinnern sich die Coblenzer der Donnerstag-Nachmittag-Konzerte, bei welchen die Kaiserin mit Vorliebe unter den Spaziergängern und Konzertbesuchern weilte. Als Kaiser Wilhelm nach den Emser Verhandlungen, bei Ausbruch des Krieges von 1870, zusammen mit der Königin in den Anlagen erschien, da umbrauste ihn die erste jener großartigen Huldigungen des Volkes, die ihn begleiteten auf der ganzen Reise nach Berlin. Wir lesen die Inschrift, die auf dieses Ereignis hinweist, und eine innere Stimme ruft uns hin nach dem Deutschen Eck, wo wir dem Heldenkaiser vor seinem großartigen Reiterstandbild ([Abb. 79]) erneut unsere Huldigung darbringen können. Dasselbe ist wohl das großartigste rein persönliche, von fast allem symbolischen und von allem historischen Beiwerk frei gehaltene Denkmal der Welt. Die Rheinprovinz ließ es nach einem Entwurf von Bruno Schmitz an dieser geschichtlich und landschaftlich bedeutsamen Stelle, wo Rhein und Mosel ihre Fluten mischen, errichten. Das 14 m hohe, in Kupfer getriebene Reiterbild des Kaisers ist von einem 9 m hohen Genius, dem Träger der Kaiserkrone, begleitet. 22 m hoch erhebt sich der Unterbau des Denkmals, und dieser ist von einer halbkreisförmigen, 18 m hohen Pfeilerhalle umgeben. Über eine 45 m breite untere Freitreppe steigen wir zur 1200 qm großen Hochterrasse und lesen am Unterbau des Denkmals über einem mächtigen Adlerrelief die in gotischen Buchstaben geschriebene Widmung „Wilhelm dem Großen“. Ein Fußrelief zeigt uns, auf den Zusammenfluß von Rhein und Mosel hindeutend, den Vater Rhein und die aus den Fluten auftauchende Mosella. Im Jahre 1897 fand die Enthüllung des Denkmals statt, durch dessen Errichtung an dieser bevorzugten Stelle zugleich ein neuer schöner Standpunkt zur Betrachtung des herrlichen Landschaftsbildes von Coblenz gewonnen wurde.

Abb. 82. Der Rheingrafenstein. (Zu [Seite 91].)

Abb. 83. Münster am Stein. (Zu [Seite 92].)