Der Hunsrück ist ein geographisch scharf abgegrenztes Gebiet. Im Osten trennt ihn die etwa 200 m tiefe Rheinfurche von dem Taunus, im Norden zieht die Mosel eine fast ebenso tiefe Furche als Scheidelinie gegen die Eifel, im Westen bezeichnet der bedeutendste Zufluß der Mosel, die wasserreiche Saar, die Grenze, und nur im Süden ist die Abgrenzung des Gebietes nicht so scharf. Im Südosten bildet die Nahe als ein kleinerer Fluß schon eine viel weniger deutlich ausgeprägte Grenzlinie, und im Südwesten geht der Hunsrück unmerklich in das hügelige Gelände des Saarbrückener Steinkohlengebirges über. Schwieriger ist es, den Hunsrück auch als eine geologische Einheit abzugrenzen. Mit dem Taunus stimmt er in seinem inneren Bau so überein, daß der eine als die Fortsetzung des anderen betrachtet werden muß und die nachfolgenden geologischen Bemerkungen auch für jenen gelten können. Der von den Geologen mit Vorliebe für den Hunsrück gebrauchte Name „Linksrheinischer Taunus“ drückt die Zusammengehörigkeit der beiden Gebiete deutlich aus. Die Rheinfurche ist nichts weiter als ein großartiger Durchschnitt durch die Taunusfalte des Rheinischen Schiefergebirges, und einen zweiten Durchschnitt schuf fern im Westen, wo diese Erdfalte noch nicht völlig verflacht ist, die Saar. Erst eine kleine Strecke westlich von dieser Talfurche tauchen die Schichten des Hunsrück unter die lothringische Trias unter. Im Norden kommt der Moselfurche in geologischer Hinsicht eine ganz andere Bedeutung zu als der Rheinfurche. Sie trennt die Taunus-Hunsrückfalte von dem ebenfalls nordöstlich gerichteten Faltensystem der Eifel. In der Moselsenkung fanden auch nach der Aufrichtung jener Faltengebirge noch neue Erdbildungen statt. Das Buntsandsteinmeer und in noch jüngerer Zeit das Jurameer griffen von Westen in dieselbe hinein und ließen wenigstens im westlichen Teile ihre Bildungen entstehen. Im Osten aber, in der Verlängerung der Moselfurche, brach das Senkungsfeld des Neuwieder Beckens ein, das die vier großen Schollen des Rheinischen Schiefergebirges, Taunus, Hunsrück, Eifel und Westerwald, auf der Ecke, wo sie zusammenstoßen würden, deutlicher voneinander trennte, als es Flußtäler vermögen. Im Süden bezeichnet die Diskordanz (= ungleiche Lagerung) der karbonischen Schichten des Saarbrückener Steinkohlengebirges und des Rotliegenden, die die Faltenbewegung des Hunsrück nicht mehr zeigen, also erst nach dieser entstanden sind, dessen Grenze. Im Gebiet des Rotliegenden fanden, in der Nahegegend, die vulkanischen Ausbrüche des schwärzlichen Melaphyr- und des rötlichen Porphyrgesteins statt.

Abb. 87. Kirn und die Kyrburg. (Zu [Seite 94].)

Der Hunsrück, Entstehung und Namen.

Über die Herkunft des Namens Hunsrück ist viel herumgestritten worden, und noch immer scheinen die Geister nicht einig zu sein. Drei Deutungen streiten miteinander. An „Hundesrücken“ zu denken, legte der Klang des Wortes nahe. Die Namengebung wäre dann verwandt mit der des „Katzenbuckel“ im südlichen Odenwald. Aber gerade jene Deutung wurde viel bekämpft und ihr die Ableitung von „Hünenrücken“ = hoher Rücken entgegengestellt, bis neuerdings Gymnasialdirektor Back im „Hochwald- und Hunsrückführer“ wieder für die zuerst genannte Ableitung eingetreten ist. Er stützt sich hierbei auf das Vorkommen eines alten Gaunamens, der „Hundesrucha“ hieß. „Dieser Gau umfaßte,“ so schrieb Back, „den höchsten Teil der Hochfläche in der nordöstlichen Hälfte unseres Gebirgslandes. Dieser bildet aber einen von Nordosten nach Südwesten ziehenden Rücken, der nach beiden Enden hin — im Hochwald und in der Halfter Heide — sich erhebt, in der Mitte mäßig eingesenkt ist. Darin liegt die Erklärung des Namens, indem das Eigentümliche des Hunderückens die in der Mitte etwas eingesenkte Gestalt ist.“ Diese Beweisführung erscheint wohl begründet. Dennoch vermag sie nicht alle Zweifel zu beseitigen. Es kommt darauf an, ob nicht schon der alte Gauname „Hundesrucha“ eine fehlerhafte Übertragung eines noch älteren Namens ist, da doch das Bild des eingesenkten Hunderückens ein etwas eigentümliches ist. In jüngster Zeit ist eine andere Deutung versucht worden, die davon ausgeht, daß das Wort „hun“ die Bedeutung von schwarzes, dunkel hätte, Hunsrück also „dunkler Rücken“ heißen würde. Wichtiger als der Streit um die Herkunft des Namens ist die Tatsache, daß er früher nur einen kleinen Teil des oben umgrenzten Gebietes bezeichnete, und daß man heute im Lande selbst unter Hunsrück nur die Hochflächen versteht, die dem eigentlichen Gebirgszuge nach Norden zur Mosel hin vorgelagert sind, daß dieser selbst aber in seinen einzelnen Abschnitten und Parallelketten ganz andere Namen führt. Es steigt der Moselaner, der Coblenzer, der Bopparder hinauf zum Hunsrück, aber der Bewohner des Nahetals wandert zum Soon-, zum Hoch- und Idarwalde, und vom Hunsrück spricht er nicht.

Abb. 88. Schloß Dhaun. (Zu [Seite 94].)

Abb. 89. Oberstein. (Zu [Seite 94].)