Abb. 141. Königswinter und der Drachenfels.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 123] u. [142].)
Abb. 142. Schloß Drachenburg am Rhein, Südseite. (Zu [Seite 123] u. [143].)
In der Kroppacher Schweiz.
Für die Durchwanderung des Gebietes können wir verschiedene Routen wählen. Von Bonn, wo wir auf unserer Rheinfahrt halt machten, gelangen wir ostwärts über den Rhein fast unmittelbar in das Siegtal. In der Niederung, durch die die Sieg, zuletzt in sumpfigem Wiesengelände, zwischen Weidengebüsch dem Rheine zuströmt, grüßt uns die auf einer niedrigen Bergkuppe gelegene frühere Abtei Siegburg. Zu ihren Füßen liegt die gleichnamige Stadt. Eine Königliche Geschoßfabrik ist daselbst in Betrieb. Zur linken Hand, näher zum Rheine, ragen die qualmenden Schlote der Friedrich Wilhelms-Hütte hervor. Indem wir weiter nach Osten wandern, rücken bald die Berge von beiden Seiten näher zusammen, um ein freundliches Wiesental zu umfassen. Meist ist dieses nicht sehr enge, und die bewaldeten Abhänge steigen weniger schroff als in den anderen Tälern des Rheinischen Schiefergebirges empor. An die Stelle des Wilden und Großartigen tritt fast überall das Anmutige. Von steiler, etwas vorspringender Bergwand grüßt uns die Burgruine Blankenberg. Durch Weinpflanzungen, fast die einzigen an der Sieg, steigen wir zu den Burgtrümmern und dem gleichnamigen Örtchen hinan und lassen den Blick hinab in das Wiesental, durch das der Fluß in Schlangenbiegungen zieht, und fern zur Rheinniederung, wo, beleuchtet vom Abendglanze, die Abtei Siegburg noch einmal grüßt, schweifen. Gastlich ladet uns dann das hübsche Städtchen Eitorf zu längerem Verweilen in froher Gesellschaft zahlreicher Sommerfrischler ein. Aber das gesteckte Wanderziel lockt uns weiter. Das Siegtal behält weiter oberhalb seinen Charakter bei. Wir verlassen es deshalb bei dem Orte Wissen und biegen in ein spaltartig sich öffnendes Nebentälchen ein, durch das die Nister die Westerwaldgewässer der Sieg zuführt. In dem engen Tale war nicht einmal Raum für eine Straße. So folgen wir einem Pfade, der uns bald auf die eine, bald auf die andere Flußseite führt und uns über Steine den Weg durch den schnellfließenden, breiten Bach suchen läßt. In einer Wiesenau verlieren wir gar den Weg und wandern an verkehrter Stelle an der Talwand empor, bis ein Landmann uns zurechtweist. Das Tal wird noch immer romantischer, und die Bewohner erzählen uns mit Stolz von der Kroppacher Schweiz. Überall schauen Felsklippen aus den waldgeschmückten, steil und ziemlich hoch aufragenden Talwänden heraus. Das Dorf Kroppach lassen wir abseits liegen, und unser Weg führt uns durch zahlreiche kleine Ortschaften, die meist nur eine größere Häusergruppe bilden. Die Sonne brennt heiß, und uns quält nach dem vielen Hin- und Herwandern, Auf- und Niedersteigen der Durst. Aber vergebens fragen wir nach einem Wirtshause. So kommen wir wohl, vom Verlassen des Siegtales an gerechnet, durch zehn kleine Dörfer und sind froh, mit einem Trunk Wasser, den die Leute uns reichen, den stärksten Durst löschen zu können. Ein merkwürdiges deutsches Land, wo keine Wirtshäuser sind und dabei so nah dem rebenumkränzten Rhein! Nachdem wir nach solchen so lange vergebens gesucht und gefragt hatten, treten wir beherzt in eine alleinstehende Mühle ein und fragen nach Bier. Gern hätte uns die Müllerin einen solchen Labetrunk dargeboten, aber die letzte Flasche im Keller war schon von anderen durstigen Wanderern getrunken worden. So lassen wir uns einen dampfenden Kaffee brauen. An süßer Milch und guten Eiern fehlte es auch nicht, und in der blankgescheuerten Müllerstube saß es sich gut, besser als in manchem prächtigen Gasthause. Doch weit ist noch der Weg nach der Cistercienserabtei Marienstatt, und wir müssen weiter wandern. Durch prächtige Buchen- und Tannenwälder führt der Weg. Die Abtei Marienstatt ([Abb. 131]) liegt mit einer schönen gotischen Kirche bald in wald- und wiesengeschmückter Landschaft vor uns. Über Feld wandern wir dann nach dem Städtchen Hachenburg, das von einem alten, fürstlich Saynschen Schloß überragt wird. Dort besteigen wir die Eisenbahn zur Fahrt nach dem Städtchen Westerburg, über dem, auf einer Basaltkuppe ebenfalls eine Burg, das fürstlich Leiningensche Schloß thront ([Abb. 132]).
Abb. 143. Hochzeitszug eines Kölner Patriziers und einer englischen Fürstentochter, die Blüte des Kölner Handels versinnbildend.
Wandgemälde im Schloß Drachenburg am Rhein. (Zu [Seite 123] u. [143].)
Abb. 144. Ruine Drachenfels.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 143].)