An der Itzquelle.

Wenn heute dein Weg dich hinführt zur Quelle der Idisa, dann siehst du sie ganz nahe der Kirche und dem Schulhause von Stelzen aus einem Felsen springen und in ein winziges Bächlein sich ergießen, das still und friedlich zunächst dem Dorfe zufließt, bis es in munterem Laufe seinen Weg zum Tale nimmt. Vor der Quelle findest du im Bleßbergwald noch ein freies, wundersam lauschiges Plätzchen, umrahmt und beschattet von hochstämmigen Buchen, Fichten und Edeltannen. Bei der ganzen Lage und Beschaffenheit des Platzes ist es der Phantasie leicht, Ort und Zeit, von denen die Sage dir erzählt, wieder vor’s Auge zu zaubern. Verschwunden ist der Segen der Heilkraft, von dem eine alte Überlieferung aus vorlutherischer Zeit erzählt: der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen! Das Hervorbrechen der Quelle aber und das Bächlein, das heute als Itz hinabfließt ins Tal, das als Fluß durch Wiese und Wald, durch Dorf und Stadt sich drängt, die Erde befruchtend und seine treibende Kraft in den Dienst frohtätiger Menschen stellend, ist zu einem dauernden Segen geworden: Der Name des Herrn sei gelobt!

In Stelzen zieht heute noch dann und wann die aus den Dörfern der Umgegend sich vereinende Gemeinde hinaus in den nahen, von allen guten Geistern belebten Wald, um ihrem Herrn und Gott ein Fest zu feiern. Über der Quelle ist dann eine einfache Kanzel erhöht. Die Ruhebänke ringsum werden zu Kirchenbänken, und über Priester und Gemeinde spannt sich die grüne Kuppel des Waldes. Die gläubigen Herzen empfinden die Wahrheit des uralten Bibelwortes: »Gewißlich ist der Herr an diesem Ort,« und in allen Seelen bezeugt sich die Vererbung des altväterlichen, frommen Glaubens, der im geheimnisvollen Wehen und Rauschen des Waldes, im Flüstern und Sprudeln der Quellen und in allen Regungen der Natur Äußerungen des allgegenwärtigen Gottes vernahm. Man gedenkt der alten Zeiten, da die Güte und Gnade des Herrn in der Heilkraft des Idisaquells sich offenbarte, man bedenkt, daß der Herr auch im Leben und Wesen der neuen Zeit durch Wohltun und Segen sich bezeugt, und man erkennt, daß das Wort von der Offenbarung Gottes eine ewige Wahrheit ist.

Blick von der Veste Coburg nach dem Bleßberg.

Anmerkungen.

Zu Seite [3].