„Ich — ich darf nicht!” stammelte Marga mit zuckenden Lippen.

„Sie dürfen nicht?” fragte er dumpf. „Und warum nicht? Weil Sie nicht können? Weil Sie mir nicht mehr geben können als Freundschaft? Darum?”

Marga schüttelte gequält den bleichen, blonden Kopf.

„Oh, Sie trauen mir nicht! Sie können nicht glauben, daß ich weiß, was ich will! Was ich tue! Ich habe Ihnen keine hohen Liebesbeteuerungen vordeklamiert! Ich will nicht, daß Sie auch nur eine unwahre Silbe von mir hören! Nur versuchen sollten Sie's mit mir! Ehrlich versuchen, bis Sie sich überzeugt haben, daß ich's ehrlich meine!” Seine Worte brachen jetzt ungestüm und drängend aus ihm hervor. Er verkannte sich nicht. Er wußte, wie er an Reife hinter ihr zurückstand. Aber er wußte auch, daß er sie und nur sie brauchte! Und er wiederholte ihr mit seiner leidenschaftlichen Beredsamkeit alles, was in diesen Tagen in ihm vorgegangen war, mit rückhaltloser, nichts verbergender Offenheit.

Während er noch sprach, sank Margas Kopf vornüber auf den Tisch, auf ihre Arme. Und mit einem Mal schüttelte das Schluchzen wie ein Schauer ihren Leib.

Erschrocken hielt Perthes inne.

„Ich darf ja nicht! Ich bin ja blind! Ich darf ja nicht!” ging es wie der Schrei eines auf den Tod Getroffenen durch den abendlichen, einsamen Garten.

Jetzt hatte Perthes verstanden.

Er reckte sich. Auch über ihn lief es wie ein Zittern. Es war sein Herz, das groß und übermächtig und warm in ihm aufpochte, als wollte es die kräftige Brust sprengen. Es war gut, was er wollte! Und es war Schönheit, die seine Seele weitete! Mochte das Gefühl nun Mitleid sein, unsägliches Mitleid oder brüderliche Freundschaft oder Liebe: er mußte ihre Hände ergreifen, stark und zwingend. Er mußte sie an sich ziehen —

Und Margas Kraft war zu Ende. Willenlos fiel ihr Kopf an seine Brust, und ihr tränenüberströmtes Gesicht verbarg sich dort. Um schwach zu sein, einen Augenblick schwach wie ein Weib, das liebt — und kostete ihre Schwäche sie ihre Seligkeit ...