Abb. 163. Inneres des Kölner Domes, Blick von Westen nach Osten.
Nach einer Photographie von Anselm Schmitz in Köln. (Zu [Seite 167].)
Der Drachenfels.
Auf dem Plateau des Drachenfels entfaltet sich während der Reisezeit des Jahres ein fröhliches Leben und Treiben. Zu den zahlreichen Besuchern, die Eisenbahn und Dampfschiff von den benachbarten Städten, besonders von Bonn und Köln, bringen, gesellen sich die Scharen der fremden Besucher. Nur wenige von diesen letzteren versäumen es, dem Drachenfels einen Besuch abzustatten. Für die von Norden Kommenden ist der Drachenfels und im weiteren Sinne das Siebengebirge der erste Punkt, der ihnen den vollen Glanz des Rheintales entfaltet, und für die in der umgekehrten Richtung Reisenden bildet er das Schlußstück der herrlichen Rheinreise, und nur mit Wehmut vermögen sie sich loszureißen von dem schönen Bilde, das das Auge von der Höhe des Drachenfels schaut. Doch wehmütige Stimmungen dauern am Rhein nicht lange. Im Kreise der vielhundert frohen Zecher, die an schönen Sommer- oder Herbsttagen auf dem Drachenfelsplateau beim Drachenblut oder einer würzigen Bowle sitzen, beim hellen Gläserklang und beim Sang des alten Barden ([Abb. 146]), der beliebte Rheinlieder vorträgt, vergessen wir die Wehmut, das Scheiden, und nur noch der Gedanke des Zurückkehrens nach diesem wonnigen Lande, nach diesem romantischen Fleckchen Erde liegt uns im Sinn.
Abb. 164. Köln im 16. Jahrhundert.
Nach Braun & Hohenberg. (Zu [Seite 171].)
Der Petersberg.
Noch zu vielen anderen genußreichen Wanderungen ladet das Siebengebirge ein. Es verbietet der Raum, sie alle auch nur in Kürze zu zeichnen. Vielbesucht ist auch der Petersberg, dessen breitgewölbte Kuppe in wuchtiger Gestalt nördlich von Königswinter und in etwas größerer Entfernung vom Rhein aus dem Rheintale aufsteigt. Seine Rheinaussicht steht zwar hinter der des Drachenfels weit zurück. Um so schöner ist der Blick, die sogenannte Gebirgsaussicht, der sich auf andere Kuppen des Siebengebirges öffnet. Während der Drachenfels aus dem hellfarbigen, besonders auf der West- und Südwestseite lebhaft herausleuchtenden Trachytgestein besteht, ist der Petersberg eine Basaltkuppe. Aber ein dichtes Waldkleid läßt das dunkle Basaltgestein nirgendwo landschaftlich zur Geltung kommen. So geht dem Petersberg die wilde Romantik seines bevorzugten Nebenbuhlers ab. Und wie seine Formen weicher und gerundeter sind, so ist er auch in der Geschichte weniger eine Kriegs- als vielmehr eine Kultusstätte gewesen. Schon im zwölften Jahrhundert gründete ein Klausner namens Walter auf dem Petersberg, der damals Stromberg hieß, eine klösterliche Gemeinschaft. Die Mönche verlegten aber bald ihren Sitz, und auch andere Mönchsorden hielten nicht aus. Doch fand, wie Caesarius von Heisterbach berichtet, noch zuweilen Gottesdienst auf dem Berge statt. Auch heute steht auf ihm ein Kirchlein, das im Jahre 1762 erbaut wurde, und am Peter- und Paulsfesttage pilgern viele Andächtige zu diesem hin. Der Petersberg ist, seitdem er ein prächtiges Hotel und eine Zahnradbahn erhalten hat, gleich dem Drachenfels, vor dem er den Vorzug schattiger Promenaden hat, ein vielbesuchter Punkt geworden. Vor dem Hotel fesseln gewaltige, gerundete Basaltblöcke unser Auge. Vier von ihnen, die übereinander liegen, scheinen von Menschenhand in diese Lage gebracht zu sein. Man hält sie deshalb für den Rest eines megalithischen Denkmals aus vorrömischer Zeit, das den Berg zugleich als eine uralte Kultusstätte kennzeichnen würde. Im Jahre 1879 wurde auf dem Petersberg auch ein noch gut erhaltener germanischer Ringwall festgestellt. Als Zufluchtsstätte bei Kriegszeiten war diese Kuppe des Siebengebirges, weil sie das größte Plateau besitzt, in der Tat am geeignetsten in der ganzen Gegend. Eine mittelalterliche Burg hat dagegen auf derselben nicht gestanden.
Heisterbach.
Am Nordfuße des Petersberges liegt in stiller Waldesruhe die Ruine Heisterbach ([Abb. 147]), der letzte Rest der herrlichen Abteikirche, die 1809 abgebrochen wurde. Wie wechselten um uns der Landschaft Bilder! Auf dem Drachenfels die alte Kriegsfeste, auf dem Petersberg ein Kirchlein, das nahe der großen Heerstraße des Lebens den Wanderer zu sich ladet, hier ein stilles, weltentlegenes Fleckchen Erde, das sich selbst genügen will und einst den frommen Mönchen auch die Welt war! Gleich jenem Mönch von Heisterbach, der, wie die Sage uns erzählt, nachgrübelnd sich in der Ewigkeit verlor, so ist es auch uns in dieser Waldeinsamkeit, als wenn die Weltenuhr stille uns stände. In dem prächtigen Buchenhochwald umfängt uns Dämmerung am hellen Tage, und des Mittags Hitze wird zu erquickender Kühle. So schwinden uns die Stunden-, die Zeitbegriffe.
Tausend Jahre sind ihm wie ein Tag,