Abb. 15. Im Palmenhause des Frankfurter Palmengartens. (Zu [Seite 23].)

Zu diesem tiefen Einnagen kann der Strom, wie schon erwähnt wurde, nur durch eine langsame Aufwärtsbewegung des Rheinischen Schiefergebirges veranlaßt worden sein. Diese Aufwärtsbewegung war keine gleichmäßige, sondern ging bald langsam, bald schneller vor sich. Es hätte sonst eine Terrassenbildung nicht stattfinden können. Die Tatsache, daß die Quelle bzw. der Oberlauf der außerhalb des Rheinischen Schiefergebirges entspringenden Flüsse, der Saar, der Mosel, des Rheines (sein Lauf durch die Oberrheinische Tiefebene) jetzt tiefer liegen als die höchsten Spuren der alten Stromläufe, könnte auch so erklärt werden, daß jene außerhalb gelegenen Gebiete später eingesunken und die genannten Gewässer gezwungen worden seien, ihr Wasser aufzustauen, um schließlich über die Hochflächen des Rheinischen Schiefergebirges einen Abfluß zu finden. Die gleichzeitige Annahme von Spalten in letzterem erleichtert diese Erklärungsweise, nach der das Rheintal und seine Nebentäler nur als einfache Erosions-, d. h. Ausnagungstäler aufzufassen seien. Führen wir aber, wie es oben geschah, ihre bedeutende Vertiefung auf ein späteres langsames Emporsteigen des Rheinischen Schiefergebirges zurück — und hierzu sind wir gezwungen, um den beiden Tatsachen, der früheren teilweisen Überflutung des Gebiets durch das Tertiärmeer und der Terrassenbildung gerecht zu werden —, so haben wir eine kompliziertere Talbildung vor uns, die man die vorausgehende nennt. Diese Bezeichnung will andeuten, daß der Beginn der Talbildung der Gebirgserhebung vorausgegangen war, wenn sie auch durch diese erst zum schnellern Fortschreiten angeregt wurde. Wir brauchen in diesem Falle keine großen Spaltenbildungen, die den Gewässern den Weg wiesen, anzunehmen. Solche konnten sicher bisher auch nur auf wenigen Strecken des Rheintales und seiner Nebentäler nachgewiesen werden. Einem Gebirgsspalt folgt der Rhein z. B. auf der Strecke von Braubach unterhalb Boppard bis Coblenz. Die Deutung der Täler des Rheinischen Schiefergebirges als vorausgehende Talbildungen schließt aber durchaus nicht aus, daß die außerhalb entspringenden Gewässer, also Rhein, Mosel und Saar, in früherer Zeit vor Eintritt in das Gebiet ihr Wasser seeartig aufgestaut haben, wofür besonders hinsichtlich des Rheinlaufs, der das Mainzer Becken und einen großen Teil der Oberrheinischen Tiefebene füllte, Beweise vorhanden sind. Diese Aufstauung mußte sogar in dem Maße stattfinden, als die Talvertiefung hinter der Aufwärtsbewegung des Rheinischen Schiefergebirges zurückblieb. Auch die eingesunkenen oder in der Aufwärtsbewegung zurückgebliebenen Schollen innerhalb des Gebietes, wie das Limburger und Neuwieder Becken und die Kölner Bucht, blieben noch lange Zeit von Wasserfluten bedeckt, bis sie sich mit dem Fortschreiten der Talbildung allmählich entleerten. Der Rhein und seine Nebenflüsse begannen ihre Talbildung in den überlagernden, aber wieder abgetragenen Schichten und setzten sie ohne Rücksicht auf den Gebirgsbau der unterlagernden Schichten fort, so daß man auch von epigenetischen oder aufgelagerten Tälern sprechen kann. Von der Pliocänzeit bis zur Diluvialzeit, und zwar bis etwa zu den letzten Abschnitten der Eiszeit, in der auch schon der Mensch am Rheine wohnte, war beinahe diese ganze Erosionsarbeit der Flüsse geschehen; denn der aus der letztgenannten Zeitepoche stammende feinerdige Löß bekleidet vielfach die Gehänge der Täler, besonders des Rheintales, fast bis zur Niederterrasse herab.

Abb. 16. Kurfürstliches Schloß in Mainz. (Zu [Seite 29].)

Abb. 17. Innere Ansicht der Stadthalle in Mainz. (Zu [Seite 30].)

Abb. 18. Mainz.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 23].)

[A] Geologische Übersichtskarte der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen, bearbeitet von H. v. Decken. — Geologische Übersicht von Mitteleuropa in Andrees Handatlas, V. Aufl. S. 37 38.