Abb. 122. Das Bröckemännche der Bonner Rheinbrücke. (Zu [Seite 125].)

Hammerstein. Rheineck.

Die Rheintalstrecke von Andernach bis Bonn kann sich an Schönheit mit der Strecke von Bingen bis Coblenz nicht messen; nur für den letzten Abschnitt, in dem die Sieben Berge vor uns auftauchen, gilt dieses Urteil nicht. Aber der landschaftlichen Reize bleiben noch genug, um eine genußreiche Stromfahrt zu bereiten. Trotzig ragt auf der rechten Rheinseite der gewaltige Grauwackenfels vor uns auf, der einst die stolze Burg Hammerstein trug, in der Kaiser Heinrich IV. auf der Flucht vor seinem Sohne Heinrich V. sich im Jahre 1105 eine Zeitlang aufhielt. Im Dreißigjährigen Kriege hausten abwechselnd Schweden, Spanier, Kurkölner und Lothringer in derselben. Schon 1660 wurde sie auf Veranlassung des Erzbischofs von Köln zerstört, und zwar recht gründlich; denn nur noch geringe Trümmerreste bedecken die Bergeskuppe. Günstiger war das Schicksal der Burg Rheineck, die uns von der linken Talwand grüßt, sobald das Schiff an den beiden freundlichen Rheinorten Brohl und Rheinbrohl, von denen jener links, dieser rechts das Ufer säumt, vorübergleitet. Zwar wurde sie zweimal, 1689 von den Franzosen und 1692 von kurkölnischen Truppen zerstört. Aber der stattliche, 20 m hohe Bergfried hielt trotzig stand und blickt noch heute stolz in die Fluten des Rheines hinab. Längst, seit 1548, ist das Geschlecht von Rheineck ausgestorben. Ein Herr von Bethmann-Hollweg ließ jedoch 1832, unter dem Schirm des alten Bergfrieds, einen neuen Bau aufführen und diesen im Innern durch Steinle mit Fresken schmücken. Auch schräg gegenüber auf einem Bergabhange der rechten Rheinseite, über dem Orte Hönningen, der durch seinen Hubertussprudel und den in der Nähe erbohrten Arienheller Sprudel bekannt geworden ist, erwuchs in neuer Pracht ein stolzer Bau, Schloß Arenfels oder Argenfels. Sein erster Erbauer, Heinrich von Ilsenburg, benannte es nach seiner Gemahlin, einer Gräfin von Are. 1849 kam es in den Besitz des Grafen Westerholt, der es durch keinen geringeren als den berühmten Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner prächtig erneuern ließ.

Goldene Meile.

Indem wir unsern Blick auf die beiden Schlösser richteten, bemerkten wir kaum, welche große Veränderung mit dem Rheintale vor sich ging. Aus der engen Felsenspalte, die bei Andernach sich schloß, bei Rheinbrohl aber wieder öffnete, hat der Strom sich glücklich herausgewunden. Nun kann er wieder zwischen weichen Strand sich betten, nun lachen ihm wieder grüne Wiesen, mit Obstbäumen besetzte Fluren. Eine kleinere Ebene hat sich zwischen Rheinbrohl und Hönningen auf der rechten Rheinseite gelagert, eine größere zwischen Niederbreisig, das Hönningen gegenüber liegt, und Remagen auf der linken Seite. Jene ist etwa 1 km, diese 2 bis 3 km breit. Die schnellfüßige Ahr, die infolge ihres eiligen Laufes viel Schlamm und Gerölle mit sich führt, hat die größere Ebene abgelagert. Durch ihre Anschwemmungen wurde der Rhein immer mehr nach Osten gedrängt. Indem er aber diese Biegung machte, wurde er veranlaßt, das rechte, felsige Ufer anzunagen, am linken, dem toten Ufer dagegen seine Schwemmstoffe abzulagern. So halfen Ahr und Rhein gemeinsam, die schöne fruchtbare Ebene an der Ahrmündung, die Goldene Meile genannt, aufzubauen, über die mit Wonne unser Blick hinüber nach den beiden Städtchen Sinzig (über 3000 Einw.) und Remagen (3800 Einw.) ([Abb. 113]) schweift. Am rechten Ufer aber grüßt uns das alte Städtchen Linz (3600 Einw.).

Abb. 123. Arndt-Denkmal in Bonn. (Zu [Seite 126].)

Sinzig. Linz.

Sinzig, das wahrscheinlich das römische Sentiacum ist, liegt nicht am Rhein, sondern in halbstündiger Entfernung an dem schon etwas erhöhten Fuße der linksseitigen Höhen. Malerisch tritt besonders die Kirche mit ihrem achteckigen Hauptturme, der an der Chorseite von kleinen Türmchen flankiert ist, hervor. Sie gilt für eine der schönsten Kirchen am Rhein. In spätromanischem Stile erbaut, zeigt sie noch die vorherrschende Verwendung der Rundbogen. Der Bau wurde 1220 geweiht. Das Innere der Kirche ist ausgemalt. Kunsthistorischen Wert hat ein Flügelbild im nördlichen Kreuzarm, von einem altkölnischen Meister herrührend, das auf Goldgrund Christi Kreuzigung, seine Himmelfahrt und den Tod Mariä darstellt. Auch die Stadt Linz, die gleich Andernach zum Teil noch von Mauern und Türmen umgeben ist, besitzt eine aus dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts stammende romanische, dem St. Martin geweihte Kirche, die jedoch in späterer Zeit einen gotischen Turmhelm und anderen gotischen Schmuck erhielt. Über Linz erhebt sich der Donatus- oder Kaiserberg, der einen schönen Blick ins Rheintal und das auf der anderen Seite sich öffnende Ahrtal darbietet. Mehr locken den Fremden aber noch die großartigen Basaltsteinbrüche bei Dattenberg — der Ort ist bekannt durch seinen Rotwein —, ebenso auf dem Minderberg. Er bewundert dort die Pracht der Basaltsteinsäulen und ist erstaunt über die schöne, smaragdgrüne Färbung des Wassers, das sich in den Vertiefungen der Steinbrüche ansammelt und überraschende Spiegelbilder der infolge langsamer Erkaltung so regelmäßig gegliederten, bis zu 7 m langen und 20 cm dicken Basaltsäulen zeigt. Der Geologe, der ihn dieses Wunderwerk der Natur schauen läßt, führt ihn auch zu den Rheinkiesablagerungen, die in bedeutender Höhe über dem jetzigen Spiegel des Stromes verraten, wo dieser einst seine Fluten durch das noch nicht so tief ausgenagte Tal bewegte.