„Bitte schönstens!” verteidigte sich die Verdächtigte entrüstet. „Das ist eine häßliche, grundlose Verleumdung!”
„Die ich mir auch in meinem Namen verbitten muß, Fräulein Marga!” brummte Wilkens höchst unwirsch.
„Wenn Sie mich noch lange warten lassen, Herr Doktor Perthes,” — Elli betonte die Anrede mit spitzer Breite — „sind Sie der unhöflichste Mensch, der mir je vorgekommen ist! Marga hat da überhaupt gar nicht mitzureden!”
„Aber Herrn Wilkens muß ich doch wenigstens um Erlaubnis fragen?” sagte Perthes, der nun ganz mit im Spiel war, zuvorkommend.
„Nun, Herr Wilkens?” fragte Elli. „Man überschätzt zwar Ihre Autorität, aber —”
„Ich denke durchaus fortgeschritten in solchen Dingen,” ließ sich Wilkens mit liberaler Großartigkeit vernehmen.
„Na also! Du siehst, Marga — drei gegen eine!” triumphierte Elli.
Marga wußte nicht aus noch ein. Sie war nicht ohne Humor. Aber der Mangel an äußerem Erleben hatte diese letzte und reifste Kraft nur erst spärlich in ihr entwickelt. Sie fand auch jetzt kein Scherzwort, um sich, ihre Schwere überwindend, aus der Klemme zu helfen. Sie versuchte zu lächeln. Doch der Ausdruck ihrer Augen strafte das Lächeln Lügen, und ihre Mundwinkel zuckten verdächtig.
Elli lenkte ein. „Gott, Margakind, ich will dich ja schließlich nicht benachteiligen!” erklärte sie großmütig. „Ich trete von meinem Schmollis zurück unter einer Bedingung: wenn du es Doktor Perthes anbietest statt meiner! Ich tue es blutenden Herzens und werde an Herrn Perthes nicht so bald wieder mit einem so verlockenden Vorschlag herantreten.”
Jetzt konnte auch Marga sich nicht des Lachens erwehren. Sie wollte nicht Spielverderberin sein und erhob bedächtig ihr Glas. Es kam ihr schwer, überschwer vor. Im Grunde waren ihr die Tränen näher als das Lachen. Aber Perthes ließ sein Glas kräftig dagegenklingen. Sie drückten sich die Hand, was Elli ausnehmend prosaisch fand.