Abb. 116. Neuenahr, von der Thomashöhe gesehen.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 120].)
Mosellandschaft und -orte.
Die zahlreichen Biegungen der Mosel hatten ferner zur Folge, daß, bei der Hauptrichtung des Flusses nach Nordosten, stets nur die wechselnde Talseite mit Reben bepflanzt werden konnte. Auf der andern, mit ihren Abhängen mehr nach Norden gerichteten — bald ist’s die linke, bald die rechte — blieb der Wald bestehen. Meistens sind es Lohhecken, die diese bekleiden. So entsteht ein Wechsel der Belaubung. Auf die kahlen und in sehr gleichmäßigem Grün erscheinenden Weinberge folgen wechselvoller beleuchtete und gefärbte Waldpartien, auf diese wieder Weinberge und so fort: entschieden ein landschaftlicher Vorzug gegenüber dem Rheintal, wo auf weiten Strecken die Rebenanlagen bis zur Ermüdung im Landschaftsbilde immer wiederkehren. Die stärkere Bewaldung hat auch zur Folge, daß die Moselberge gerundeter erscheinen als die Berge des Rheintales, dessen schroffe Formen durch die Weinberge nur wenig gemildert werden.
Abb. 117. Der Rolandsbogen mit Blick auf den Drachenfels. (Zu [Seite 123].)
Unter den Moselorten sind manche, die auf ein hohes Alter zurückschauen können, wie Pfalzel (von Palatiolum), wo Adela, die Tochter des Frankenkönigs Dagobert II., ein Frauenkloster gründete; Riol (von Rigodulum), wo nach dem Bericht des Tacitus der römische Feldherr Cerealis die Treverer besiegte; Neumagen (von Noviomagus), wo in der Nähe der Kirche eine Festung Constantins lag, die der Dichter Ausonius erwähnt:
„Drauf sah ich an des Belgerlandes Grenzen
Die Prachtburg Constantins Neumagen glänzen.“
Burg Cochem.
Enkirch, schon 690 als Villa Ancaracha genannt; Cochem (Cuchuma), das im zehnten Jahrhundert als Reichslehn des Aachener Pfalzgrafen erwähnt wird; Treis (Trisvilla); Carden (Caradona) ([Abb. 104]), wo im vierten Jahrhundert der heilige Kastor in einer Höhle gelebt haben soll u. a. Von den zahlreichen Burgen seien als die schönsten oder in Sage und Geschichte am meisten genannten außer der Marienburg noch erwähnt die Burgen von Cobern, Burg Thurant bei Alken, die in einem engen Seitental gelegene Ehrenburg ([Abb. 107]), die Reichsburg Beilstein ([Abb. 108]), die Festung Montroyal auf dem Trabener Berg, deren Schleifung 1697 durch den Ryswycker Frieden verfügt wurde, und vor allem die turmreiche, in neuer Schönheit wieder hergestellte Burg Cochem ([Abb. 109]). Letztere gehörte von 866 bis 1140 den Pfalzgrafen bei Rhein und war bis 1294 Reichsburg. Die Franzosen zerstörten den herrlichen Bau im Jahre 1689. Lange lag sie in Trümmern, bis der Geheime Kommerzienrat Ravené sie nach alten Plänen und Ansichten 1868 bis 1878 neu aufführen ließ und dadurch dem Moseltal seinen hervorragendsten Schmuck wiedergab. Andere Moselorte sind noch als Weinorte berühmt geworden, wie Graach, Erden, Zeltingen ([Abb. 110]), Lieser, Winningen usw. In einem Seitental der Mosel liegt inmitten einer herrlichen Waldespracht das Bad Bertrich ([Abb. 111]).