Abb. 114. Die Apollinariskirche in Remagen. (Zu [Seite 117].)

Die Marienburg. Von Bernkastel bis Cochem.

Wir verlassen in Bullay das Moselschiff und steigen auf steilem Pfad zwischen Weinbergen hinan. Rückwärts schauend, erblicken wir tief unter uns den Fluß, der sich in Schlangenbiegungen hinter den Bergen verliert, und grüßen das Schifflein, das langsam die Welle durchfurcht. Bald haben wir die Gebäude der Marienburg ([Abb. 101]) erreicht. Es sind die Ruinen eines sagenhaften Schlosses, an dessen Stelle 1146 ein Frauenkloster gegründet wurde. Das malerische Chor der damals erbauten Kirche ist noch ziemlich gut erhalten. Wir wandeln zwischen den Trümmern und durchschreiten den in Gartenanlagen umgewandelten Burg- oder Klosterhof. Auf der andern Seite der Marienburg bleiben wir überrascht stehen. Auch dort zu unsern Füßen ein großer Flußlauf, die Mosel!

„Oftmals bewunderst du selbst im Stromlauf die eigene Rückkehr“

so sang schon der römische Dichter Ausonius, der auch die Mosel und den Hunsrück bereiste. Im Burggarten lassen wir uns nieder und erquicken uns am kühlen Wein. So sitzen wir lange. Aber immer wieder lockt es uns, hinauszutreten und die herrliche Landschaft, das Doppelbild, auf der einen Seite das Bild der Eifelhöhen, auf der andern das der Hunsrückberge, zu betrachten, bis das Schifflein kommt, das wir vorher verließen. Dann springen wir hurtig hinunter und setzen in Pünderich die Fahrt fort.

Abb. 115. Altenahr. (Zu [Seite 118].)

Daß auch in wirtschaftlicher Hinsicht das Moseltal durch die großen Biegungen mehr gegliedert wird, erkennen wir an dem Aufblühen zahlreicher Städtchen und Flecken, z. B. von Bernkastel (4500 Einw.) ([Abb. 102]), Traben-Trarbach (5500 Einw.) ([Abb. 103]), Zell ([Abb. 106]) und Cochem ([Abb. 105]), die sämtlich auf der mittleren Moselstrecke liegen, während zwischen Cochem bis Coblenz kaum noch ein Ort von der Bedeutung dieser Städtchen folgt. Auch die obere Strecke, zwischen Trier und Bernkastel, kann sich in dieser Hinsicht nicht mit der mittleren messen. In früherer Zeit hatte dort die Mosel einen andern Lauf. Sie folgte in mehr gerader Richtung einer Senke, die nördlich von dem jetzigen Lauf auch heute noch ausgeprägt ist und als ein ziemlich ebenes Gelände einen Teil der Ansiedelungen an sich zog. Auf dem mittleren Laufdrittel bildeten sich die genannten Städtchen zu natürlichen Mittelpunkten der durch die Talbiegungen voneinander ziemlich abgeschlossenen Landschaften aus. Diese erweitern sich meist noch durch ein kleines Seitental, auf dessen unterste Strecke die nämliche Wirtschaftsweise, vor allem der Weinbau, übertragen werden konnte.