Ausbildung der heutigen Formen.

Als die Schwankungen der Meeresgrenzen aufhörten und das Rheinische Schiefergebirge in seinem heutigen Umfange wieder als trockenes Land heraustrat, wurde seine Oberfläche von neuem modelliert, und zwar um so stärker, je höher sie gehoben wurde. Sie schmückte sich mit neuer Schönheit, indem weiches Gestein fortgeschwemmt wurde, härteres aber stehen blieb, und indem die heutigen Gewässer ihre Täler tief eingruben. Die zahlreichen Bergrücken, welche den sonst einförmigen Hochflächen des Rheinischen Schiefergebirges heute noch aufgesetzt sind, wie die Taunuskette, der Soon-, Idar-, Hoch- und Errwald auf dem Hunsrück, der Kondelwald, die Schneifel u. a. auf der Eifel usw. sind nur Reste härterer Gesteinsschichten, stellen aber durchaus nicht mehr die früheren Faltenzüge dar. Sie bestehen aus dem harten Quarzit, der der Verwitterung besser als die Schiefer-, Grauwacke- und Sandsteinschichten widerstand. Die Hauptachse der Taunus-Hunsrückfalte, die früher eine ununterbrochene Gebirgskette darstellte, lag z. B. südlich von der jetzigen höchsten Erhebungslinie und wird durch die dort auftretende schmale Zone der stark abgetragenen Phyllite und Sericite bezeichnet. Auch die Porphyr- und Melaphyrfelsen der Nahegegend, ferner die überaus zahlreichen Vulkanberge, besonders Basaltkuppen der Eifel, des Westerwaldes und des Siebengebirges, sowie die Kalkfelsen bei Gerolstein in der Eifel verdanken ihr jetziges stattliches Hervortreten meist nur dem Umstande, daß sie von der sie umgebenden weicheren Gesteinshülle allmählich entblößt wurden.

Abb. 12. Eschenheimer Turm in Frankfurt.
Nach Luib, Der Taunus. Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung in Frankfurt. (Zu [Seite 23].)

Bildung der Flußtäler.

Die heutige Talbildung des Rheinischen Schiefergebirges hat ihren Anfang wohl erst gegen Ende der Tertiärzeit, in der Pliocänzeit, genommen. Allmählich haben der Rhein und seine Nebenflüsse, die Mosel, die Lahn, die Nahe, die Sieg, die Ahr und die Wupper, ihr Bett bis zur jetzigen Tiefe ausgenagt und dadurch die große Gebirgsscholle in mehrere kleinere zerlegt. In bedeutender Höhe der Täler finden wir die Spuren ihres früheren Laufes. Am deutlichsten sind die alten Flußterrassen im Rheintal ausgebildet, doch fehlen sie auch im Tal der Mosel und in den Tälern der anderen Flüsse nicht. Im Rheintal ist eine Hoch- und eine Niederterrasse nachzuweisen. Jene liegt etwas nördlich von Coblenz in einer Höhe von 245, bei Linz von 200, auf der Erpeler Ley von 150 und auf dem kleinen Krater des Rodderberges bei Rolandseck von 130 m über dem jetzigen Rheinspiegel; sie setzt sich mit abnehmender Höhe auch durch die Kölner Bucht als Schotterfläche der Ville, ja bis nach Cleve und Nimwegen hin fort. Diese Hochterrasse zu beiden Seiten des Tales ist der Rest des ehemaligen, sehr breiten Strombettes. In dieses begann sich der Rhein später tiefer einzugraben. Er zog hierbei von selbst seine Wassermasse enger zusammen. Tiefer sank sein Spiegel, seine steilen Uferwände wurden immer höher und wuchsen allmählich zu Bergen, auf denen in der Höhe die aus mächtigen Schottermassen bestehende Terrasse zurückblieb. Außer dieser obersten Hauptterrasse kommen an den Talwänden auch kleinere Hängeterrassen vor. Die Niederterrasse, eine untere Hauptterrasse, liegt in einer Höhe von 20–30 m über dem jetzigen Wasserspiegel und bezeichnet wieder ein längeres Verweilen des Stromes in seinem Bette. Dann begann er, sich sein heutiges Bett zu graben.

Abb. 13. Das Opernhaus in Frankfurt.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 23].)

Abb. 14. Der Palmengarten in Frankfurt.
Nach Luib, Der Taunus. Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung in Frankfurt. (Zu [Seite 23].)