Abb. 84. Die Ebernburg. (Zu [Seite 92].)

Coblenz hat wohl zu allen Zeiten vorwiegend eine strategische Bedeutung gehabt. Von der Stelle aus, wo es seine Bollwerke errichtete, konnte dem Rheintal und dem quer zu diesem gerichteten Moseltale zugleich Schutz geboten werden. Auch das etwas oberhalb sich öffnende Nebental der Lahn, das die nur etwas verschobene Fortsetzung des Moseltales bildet, war durch Coblenz geschützt. Riesige Summen sind auf die Befestigung der meisten der rings um die Stadt aufsteigenden Höhen verwendet worden, besonders des Ehrenbreitsteins. Dieser Berg trug schon im Mittelalter eine kurtrierische Landesfestung, die im Dreißigjährigen Kriege eine bedeutende Rolle spielte und im Jahre 1799 von den Franzosen erst nach einer heldenmütigen Verteidigung erobert wurde. Die heutigen Festungswerke stammen aus den Jahren 1816 bis 1826. Sie wurden unter Leitung des preußischen Generals von Aster aufgeführt. Einst galten sie als uneinnehmbar. In der Neuzeit haben sie jedoch, infolge der großen Verbesserungen des Geschützwesens, ihre frühere Bedeutung fast ganz eingebüßt. Von benachbarten Bergkuppen aus können sie, sowie die Feste Asterstein, die sich auf derselben Rheinseite auf der Pfaffendorfer Höhe erhebt, die auf der linken Rheinseite gelegene Kartause und die noch nördlich von der Mosel in der Rheinebene gelegenen Vorwerke leicht zusammengeschossen werden. So ist Coblenz aus einer Festung ersten Ranges zu einer Festung zweiten Ranges herabgesunken, die nur noch durch ihre starke Besatzung und als Kommandositz des VIII. Armeekorps an ihre frühere hohe strategische Bedeutung erinnert.

Abb. 85. Hutten-Sickingen-Denkmal auf der Ebernburg. (Zu [Seite 94].)

Als Kreuzungspunkt zweier großen Talfurchen, der Rhein- und der Mosel-Lahn-Furche, hat Coblenz eine wichtige Verkehrslage. Schon ein Blick auf sein Landschaftsbild, auf seine drei Rhein- und zwei Moselbrücken, unter denen sich im ganzen drei Eisenbahnbrücken befinden, überzeugt uns hiervon. Die geringe Verschiebung des Lahntales nach Süden bewirkte aber, daß als besonderer rechtsrheinischer Verkehrsmittelpunkt neben Coblenz auch die Doppelstadt Ober- und Niederlahnstein aufblühen konnte, so daß jenem nur die Fortführung des linksseitigen Rhein- und die Anknüpfung des Moselverkehrs, dieser dagegen die Fortführung des rechtsseitigen Rhein- und die Anknüpfung des Lahnverkehrs zufielen. Erhöht wird die Gunst der Lage von Coblenz durch die unmittelbare Nachbarschaft eines größeren, sehr fruchtbaren Talbeckens, der gut angebauten Niederung des Neuwieder Beckens. Indem aber der Rhein die Stadt von dessen rechtsrheinischem und die Mosel sie von seinem linksrheinischen Teile abschloß, konnte sie nicht verhindern, daß neben ihr in dem einen Neuwied (fast 20000 Einw.), in dem anderen Andernach (9000 Einw.) als größere Orte aufblühten, die besonders für das Gebirgshinterland des Westerwaldes und der Eifel Bedeutung erlangten. So hatte Coblenz auch mit hemmenden Einflüssen zu kämpfen, die es ihm erschwerten, ein weites Gebiet wirtschaftlich eng an sich zu gliedern. Seine Lage ist in Wirklichkeit keine so zentrale als die von Frankfurt oder Mainz oder selbst als die von Trier. Immerhin genügt die Gunst der Lage, um der Stadt den Vorrang, der ihr als Sitz der Provinzial-, Regierungs- und Militärbehörden zugefallen ist, auch wirtschaftlich zu stützen. Die endlich in Fluß gekommene Stadterweiterung wird auch mancherlei Gewerben, die bisher in dem engen Festungsgürtel keinen Raum finden konnten, eine Heimstätte bieten können. Von Bedeutung ist gegenwärtig nur die Champagnerbereitung, deren Entwicklung an den lebhaften Weinhandel anknüpfte, den Coblenz betreibt. Alljährlich finden im Frühling und Herbst bedeutende Weinversteigerungen statt. Coblenz ist auch ein Mittelpunkt des Obst- und besonders des Kirschenhandels. Der reiche Kirschensegen der Orte Salzig am Rhein und Güls an der Mosel geht zum großen Teil zum Coblenzer Kirschenmarkt, der Anfang bis Mitte Juni abgehalten wird, und auf dem sich zahlreiche Händler einfinden. Gegenwärtig zählt Coblenz 55000 Einwohner. Zählen wir die Nachbarorte Moselweiß, Ehrenbreitstein und Pfaffendorf, wo viele Coblenzer Familien Wohnung suchen mußten, die die eingeengte Stadt ihnen früher nicht zu geben vermochte, so erhalten wir eine Gesamtbevölkerung von etwa 75000.

Abb. 86. Die Altenbaumburg. (Zu [Seite 94].)

V. Der Hunsrück nebst dem Nahe-, Saar- und Moseltal.

Der Hunsrück.