Die Hauptgesteinsmasse des Rheinischen Schiefergebirges entstand in der Erd-Epoche, die der silurischen Zeit folgte und den Namen Devon erhalten hat. Dieselbe wurde benannt nach der englischen Grafschaft Devonshire, weil sie dort vom englischen Geologen Murchison zum ersten Male als ein selbständiges Glied der Erdrinde nachgewiesen wurde. Bei der geologischen Erforschung des Rheinischen Schiefergebirges zeigte sich, daß sie in diesem Gebiete viel vollständer entwickelt ist. Sie könnte also zutreffender als Rheinische Formation bezeichnet werden. Das Devon wird in drei Unterglieder, in das Unter-, Mittel- und Oberdevon, eingeteilt. Von diesen ist das älteste Glied, das Unterdevon, am mächtigsten entwickelt. Ihm gehören die Tonschiefer und Grauwacken, ferner der noch ältere Taunusquarzit, der besonders im Taunus und Hunsrück eine wichtige Rolle spielt, und als älteste Gesteine die Phyllite und Sericite an. Letztere, die eine schmale Zone am Südfuße des Taunus und des Hunsrück bilden, werden von einigen Forschern auch für älter als devonisch gehalten. Im Vergleich zum Unterdevon hat das Mitteldevon, wie ein Blick auf die geologische Karte[A] uns sagt, nur eine geringe Verbreitung. Die Eifelkalke, die bei Gerolstein als prächtige Dolomitfelsen aufragen, und die Lenneschiefer, die zwischen der Sieg und der Ruhr verbreitet sind und also den Boden des Bergischen Landes bilden, gehören ihr an. Das Oberdevon ist noch viel weniger verbreitet. Schichten desselben kommen nur in einer Kalkmulde bei Prüm in der Eifel, zwischen der Wupper und der unteren Ruhr im Bergischen Lande, bei Aachen und in der Lahn- und Dillgegend vor.

Abb. 8. Der Dom in Frankfurt.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 21].)

Obschon die unterdevonischen Schichten die ungeheure Mächtigkeit von etwa 3300 m besitzen, sind sie, wie aus den Versteinerungen, die sie enthalten, als den Spuren früherer Lebewesen, geschlossen werden konnte, in einem ziemlich seichten Meere, das mit unserer Nordsee verglichen werden kann, abgelagert worden. Es sind jedoch nur wenige versteinerungsreiche Bänke bekannt geworden. Um so reicher ist die Ausbeute des Paläontologen in den mitteldevonischen Kalken und Schiefern, die sich als Tiefseebildungen zu erkennen geben. Diese Schichten, besonders die Kalke der Eifel, enthalten eine solche Fülle von Versteinerungen, daß man, wie Rauff sich ausdrückt, „streckenweise keinen Stein aufheben kann, der nicht zugleich Versteinerung wäre, und daß beispielsweise in der Umgebung von Gerolstein, ohne jede Übertreibung gesprochen, die Straßen tatsächlich mit Korallen und Stromatoporen beschottert werden“. Auch die oberdevonischen Schichten enthalten stellenweise einen großen Reichtum von Versteinerungen. Außer zahllosen Muscheln aus der Klasse der Brachiopoden oder Armfüßler, Korallen, Seesternen, Seelilien und krebsartigen Tieren treten im Devon zum ersten Male auch Fische und Ammoniten auf. Die Fische hatten sämtlich ein knorpeliges Skelett gleich den Haifischen und Stören der Gegenwart, weshalb von ihnen nur wenig erhalten ist.

Als sich die devonischen Schichten ablagerten, fanden gleichzeitig viele submarine Ausbrüche von vulkanischem Gestein, von Diabasen und Aschen statt; die Schalsteine der nassauischen Gegenden haben diesen Ursprung. In Verbindung mit Kalksteinen bewirkten sie sekundär die Entstehung von Eisenerzen, besonders von Roteisensteinen, so daß im Nassauischen und in Westfalen ein bedeutender Eisenbergbau begonnen werden konnte.

Abb. 9. Goethe-Haus in Frankfurt.
Nach Luib, Der Taunus. Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung in Frankfurt a. M. (Zu [Seite 22].)

Die Steinkohlenzeit.

Auf die devonische Zeit folgte die Karbon- oder Steinkohlenzeit. Sie schuf die Ablagerungen, die das Rheinische Schiefergebirge im Norden, Osten und Südwesten säumen, im Norden in langer Ausdehnung von Valenciennes in Frankreich bis nach Marsberg in Westfalen, von da am Ostrande des Devon nach Süden herumgreifend bis über Wetzlar hinaus, im Südwesten auf kleinerem Raume an der Saar und oberen Nahe. Wir unterscheiden ein Unterkarbon und ein Oberkarbon oder das produktive, d. h. von Kohlenflözen erfüllte Steinkohlengebirge. Jenes ist in Belgien als Tiefseebildung in einer ungeheuren Mächtigkeit, östlich vom Rhein aber als Flachseebildung entwickelt, letzteres haben wir überall als die Ablagerung eines sehr seichten Meeres, in dessen Buchten sich ein ungemein üppiges Pflanzenleben entfalten konnte, aufzufassen.